Interview

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Museumsreif: Können sich Fotos ohne digitale Nachbearbeitung behaupten?

Jan Hinkel gehört zur neuen Generation von Fotografen, die viel aus dem Internet lernt. Außerdem kennt sie keine Scheu vor digitaler Nachbearbeitung. Konsequenterweise äußert er ketzerische Aussagen, die manchen klassisch orientierten Lichtbildner zum Widerspruch reizen. FOTO HITS hat sich mit ihm über die digitale Zukunft unterhalten.

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FOTO HITS: Die Nachbearbeitung etwa im Stil von Calvin Hollywood ist allgegenwärtig. Wie schafft man es trotzdem, aus der Masse herauszuragen?

Jan Hinkel: Ich glaube nicht, dass man heute nur erfolgreich sein kann, wenn man seinen eigenen Stil gefunden hat. Calvin Hollywood hat diesen Stil ja auch nicht erfunden, er hat ihn nur bekannt gemacht, etwa durch seine sympathischen Videos und vor allem Konstanz. Paul Ripke hat auch keinen eigenen fotografischen Stil, aber schafft es regelmäßig, Motive zu fotografieren, an die man so leicht nicht herankommt. Er war zumindest nach dem WM-Finale der einzige Fotograf auf dem Spielfeld.

Ich glaube, um erfolgreich zu sein, sind soziale Fähigkeiten, Organisationstalent und Hartnäckigkeit viel wichtiger als ein eigener Stil. Wenn man natürlich zudem noch einen Wiedererkennungswert in seine Bilder einbauen kann, ist das das Tüpfelchen auf dem i. Ich versuche dies in meinen Sportaufnahmen über die sehr dunklen, teilweise bronzefarbigen Hauttöne - was auch funktioniert und Interesse weckt. 

FOTO HITS: Wie hoch ist der Anteil digitaler Nachbearbeitung?

Jan Hinkel: Der Anteil digitaler Nachbearbeitung vor allem bei meinen Sportaufnahmen ist hoch, ich würde sagen um fünfzig Prozent. Gerade hierbei nutze ich die Bildbearbeitung, um die Dynamik in den Bildern zu verstärken. Das beansprucht dann schnell mal vier bis fünf Stunden pro Bild. Die Bildbearbeitung ist heute zumindest aus der kommerziellen Fotografie nicht mehr wegzudenken.

Ich kann verstehen, wenn Leute sagen, dass meine Bilder nicht mehr viel mit reiner Fotografie zu tun haben. Doch mit ihr kann man heute nur noch in Museen punkten. Das ist nicht der Weg, den ich gehen möchte. Mir macht es aber auch großen Spaß, aus meinen Bildern nach einem tollen Shooting das letzte Bischen herauszukitzeln. 

FOTO HITS: Trotzdem gilt die Regel „Garbage in, garbage out“, also: „Wenn das Digitalfoto nichts taugt, kann auch Photoshop nichts mehr richten“. Wie garantieren Sie gelungenes Ausgangsmaterial?

Jan Hinkel: Natürlich würde ich jetzt gerne sagen, das Bildmaterial muss aus einer Mittelformatkamera stammen. Deren Bildinformationen sind um einiges umfangreicher als die meiner Canon 5D Mark II. Das ist für die digitale Nachbearbeitung natürlich von großem Vorteil, etwa wenn der Stil oder das Licht im Nachhinein extrem verändert werden soll. Doch sind Mittelformatkameras für Sportaufnahmen zu unflexibel, abgesehen davon kommt man sehr gut mit dem Dynamikumfang der 5D Mark II zurecht.

Eine viel größere Rolle spielt bei mir persönlich eine möglichst exakte Lichtsetzung, da sie sich im Nachhinein nur schwer verändern lässt. Hier ist man später am PC auf eine saubere Arbeit am Set angewiesen.

Man muss jedoch ehrlicherweise sagen, dass man heute einige Fehler, die man während des Shootings gemacht hat, am Computer korrigieren kann. Ich sehe das als großen Vorteil an, da man so die Möglichkeit hat sich während des Shootings voll und ganz mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzen. Das halte ich für viel wichtiger als eine perfekt eingestellte Kamera. 

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FOTO HITS: Für viele unserer Leser hat eine starke Nachbearbeitung nichts mehr mit der Fotografie zu tun. Was antworten Sie auf solche Kritik?

Jan Hinkel: Hat es auch nicht. Ich betrachte beides als wichtige Bestandteile für ein gutes Foto, zumindest im kommerziellen Bereich. Aber beide Bereiche sind für sich genommen eigenständig.

Ich denke jeder definiert eine zu starke Nachbearbeitung anders. Für den einen fängt es schon bei einer einfachen Raw-Konvertierung an, die in meinen Augen Pflicht ist. Für andere wird es erst im Bereich von Computer-generierten Bildern (CGI) haarig. Letztlich wurden Fotos schon immer manipuliert, früher eben mit analogen Mitteln. Das vergessen heute viele bei dieser Diskussion.

FOTO HITS: Mittlerweile produzieren etwa 20 Prozent der Berufsfotografen auch Videos. Haben Sie diesbezüglich Pläne?

Jan Hinkel: Ich bin davon überzeugt, dass das Bild des Fotografen sich in Zukunft wandeln wird und das das Filmen ein fester Bestandteil seines Alltags werden wird. Bislamg habe ich mich noch nicht intensiv damit auseinandergesetzt, freue mich aber sehr auf dieses neue Themengebiet.

So arbeitet Jan Hinkel

Einen Einblick in seine Arbeit, sowie Tipps und Tricks zur Sportfotografie gibt der Fotograf im Artikel "Olympiareif" hier auf fotohits.de

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Jan Hinkel

Jan Hinkel ist ein Fotograf aus Krefeld. Neben dem Studium des Maschinenbaus eröffnete er sein eigenes Studio. Als wichtige Erfolgsmotoren nennt er außer fotografischem Können auch soziale Kompetenz und eine perfekte digitale Nachbearbeitung.