Praxis

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Olympiareif

Jan Hinkel gestaltet kraftvolle Porträts von Athleten. Solche Aufnahmen verlangen auch dem Fotografen viel Training und eine gute Ausrüstung ab. Nachfolgend erklärt der Profi , wie man beides bündelt, um rekordverdächtige Sportfotos zu erhalten.

Tipp 3: Studioblitz draußen einsetzen

„Für meine Athletics-Serie setzte ich zwei tragbare Akkus ein – die Profoto Pro B2R 1200 Battery Generator – mit je einem Blitzkopf. Als Lichtformer kamen ein Beauty-Dish und ein großer Reflektor (Profoto Magnum) zum Einsatz.

Die beiden Blitze stellte ich seitlich zur Sandgrube auf, was eine so genannte ,Lichtzange‘ ergab. Der Aufbau ist relativ simpel, bewährt sich aber regelmäßig bei Aufnahmen dieser Art. Man sollte sich nämlich mit dem Licht nicht verzetteln: Es ist beinahe unmöglich für den Sportler, in einer solchen Situation einen exakten Punkt anzuspringen. Daher muss der Bereich, der ausgeleuchtet wird, vergleichsweise groß sein.

Der Beauty-Dish diente als Hauptlicht und stand schräg links vorne, der Magnum-Reflektor sollte eine klare Lichtkante von rechts setzen. Fotografiert habe ich das Motiv mit der relativ kleinen Blendenöffnung f10, welche das Tageslicht weitgehend abhielt. Die Haut des Sportlers sollte möglichst glänzen, daher haben wir sie vor der Aufnahme leicht mit Wasser besprüht. Auch wenn man dieses Detail im Endeffekt kaum mehr sieht, wirkt es sich doch positiv auf die Lichtwirkung aus.

Um dem Bild außerdem mehr Dynamik zu verleihen, sollte der Sand bei der Landung aufspritzen. Da er auf einem einzelnen Foto nie hundertprozentig meiner Vorstellung entsprach, fügte ich später am Computer mehrere Bildausschnitte zusammen. Der Gesichtsausdruck des Sportlers war bei dieser Aufnahme ganz entscheidend. Es sollte wie eine Wettkampfsituation wirken, in der es um jeden Zentimeter geht. Daher riet ich ihm im Vorgespräch, einfach so zu springen, als ginge es um alles. Ansonsten bestand die Gefahr, dass er allzu sehr auf seinen Gesichtsausdruck achtete, um gut auszusehen.

Die spätere Nachbearbeitung fiel vergleichsweise gering aus. Einige helle Stellen im Bild dunkelte ich mit dem ,Nachbelichtungswerkzeug‘ ab. Anschließend verstärkte ich mit mehreren Einstellungsebenen die Lichtstimmung, wozu wieder S-förmige Gradationskurven dienten. Hierdurch entstanden schöne braune Hauttöne, die sich durch Farbton/Sättigungsebenen verstärken ließen.

Tipp: Der Sportler sollte am Motiv mitarbeiten. Es bringt nichts, wenn ein Laie hingeht, und ihm erklärt, was er zu tun habe. Es ist besser, ihm zu erläutern, was man vorhat. Der Athlet wiederum zeigt dann, was sportlich möglich ist. Dann wirken die Posen realistisch und nicht gestellt. Auf diese Weise erhält man beides: echte sportliche Momente mit einer außergewöhnlichen Lichtkomposition.“

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Das natürliche Umgebungslicht wurde von zwei transportablen Studioblitzen überlagert. Auf diese Weise dunkelten sie den Hintergrund ab und bildeten eine so genannte Lichtzange, die die Sandkuhle weiträumig ausleuchtete.
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