Praxis

Bild

Olympiareif

Jan Hinkel gestaltet kraftvolle Porträts von Athleten. Solche Aufnahmen verlangen auch dem Fotografen viel Training und eine gute Ausrüstung ab. Nachfolgend erklärt der Profi , wie man beides bündelt, um rekordverdächtige Sportfotos zu erhalten.

Tipp 1: Available Light kontrollieren

„Um für das Bild unten eine spannende Lichtsituation zu schaffen, entschied ich mich, die Sonne als Gegenlicht zu verwenden. Der Snowboarder sollte in einem weiten Bogen um mich herumfahren und an einer Markierung so kanten, dass er möglichst viel Schnee aufwirbelte. Für weiteres Posing gab es keine Vorgaben, da sie den Fahrer unnötig abgelenkt hätten. Um seine Schattenseite nicht zu dunkel werden zu lassen, wurde die mit einem ‚California Sunbounce‘ in der Farbe Silber aufgehellt. 

Ich habe mit 1/640 Sekunde eine relativ kurze Belichtungszeit gewählt. Der Blendenwert betrug f6,3, wodurch das Licht der aufgehenden Sonne schön eingefangen werden konnte (ein höherer Wert hätte Blendenflecke und eine zu punktförmige Lichtquelle erzeugt). Insgesamt brauchten wir fast 30 Versuche, bis alles so passte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mal war die Sonne verdeckt, mal die Pose nicht gut, mal sprühte zu wenig Schnee.

Als Tipps beim Fotografieren mit ‚Available Light‘ lässt sich festhalten: Man sollte den Aufnahmeort kennen und wissen, wie sich das Licht dort verhält. So bleiben böse Überraschungen erspart, wenn man mit Sack und Pack anreist und plötzlich merkt, dass die Sonne weg ist, ein Baum im Weg steht et cetera. Um ein wenig den Sonnenstand zu planen, bieten sich Apps wie ‚Sun Surveyor‘ an (vergleichbare Programme findet man in der Software-Datenbank hier). Diese zeigen relativ genau den Sonnenverlauf an jedem Ort und zu jeder Zeit sowie weitere astronomische Daten an.

Besser ist es jedoch, das Licht zur gewünschten Uhrzeit live zu betrachten. So war es auch bei dem Foto, das unten zu sehen ist. Ich war einige Male vorher dort und habe nachgeprüft, wann die Sonne hinter dem Berg aufgeht. Kurz: Eine gute Planung ist alles, dann kann man später in Ruhe und ohne unangenehme Überraschungen fotografieren.“

Bild
Angesichts des starken Gegenlichts musste der Rücken des Snowboarders mit einem Reflektor aufgehellt werden.

Artikelüberblick