Praxis

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Adventliche Fotografie auf dem Weihnachtsmarkt

Tipps und Tricks für die Weihnachtszeit

Plötzlich und unerwartet steht die Weihnachtszeit wieder vor der Tür. Passend zu den Weihnachtsmärkten der nächsten Woche gibt Stefan Mayr von der Lighthouse Fotoschule in Augsburg adventliche Inspirationen.

Motivvielfalt: Weihnachtsmarkt
Weihnachtsmärkte bieten eine Vielzahl von Motiven für den Fotografen.

Der Weihnachtsmarkt, der in praktisch jeder Stadt zumindest an einigen Wochenenden im Dezember stattfindet, bietet eine große Auswahl an Motiven. Beim Schlendern mit der Kamera über diesen Markt findet man neben Glühwein und Bratwürsten viele spannende und fotografierenswerte Objekte im weihnachtlichen Licht – und zudem Szenen und Motive abseits der üblichen Klischees. Der Weihnachtsmarkt wird damit zur Wundertüte für den Fotografen, der hier eine ganze Reihe von gestalterischen Techniken ausprobieren kann.

Damit sich im Bild die volle Lichterpracht entfalten kann, sollte man diese Märkte am späten Nachmittag oder am Abend besuchen. Wenn die Dämmerung angebrochen ist, beginnt ebenfalls die Beleuchtung der Stände oder der mit Lichterketten geschmückten Straßen.

Ins Detail gehen

Details sind wichtig
Eine Vielzahl von Motiven wartet nur darauf, mit der Kamera entdeckt zu werden.

Neben der leuchtenden Ansicht des gesamten Markt gibt es reichlich kleine Details auf Adventsmärkten, die man fotografieren kann. Eine Vielzahl von Motiven wartet nur darauf, mit der Kamera entdeckt zu werden. Man sollte darauf achten, viele Details nur isoliert zu fotografieren, oder die Auslage als solche, da sich dies mit der Zeit wiederholt. Man sollte die Bilder anschneiden, Bezüge herstellen und mit den vielen Farben und Formen vor einem spielen. Durch die Bildkomposition dann jeder Fotograf seine eigene Interpretation der Szenen und Motive.

Mit Lichtern spielen
Die vielen Lichter des Markts wirken durch Unschärfeeffete besonders romantisch.

Mit Lichtern spielen

Gerade das Spiel mit Licht, Farben und Form hin zu weihnachtlich verträumten Motiven ist auf den Weihnachtsmärkten besonders lohnend. Es gibt quasi keine andere Situation, in der man als Fotograf auf eine vergleichbare Vielzahl an Lichtern und Details zurückgreifen kann, die sich immer wieder neu und anders kombinieren lassen.

Rein technisch betrachtet sollte man nur darauf achten, die Belichtung durch die Kamera so zu steuern, dass die Lichter nicht zu hell werden, weil dies die Stimmung schnell kaputt machen kann. Man sollte Teile des Bilds im Dunklen lassen, denn das macht die Fotos besonders spannend und aufregend.

Es empfiehlt sich also, bei Einsatz der Belichtungsautomatik auf die „Spot-Messung“ umzuschalten, die nur einen kleinen Teil im Zentrum des Bilds für die Einstellung von Blende und Verschlusszeit erfasst. Damit werden die Lichter oder hellen Auslagen der Stände angepeilt und die Belichtung somit darauf abgestimmt. Die erfassten Werte kann man für einer Fotoserie dies Motivs dann auch per manueller Einstellung der Parameter fixieren.

Jenseits des Klischees

Jenseits des Klischees
Die Lichter des Weihnachtsmarkts sollte man durch kreative Techniken auch einfach einmal ganz anders in Szene setzen.

Bilder von Kugeln, Lichterketten und Ständen können auf Weihnachtsmärkten reichlich entstehen – und dies ist sicherlich schön. Nur auf Dauer kann es langweilig werden. Daher sollte man sich nach „Motiven hinter den Motiven“ umschauen. Man sollte die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt nutzen, um neue Dinge auszuprobieren und kreativ zu fotografieren. Dazu ein paar Tipps:

  • Mit längeren Belichtungszeiten  und gleichzeitiger Bewegung des Zoomobjektivs oder der Kamera lassen sich „Ligthpainting“-Techniken nutzen, bei denen durch das Verwischen der Lichtpunkte zu Lichtstrahlen interessante Effekte entstehen. Statt klar erkennbarer Glanzkugeln sind im Bild Grafiken zu sehen. Dabei sei  auf den Workshop zum Thema „Unschärfe“ verweisen, der in FOTO HITS 10/2017 erschienen ist.
  • Wirklich lohnenswert ist es, während der „blauen Stunde“ Fotos aufzunehmen, um einen tollen Himmel und schöne Farben ins Bild zu bringen. Die „blaue Stunde“ umfasst  nur wenige Minuten direkt nach Sonnenuntergang, in der der Himmel noch nicht ganz schwarz im Foto erscheint, sondern durch sein tiefes Dunkelblau einen reizvollen Kontrast zu den warmen (Kerzen)Lichtern des Weihnachtsmarkts bildet. Beachte sollte man, dass die Zeitspanne im Winter sehr kurz ist und naturgemäß früh beginnt – sprich am Nachmittag zwischen vier und fünf Uhr. Um nichts zu verpassen, sollte der Weihnachtsmarkt-Fotograf daher zeitig seine Aufnahmeposition gefunden haben.
  • Um die Lichter zu Sternen im Bild zu formen, muss man „abblenden“, also mit sehr kleinen Blendengröße und damit einen großen Blendenwert auf dem Objektiv/in den Belichtungseinstellungen von etwa f8 bis f11 arbeiten. Neben den schönen Sterneffekten in den Lichtern sorgt das Abblenden auch für einen relativ hohe Schärfentiefe.
Spiegelungen kann man kreativ nutzen. Auch für Selfies.
Spiegelungen kann man kreativ nutzen. Auch für Selfies.

Verspiegelt

Ein Weihnachtsmarkt bietet sehr viele Möglichkeiten, Spiegelungen zu entdecken und zu fotografieren. Die vielen Glaskugeln liefern die entsprechenden Flächen dafür.

  • Die als Spiegelung fotografierten Motive in den Weihnachtskugeln liefern quasi ein Panoramabild der Szene, ohne dass man dafür zusätzliche Technik einsetzen muss.
  • Man sollte ganz nah an die Kugel herantreten und sich eine Position suchen, in der man zwar die die Spiegelung gut fotografieren kann, selbst aber nicht darin zu sehen ist.
  • Die Fokuseinstellungen sollte man manuell vornehmen, weil das Autofokussystem unter Umständen auf Strukturen auf der Kugeloberfläche (vielleicht einzelne Schneeflocken) reagiert. Dann stellt es die Entfernung für eine Nahaufnahme ein, während die Spiegelung optisch betrachtet einer Entfernung von mehreren Metern bis Unendlich entspricht. Anders ausgedrückt: Die Kugel wird mit dem Autofokus eventuell scharf abgebildet, während die Spiegelung  zu einem weichen Lichtklecks wird, statt das „Panorama“ der Umgebung zu zeigen.

Übrigens: Der Tipp, als Fotograf nicht in der Spiegelung in Erscheinung zu treten, lässt sich auch  ignorieren. Man kann sich selbst ins Bild setzen, um ein weihnachtliches „Selfie“ zu machen. Dabei darf man – anders als Lighthouse-Fotograf Stefan Mayr in seinem eigenen Beispiel – durchaus ein freundliches Gesicht machen :-)

Wichtigstes Requisit: Stativ

Wichtig: Stativ einsetzen
Gerade für längere Bildbelichtungen ist das Stativ sehr wichtig. Sein Einsatz ist auf einem überfüllten Weihnachtsmarkt nicht immer ganz einfach.

Hinsichtlich der Ausrüstung für den fotografischen Ausflug zum Weihnachtsmarkt gibt es vor allen Dingen einen Tipp: Man sollte - wann immer es geht - mit einem Stativ fotografieren.

Das ist mitunter gar nicht so einfach. Denn weil es auf Weihnachtsmärkten in der Regel sehr beengt ist, macht man sich wenig Freunde, wenn man mit dem Stativ allen anderen im Weg steht. Als Kompromiss kann man in solchen Situationen einen Einbeinstativ verwenden, das weniger Platzbedarf hat, aber bereits eine gute Stabilisierungshilfe ist. Ansonsten muss man sich Stellen suchen, an denen man das Stativ etwas weniger störend aufbauen kann, etwa in den schmalen Bereichen zwischen zwei Weihnachtsmarktständen, wenn diese nicht gerade mit Tischen für die Glühweingenießer zugestellt sind.

Außerdem empfiehlt es sich, die besucherstarken Wochenenden für die Fotoexkursion zu meiden. In der Woche und speziell an Montagen ist in der Regel deutlich weniger los, sodass etwas entspannter fotografiert werden kann.

Tipps im Überblick

  • Genügend Akkus mitnehmen! Gerade bei Kälte sinkt die Akkuleistung beziehungsweise seine Einsatzdauer. Daher nur mit voll aufgeladenem Akku plus Reserveakkus losziehen.
  • Wenn die Möglichkeit besteht, den Markt von oben zu fotografieren (Turm, Parkgaragendach), dann sollte man das auch nutzen. Der tolle Anblick belohnt mit ebensolchen Fotos.
  • Wenn man mit Stativ und langen Belichtungszeiten fotografiert, kann man die Einstellung der Lichtempfindlichkeit der Kamera auf ISO 100 belassen. Sind nur Aufnahmen aus der Hand möglich, sollte man im Vorfeld wissen, bis zu welchen ISO-Werten die jeweilige Kamera noch relativ rauscharme, qualitativ akzeptable Bilder liefert. Bei modernen Systemkameras sind in der Regel  Einstellungen von ISO 3.200 und 6.400 durchaus nutzbar.
  • Warm anziehen! Der Tipp scheint banal, doch wer bei seiner Fotoexkursion und etwa dem Abwarten der „Blauen Stunde“ lange in der Kälte herumsteht, friert schneller. Das kann eine zusätzliche Schicht an Kleidungsstücken wie etwa ein dicker Pullover unter der Jacke verhindern. Und wer seine Kamera auch mit Handschuhen bedienen kann, ist klar im Vorteil.
  • Aufnahmen im Raw-Modus machen: Um den großen Helligkeitsunterschied der Lichter in der winterlichen Nacht in den Griff zu bekommen, sollte man alles tun, um den Dynamikumfang der Fotos zu erhöhen. Hier hilft das Raw-Format, denn es ermöglicht zudem auch eine stärkere Korrektur der Belichtung als JPEG-Bilder. Wie im Text erwähnt, sollte man die Belichtung in Bezug auf die Lichter einstellen. Die Vollautomatik neigt in der Regel dazu, die schöne Stimmung durch insgeseamt eher zu helle Bilder zu zerstören, weil sie versucht, auch in den dunklen Bereichen alles sichtbar werden zu lassen.
  • Bildrechte wahren: Es versteht sich von selbst, dass die Bildrechte einzelner Personen zu beachten sind sind. Wer aber freundlich fragt, wird sicherlich an dem ein oder anderen Stand problemlos Porträts der „Fieranten“* machen dürfen. Außerdem bekommt er gratis noch ein Lächeln des Standbesitzers dazu.
  • Zwischen den Aufnahmen kann man sich ruhig einmal einen Glühwein mit seiner Fotobegleitung erlauben.
    * Fierant: Im Süddeutschen und in Österreich „Marktfahrer; Markthändler“