Praxis

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Olympiareif

Jan Hinkel gestaltet kraftvolle Porträts von Athleten. Solche Aufnahmen verlangen auch dem Fotografen viel Training und eine gute Ausrüstung ab. Nachfolgend erklärt der Profi , wie man beides bündelt, um rekordverdächtige Sportfotos zu erhalten.

Tipp 5: Grenzen überwinden

„Dieses Foto war für mich eine besondere Herausforderung, da ich trotz ausgeprägter Höhenangst auf den zirka 15 Meter hohen Umlenkmast einer Wakeboard-Anlage kletterte.

In ihr zieht eine Wasserski-Seilbahn einen Sportler, der auf einem Brett steht, durchs Wasser. Ich legte mich auf das vordere Mastende, sodass ich senkrecht nach unten fotografieren konnte. Dem Wakeboarder gab ich die Anweisung, eine langgezogene Kurve zu fahren und dabei möglichst viel Wasser aufzuwirbeln.Da er zu den besten Fahrern Deutschlands gehört, war dies das kleinere Problem.

Als schwieriger erwies sich die Lichtsetzung: Als Lichtanlage diente das mobile Blitzsystem von Bowens, der Explorer 1500. Hiervon kamen zwei Stück mit insgesamt vier Blitzköpfen zum Einsatz. Um sie maximal auszunutzen, wurden auf allen Blitzköpfen Magnum-Reflektoren installiert. Zwei Blitzköpfe hielt ein Assistent am Ufer, zwei weitere Blitzköpfe standen in einem Boot. Sie alle wurden so bewegt, dass sie sich immer auf den Wakeboarder richteten.

Dagegen hätte eine statische Installation aufgrund des hohen Tempos, mit dem sich der Sportler bewegte, nicht funktioniert. Ein weiteres Problem war, dass nur wenige Versuche stattfinden durften. Die Generatoren waren nämlich auf die volle Leistung (1.200 Wattsekunden) gestellt, wodurch sich ihre Akkus vergleichsweise schnell entluden.

Da das Tageslicht recht intensiv war, musste ich mit der kleinen Blendenöffnung f9 und einer Belichtungszeit von 1/200 Sekunde fotografieren. Wichtig war außerdem, den Autofokus zu deaktivieren. Er hätte vermutlich im entscheidenden Moment versagt, die gewünschte Schärfeebene zu finden. Da sie in diesem Fall ohnehin immer gleich blieb, konnte ich eine manuelle Einstellung verwenden.

Bei solchen aufwändigen Motiven ist es ungemein wichtig, ein gutes Team um sich zu haben. Mit ihm sollte man vorher exakt planen, was wer zu tun hat. Vor allem der Sportler muss gut instruiert werden, da Absprachen auf diese Distanz schwierig sind. Zur Kommunikation mit Assistenten bieten sich Walkie-Talkies an.“

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Ein solches Bild erfordert Planung, mobile Blitzgeräte und etwas Mut.

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