Jede Seite, die man von Tim Flachs Buch aufschlägt, verblüfft mit einzigartigen Tierfotos. Der britische Fotograf Tim Flach entgeht der Versuchung, seine Kreaturen zu vermenschlichen. Stattdessen erschafft er sie in durchkomponierten Porträts neu. Er isoliert Insekten ebenso wie Elefanten von ihrer natürlichen Umwelt und stellt sie vor einen neutralen Hintergrund. Zudem gestaltet er eine perfekte Beleuchtung und baut vor ihnen eine schwergewichtige Mittelformat-Kamera auf. Wertungsfrei stehen Löwen, Käfer, geschorene Pudel und eine Ziege mit eingebautem Spinnengenom nebeneinander. Begleitet werden sie von oft scharfsinnigen Texten. So wird neben dem Foto eines pummeligen Großen Pandas eine ketzerische Frage aufgeworfen: Warum steckt man unglaubliche Summen in ihre Züchtung? Dabei ist ihr Lebensraum ohnehin weitgehend zerstört und ihr Aussterben wäre weniger dramatisch als das der Honigbiene. Die einfache Antwort: Weil wir bei ihnen nicht rational, sondern gefühlsbetont reagieren.
Die Tierporträts erzeugen also gemischte Gefühle, und das ist gut so. Schließlich sollte kein Lebewesen so in emotionalen Schubladen landen wie es biologisch klassifiziert wird. Man darf es einfach bewundern, vor ihm erschrecken und vor allend Dingen neue Fragen stellen.
Tim Flach: Ganz nah. Porträts von Tieren. Knesebeck Verlag 2012, Hardcover, 313 Seiten, ISBN 978 3 86873 270 2, Preis: 68 Euro
Link: www.knesebeck-verlag.de
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