Praxis

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Schatten malen: Perspektivisch korrekt Schatten einzeichnen

Für alle bequemen Menschen zeigen wir zuerst eine schnelle Methode, um Schatten zu erstellen. Das Ergebnis muss aber meist in Handarbeit verfeinert werden.

Schatten, schnell und dreckig

1. Das Grundmaterial für einen Schatten liefert der Gegenstand selbst, der ihn werfen soll. Zuerst muss man ihn durch eine Auswahl eingrenzen (siehe Bild rechts). Dafür lässt sich wahlweise eine Maske, das Pfadwerkzeug oder ein Farbkanal heranziehen. Wann welche Methode geeignet ist, stellten bereits die vorigen Lektionen vor. Angenehm ist, dass bei der Auswahl keine allzu große Genauigkeit vonnöten ist.

2. Damit man den Schatten getrennt bearbeiten kann, muss zuerst eine neue Ebene erzeugt werden (in Gimp etwa mit „Ebene – Neue Ebene“). Die gerade erstellte Auswahl lässt sich mit dem Farbeimerchen aus der Werkzeugpalette füllen. Damit ist bereits ein Scherenschnitt entstanden. Der Schatten soll unter dem Leuchter liegen. Daher zieht man mit der Maus die neue Ebene unter diejenige mit dem Gegenstand.

3. Das schwarze Double soll schön flach auf dem Boden anliegen. Dazu zieht und zupft man es mit einem Verzerrungswerkzeug zurecht. In Photoshop ist es unter „Bearbeiten – Transformieren – Verzerren“ zu finden, in Gimp findet sich eine entsprechende Schaltfläche in der Werkzeugpalette. Bei seinem Einsatz kommt es vor allem auf die eigene Seherfahrung an – wie erwähnt ist die Methode reichlich unsauber.

4. Ein Kniff für eine natürliche Wirkung ist, den Schatten einem unregelmäßigen Untergrund anzupassen. Als Vorbereitung muss zuerst eine Kopie dieses Hintergrundes erstellt werden, etwa mittels „Bild – duplizieren“. Diese wandelt man in Graustufen um und speichert sie an einem beliebigen Ort. Damit ist alles bereit, um in Photoshop den Filter „Verzerrungsfilter – Versetzen“ aufzurufen (Gimp: „Filter – Abbilden – Bumpmap“).

Photoshop verlangt dann die Schwarzweißvorlage, deren dunkle Stellen als Vertiefungen und die hellen Teile als Höhen bewertet werden. Entsprechend wird der Schatten umgeformt. In Gimp sollte die Schwarzweißvorlage geöffnet sein. Dann kann man sie oben im Fenster aus einer Klappliste auswählen. Nachdem auf „OK“ geklickt wurde, hat sich der Schatten dem Untergrund angepasst.

Als letzter Schritt wird der Schatten durchsichtiger und erhält weiche Umrisse. Die Transparenz lässt sich mit einem Schieberegler in der Ebenenpalette einstellen, beispielsweise auf 80 Prozent. Danach kann man mit dem Gaußschen Weichzeichnungsfilter die Ränder sanft auslaufen lassen.

Handgemachte Schatten

In dieser Lektion wird von einer einzigen Lichtquelle ausgegangen, beispielsweise der Sonne. In einem Foto ist sie zwar nicht immer zu sehen, daher gibt es zwei Szenarien:

Bereits vorhandene Schatten verweisen auf den Standort oder die Lichtquelle. Der Verlauf des künstliche Schattens lässt sich mit ihrer Hilfe präzise bestimmen, wofür einige Hilfslinien genügen.

Man kann den Standort höchstens erahnen, da Anhaltspunkte fehlen. In diesem Fall sollte er möglichst plausibel nach eigener Seherfahrung markiert werden. Wichtig ist dann nur, dass er verbindlich für alle Montageelemente gilt.
Schatten gelangen gewöhnlich in eine eigene Ebene. Man malt sie mit dem Pinselwerkzeug und schwarzer Farbe auf. Dann gibt ihnen der Gaußsche Weichzeichner sanfte Umrisse, und mit dem Deckkraft-Regler der Ebene werden sie transparent. Eventuell wird man auch den Filter „Verzerrungsfilter – Versetzen“ (Photoshop) oder „Abbilden – Verformen“ (Gimp) einsetzen, um sie einer unebenen Oberfläche anzupassen. Der Filter wurde in der vorigen Lektion vorgestellt.

Äußerst wichtig ist eine Regel: Die Werte für Deckkraft und Weichzeichner sollten im Regelfall einheitlich in der gesamten Montage verwendet werden. Es wirkt sehr unprofessionell, wenn die Schatten unterschiedlich konturiert oder opak sind.

Nachfolgend sollen die wichtigsten Konstruktionsmöglichkeiten durchgespielt werden:

Die Sonne steht seitlich neben dem Betrachter

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Die Grundidee: Ein Winkel genügt, um die Länge eines Schlagschattens festzulegen.

1. Der einfachste Fall: Die Sonne steht seitlich vom virtuellen Betrachter. Ihre Strahlen kommen beispielsweise in einem Winkel von 40 Grad auf dem Boden auf. Im Screenshot oben sind sie als rote Diagonale zu sehen, die in eine eigene Ebene gezeichnet wurde. Die Lichtquelle selbst ist nicht zu sehen.
Falls die Sonne im Foto sichtbar ist, kann man einfach eine Linie malen, die von ihr ausgeht, die Spitze des Obelisken tangiert und dann auf den Boden trifft.

Ist die Sonne nicht im Foto enthalten, kann man auch für die komplette Montage einen einzigen Winkel bestimmen, nach dem sich alle Schatten richten. Von der Spitze des Obelisken lässt sich eine Linie zeichnen, die diesem Winkel entspricht. Um ihn zu bestimmen, hilft wieder das Messwerkzeug, das in der Werkzeugpalette zu finden ist. Am Schnittpunkt der beiden Schenkel, die aus der Bodenlinie und dem Winkel gebildet werden, endet der Schatten. Bei Gimp ist gut zu wissen, dass man durch Drücken der Alt-Taste und einen Mausklick dort eine Hilfslinie setzen kann.

Der Schatten lässt sich recht einfach per Hand einzeichnen. Im vorliegenden Fall musste nur ein spitz zulaufendes Dreieck mit schwarzer Farbe aufgemalt werden. Sind die Umrisse komplizierter, kann man mehrere Winkel einzeichnen, die beispielsweise über den Dachfirst, die Regenrinne und die Dachgaube gehen. Eine Alternative ist auch die eingangs vorgestellte Methode. Allerdings muss der Schattenriss meist nachbearbeitet werden.

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Für den Schatten auf der Mauer muss nur eine zusätzliche vertikale Linie eingezeichnet werden.

2. In dieser Variante steht eine Mauer hinter dem Obelisken. Diese kompliziert die Sache aber kaum. Wo sich Bodenlinie und Mauerbasis treffen, zieht man eine vertikale Hilfslinie. Ihr folgt der Schatten, bis ihn der Winkel abschneidet.

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Auch komplexe Schatten lassen sich mit wenigen Linien eingrenzen.

3. Eine weitere Variante: Der Schatten einer Tür fällt auf eine Mauer. Wo der Schatten ihre Unterkante berührt, schneidet eine vertikale Linie den Schatten ab. Sie dient auch als Fixpunkt für die Schattenlinie, die von der oberen Türkante ausgeht.

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Schatten richten sich auch nach dem Fluchtpunkt.

4. Auch Schatten streben dem gemeinsamen Fluchtpunkt eines Objekts zu. Daher kann man sich Arbeit ersparen, wenn man für eine zusammenhängende Konstruktion Schatten einzeichnen will.

Die Sonne steht vor oder hinter ihm

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Eine von der Sonne ausgehende Hilfslinie hilft, den Schatten auszurichten.

1. Ausgehend von der Sonne zeichnet man eine Vertikale ein. Wo sie die Horizontlinie schneidet, ergibt sich ein wichtiger Fixpunkt: Auf ihn laufen alle Schattenlinien zu. Wie gehabt werden sie durch den Einfallswinkel der Sonne begrenzt.

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Die Sonne steht hinter dem Betrachter. Da sie niemals sichtbar sein kann, wird eine „Hilfssonne“ eingefügt.

2. Für diese Konstruktion muss man die Sonne unter dem Horizont versenken, um die Konstruktion durchzuführen. Ansonsten läuft alles wie zuvor: Die senkrechte Linien wird von der Sonne ausgehend zum Horizont geführt. Auf den Schnittpunkt streben alle Schattenlinien zu.

Die Sonne steht versetzt zum Betrachter

Hier sind wieder drei Szenarien denkbar:

1. Die Position der Lichtquelle ist im Foto erkennbar. Die Verfahren sind wie gehabt.

2. Die Sonne ist zwar nicht sichtbar, aber einige Objekte, die Schatten werfen. An ihren Fluchtlinien richten sich weitere Montageobjekte aus.

3. Man will man den Sonnenstand präzise setzen. Das trickreiche Verfahren können Abonnenten in FOTO HITS 9/2010 nachzulesen.