Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Candida Höfer: Bibliotheken

Ein Bildband gibt Raum zum Nachdenken

Wer anders könnte das Vorwort zum Bildband schreiben als Umberto Eco? Schließlich ging es in seinem Bestseller „Der Name der Rose“ um eine geheime Bibliothek, die ein verbotenes Buch enthält. Auf neun Seiten stimmt er auf Candida Höfers Fotos ein, wobei er tief in die Literaturkiste greift und aus Jorge Luis Borges „Die Bibliothek von Babel“ zitiert.

Dagegen fallen die Architekturaufnahmen geradezu nüchtern aus. Häufig sind die – durchaus barocken – Kathedralen des Wissens in Zentralperspektive abgelichtet, gelegentlich auch in einer klaren Diagonale. Dies entspricht der Düsseldorfer Schule, der sich Höfer verpflichtet sieht. Den Stil machte das Ehepaar Becher bekannt, indem es Industriebauten mit dem unbestechlichen Auge einer Fachkamera dokumentierte. 

Beim Blättern geht man zahllose Regalmeter ab. Die lange Abfolge von Bücher- und Lesesälen erfordert einen aufmerksamen Leser, der die Unterschiede studiert, die Höfer ihm detailreich offenbart. In ihnen erkennt er Ordnungssysteme, feudale Selbstdarstellung oder demokratische Offenheit.

Candida Höfer: Bibliotheken. Schirmer/Mosel 2024, 280 Seiten, ISBN 978 3 8296 0178 8, Preis 49,80 Euro


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