Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum hält den Klimawandel für Mumpitz. Aber er glaubt schließlich auch, dass Darwin lügt und Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat. Allerdings hilft ihm – abgesehen von seiner Ignoranz – die ökonomische Macht seines Landes, sodass er sich weniger Sorgen machen muss als ärmere Nationen. Anders als etwa Mali besitzen die USA das Potenzial, sich der schleichenden Katastrophe anzupassen.
Würde Santorum dem amerikanischen Farmer John Glance zuhören, hätte er aber eine Ahnung davon, wie hoch der Preis der Ignoranz trotzdem ist: Dieser erlebt immer mehr Waldbrände, weil sich seiner Beobachtung nach die Jahreszeiten verändern. Ebenso erzählen Menschen aus aller Welt, wie die Wetterextreme zunehmen: Azizul Islam aus Bangladesh stellt fest, dass das Meerwasser seit 20 Jahren steigt und seine Felder versalzt. Der Fischer Tutaake Arawatou berichtet vom Inselstaat Kiribati, dass zwei oder drei Inseln seiner Heimat fast verschwunden sind. Der chinesische Bauer Yang Genbao merkte, wie die Regenfälle über die Jahre immer heftiger wurden und schließlich sein Haus wegschwemmten, während anderswo die Wüstenbildung zunimmt und sogar bis an Peking heranreicht. Der Bergführer Johann Kaufmann aus der Schweiz sorgt sich um die schmelzenden Gletscher und heftigen Wolkenbrücke, die er seit den 1980 Jahren zunehmend beobachtet. Jede Seite des Buchs zeigt ein weiteres Porträt und erzählt eine weitere Geschichte. Alle zusammen helfen, sich als große Familie zu begreifen, deren Unglück jedes Mitglied etwas angeht.
Matthias Braschler/Monika Fischer: Schicksale des Klimawandels. Hatje Cantz 2011, 144 Seiten, 60 Farbabbildungen, Hardcover, ISBN 978 3 7757 2806 5, Preis: 29,80 Euro
Link: www.hatjecantz.de


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