Praxis

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Olympiareif

Jan Hinkel gestaltet kraftvolle Porträts von Athleten. Solche Aufnahmen verlangen auch dem Fotografen viel Training und eine gute Ausrüstung ab. Nachfolgend erklärt der Profi , wie man beides bündelt, um rekordverdächtige Sportfotos zu erhalten.

Tipp 4: Sport im Studio

„Man sieht zwar eine gestellte Sportaufnahme, die später in einen Hintergrund eingefügt wurde. Nichtsdestotrotz erforderte sie ein sorgfältiges Arrangement, was insbesondere die Lichtregie betraf. Die fertige Montage beweist, wie die verwendete Beleuchtung das Umgebungslicht nachahmt.

Um möglichst kontrastreiche Bilder zu erhalten, benutze ich gerne harte Lichtquellen. Ihr Licht kann mit normalen Reflektoren samt Gitter (‚grid‘) gelenkt werden, daneben nehme ich Beauty-Dishs mit Grid oder Reflexschirme. Sie boten einige Vorteile: Sie waren leicht und mobil, was bei einer Sportaufnahme, die abseits stattfand, nützlich war.

Zudem warfen sie einen vergleichsweise großen Lichtkegel, wodurch ein breites Fenster zum Fotografieren entstand. Die im Studiobild sichtbaren Reflexschirme links und rechts dienten als „Rim Lights“, also als rückwärtige Beleuchtung, die eine deutliche Silhouette erzeugte. Auf diese Weise ließ sich das Motiv später einfach vom Hintergrund trennen.Ich denke, es ist Geschmackssache, ob diese Kante so ausgefressen sein darf, wie es hier der Fall war. Mir persönlich gefällt dieser Look.

Bei der Softbox, welche von oben kam, entfernte ich bewusst den Diffusor und das übrige Innenleben, um ein etwas härteres Licht zu erhalten. Der Blitz leuchtete daher direkt und ungefiltert auf das Model. Dennoch warf seine schirmartige Form ein ausreichend weiches Licht auf die Schultern des Models. Die Softbox links unten im Hintergrund diente einzig dazu, die Schuhe und Teile der Wade aufzuhellen. Wie man schön sehen kann, kam von vorne relativ wenig Licht. Außerdem stellte ich links und rechts neben mir zwei große Styroporwände auf, die das Licht der „Rim Lights“ reflektierten. So bekam das Model auch von vorne etwas Licht ab.

Man kann schon am Ausgangsfoto für die Montage erkennen, dass die Haut sehr kontrastreich wirkte, was sich später wunderbar am PC verstärken ließ. Fotografiert wurde alles mit der Blende f9 und einer Belichtungszeit von 1/160 Sekunde.

Als Tipp bezüglich Lichtsetzung möchte ich auf den Weg mitgeben: Schaut euch die eigene Umgebung sehr aufmerksam an, oftmals begegnen im Alltag spannende Lichtsituationen. Versucht, diese zu analysieren und gegebenenfalls in einem späteren Motiv nachzubauen. Lichtformer sind dabei nicht gänzlich unwichtig, spielen aber gerade anfangs keine besondere Rolle. Mit drei Blitzen und einigen Styroporwänden könnt ihr in der Regel alle erdenklichen Lichtsituationen nachbauen.“

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Alles nur Photoshop? Von wegen! Solche Kompositionen wirken nur überzeugend, wenn die Lichtregie zum eingefügten Hintergrund passt.
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