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Street Photography

Philipp Reinhard

Für einen jungen Shootingstar wie Philipp Reinhard stellt es keinen Tabubruch dar, sowohl mit einer analogen Leica als auch dem Smartphone Huawei P10 zu fotografieren. Er überprüfte für FOTO HITS, wie es sich bei einer Reportage schlägt.

Wer sich fürs Skaten begeistert, weiß auch, ob sich ein Bericht darüber „echt“ anfühlt. Daher entscheidet auch seine Sichtweise darüber, ob ein Smartphone dafür taugt, seine Sportart authentisch wiederzugeben. Aus dem Blickwinkel des Skaters entwickelte sich das Projekt folgendermaßen:

„Die ganze Geschichte war eigentlich sehr unkompliziert. Philipp und ich sind durch das Skaten schon sehr lange befreundet. Da wir in der gleichen Stadt wohnen und eigentlich immer zusammen am lokalen Skatepark Zeit miteinander verbringen, hat er mich über den Artikel informiert und so ist eigentlich die ganze Geschichte ins Rollen gekommen. Er hatte von den Aufnahmen schon eine gewisse Vorstellung: ‚Beton grau, Boden rau, Himmel blau‘. Da es schwierig ist, in unserer Stadt so einen Spot zu finden, fiel mir spontan nur ein Platz für unsere Zwecke ins Auge. Der Ablauf war recht simpel: Ich kenne seine Arbeit und er kennt mein Skaten und Können. Eine Schwierigkeit liegt darin, Tricks wiederholt zu fotografieren, bis der perfekte Zeitpunkt eingefangen ist. Für Skateboarder ist es wichtig, den jeweiligen Trick auf dem Foto gleich zu erkennen und den Stil des Skaters dabei festzuhalten. Natürlich bin auch ich froh und dankbar, dass die Fotos nach unserem Geschmack sind. Uns ist öfters die Kinnlade runtergefallen, was man aus dem kleinen Ding bei professionellem Handling an Qualität herausholen kann.“

Video-Funktion

Das Huawei P10 liefert Videos im hochauflösenden Full-HD-Standard mit 1.920 mal 1.080 Bildpunkten bei 30 oder sogar 60 Bildern pro Sekunde. Daneben stellt es den aktuellen, noch detailreicheren Modus „4K Ultra HD“ mit 3.840 mal 2.160 Bildpunkten zur Verfügung. Ergänzend zu den manuellen Einstellmöglichkeiten für Fotos würde sich Philipp Reinhard hier ähnliche Freiheiten wünschen, etwa eine Blendeneinstellung oder Belichtungsspeicherung. Doch als ein Vorteil liefert etwa der Videostabilisator Ergebnisse, die für eine Handkamera sehr ruhig und unverwackelt sind.

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Bildercheck der Redaktion FOTO HITS: Die Dual-Kamera verfügt über einen RGB-Sensor mit zwölf Megapixel sowie einen Monochromsensor mit 20 Megapixel. In der Situation unten hätte so manche Kamera keine Chance: wenig Licht, starke Kontraste und schnelle Bewegungen lassen sie scheitern. Mit dem Huawei P10 gelangen trotz schwieriger Lichtbedingungen hervoragende Aufnahmen.

Raw

„Aus den Rohdaten des Huawei P10 kann man noch ein wenig mehr Bildqualität herausholen – auch wenn es nicht so viel ist, wie aus dem Vollformatsensor einer Spiegelreflexkamera. In jedem Fall vermeidet das Raw-Format die typischen Bildfehler, wie sie  die JPGs aus gewöhnlichen Smartphones aufweisen (Überschärfungen, Rauschen et cetera). Die Fotos entwickeln sich also vom Handy- in Richtung Kamera-Look.

Die Bearbeitung läuft im Bildbearbeitungsprogramm ‚Adobe Lightroom‘ sehr gut. Die Daten flutschen dort problemlos durch und ergeben tolle Resultate. Beispielsweise kann man aus scheinbar ‚abgesoffenen‘ (also schwarzen) Stellen wieder mehr Details herausholen.“

Sprung nach vorne

Philipp Reinhard schreibt über seine Erfahrungen mit dem Huawei P10: „Ich bin immer auf Geschichten aus. Da ich aus der Filmbranche komme und dort schon seit jeher entsprechend erzähle, wollte ich dies auch in einzelnen Bildern schaffen. Sie sollen eine Story ergeben, bei der jeder Betrachter zum Teil des Ganzen wird.

Der Tag lief – bis auf ein gebrochenes Skateboard – wie erwartet. Dabei halfen ein tolles Display und eine trotz Filmen und Fotografieren lange Akkulaufzeit. Aber es ist natürlich eine Herausforderung, Sportfotos, bei denen es um Sekundenbruchteile geht, mit einem Handy zu machen.

Anfangs klappte es nicht immer mit dem rechtzeitigen Auslösen, denn das P10 ist deutlich größer als mein Smartphone-Vorgänger. Zudem befinden sich alle Einstellungen an den Display-Seiten, weswegen ich sie gelegentlich mit zwei Händen bedient habe. Aber nach kurzer Eingewöhnungszeit war alles verständlich und ließ sich im Kameramenü leicht einstellen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Beispielsweise ist Bewegungsunschärfe gut darstellbar, da man die Verschlusszeit manuell regeln und somit sehr lange belichten kann. Daneben gibt es einen eigenen Modus für die Langzeitbelichtung. Die optische Bildstabilisierung hilft, dass nichts verwackelt, für längere Zeiten ist natürlich ein Stativ erforderlich. Ebenso ist der manuelle Fokus großartig: Man muss nur über das Touch-Display den Punkt auswählen. Bei der Einstellung über die ,Skala‘ würde ich mir noch Hilfen wie eine Lupenfunktion oder ,Fokus Peaking‘ wünschen. Dennoch ist es eine interessante Funktion.

Insgesamt lautet das Urteil: eine tolle Gesamtausstattung. Gerade der Porträtmodus kann ausgezeichnete Ergebnisse liefern. Ich war immer wieder beeindruckt, was ich aus dem Huawei P10 herausbekam.“

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Bildercheck der Redaktion FOTO HITS: Selbst unter den harten Bedingungen der „Street Photography“ erzeugen die 20 Megapixel der Schwarz-Weiß-Kamera detailreiche Ergebnisse. Doch Bildpunkte sind nicht alles – auch bei 200 Megapixel könnte Matsch herauskommen. Die Optik von Leica aber trägt das ihrige zu einer knackscharfen Aufnahme bei. Im Raw-Modus des Huawei P10 lässt sich sogar noch etwas mehr herauskitzeln.

Schwarz-Weiß

„Da meine Ursprünge in der analogen Zeit liegen und meine Bildsprache sehr reduziert ist, interessiert mich die Reduktion von Farbe. Daher war mir die Schwarz-Weiß-Kamera des P10 wichtig: Neben einer Kamera für Farbfotos besitzt sie eine weitere, die Schwarz-Weiß-Bilder mit 20 Megapixel aufnimmt.

Die Ergebnisse im JPG-Format überraschten mich: Sie sehen ohne jede Nachbearbeitung toll aus. Gefühlt besaßen sie ebenso viele Reserven wie Raw-Daten. Daneben ist die Schwarz-Weiß-Kamera unfassbar lichtstark. Dank ihr kann man bei schwachem Licht das oft unschöne Blitzlicht vergessen und trotzdem gelingt ein Porträt oder ein ‚Street Photo‘. Eine Kamera, die echtes Schwarz-Weiß aufnimmt, überraschte und beeindruckte mich schwer.“

Schnellschuss

Philipp Reinhard: „Die Geschwindigkeit hat mir während des Projekts nie einen Strich durch die Rechnung gemacht: Das be­ginnt mit der Tas­tensperre, die sich mittels Fingerabdrucksensor superschnell lösen lässt, im Kameramodus ist man dagegen sofort auch ohne Sperre. Das Einstellen von Modi und Parametern geht sehr schnell, ebenso rasch werden die Bilddaten gespeichert.

Es gibt zwar eine Serienbildfunktion, die drei bis fünf Fotos in Folge schießt. Ich selbst allerdings nutze sie im Sportbereich nie und drücke nur einmal ab. Alternativ kann man auf hochaufgelös­te 4K-Videos ausweichen. Beim Abspielen der großen Datenmengen dauert es zwar manchmal, bis ich wieder im Kameramodus bin. Aber die Verzögerung bleibt im Rahmen.“

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Bildercheck der Redaktion FOTO HITS: Bei wenig Licht jubeln Smartphones gewöhnlich ihre ISO-Werte hoch – mit verrauschten Resultaten, die die interne Bildverarbeitung zu Pixelmatsch filtert. Zwei Kriterien heben das Huawei P10 aber deutlich aus der Masse heraus: Trotz des geringen Lichts ist der Tonwert­umfang erfreulich hoch. Dazu kommt die Tatsache, dass sogar bei ISO 1.600 die Schrift auf den Zetteln noch lesbar ist.
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Philipp Reinhard

Zu den Kunden des 26-jährigen Fotografen Philipp Reinhard zählen etwa der Deutsche Fußballbund DFB mit der Nationalmannschaft, für die er unter anderem Autogrammkartenbilder fotografiert hat, die „Dirk Nowitzki Stiftung“, Nike, Converse und die Hip-Hopper von den „Fantastischen 4“.

Bezüglich Fototechnik ist er Grenzgänger: Er verwendet eine analoge Leica CL, Canon AE1 und Olympus Trip sowie die digitale Leica Q und die Leica S. Neuerdings kam das Smartphone Huawei P10 hinzu. Da es über eine in Kooperation mit Leica entwickelte Dual-Kamera verfügt, ist der Sprung nicht weit.

„Da ich schon immer sehr reduziert arbeite, war die kompakte Digitalkamera ,Leica Q‘ mit einem  28-Millimeter-Objektiv für mich ein logischer Schritt. Denn wenn ich eine große Ausrüstung mit diversen Objektiven dabei hätte, verpasse ich unter Umständen einzigartige Momente. Und da ich beim ‚Huawei P10‘ dieselbe Brennweite nutze wie bei der ,Leica Q‘, unterschied sich die Arbeitsweise nur wenig.“

www.philippreinhard.com