Die Sony RX1R III ist eine spiegellose Kamera mit einem Vollformat-CMOS-Sensor, der mit 60 Megapixel auflöst. Angesichts ihrer Profifunktionen ist sie erfreulich kompakt. Ob sie hält, was sie verspricht, offenbart unser Test.
Der erste Eindruck ist: Die Kompaktkamera verfügt über einen Vollformatsensor mit sehr hoher Megapixelzahl. Die Technik ist in einem sehr kompakten Gehäuse untergebracht. Sie verfügt über ein integriertes 35-mm-Zeiss-Objektiv, das im Vergleich zum sehr handlichen Gehäuse der Kamera recht groß wirkt.
Dieses Diagramm zeigt den Prozentsatz der theoretischen maximalen Auflösung, die die Kamera in fünf verschiedenen Bildbereichen (Mitte und fünf Ecken) bei ISO 100 (oder der niedrigsten ISO-Einstellung, falls diese nicht ISO 100 ist) erreicht. Zu beachten ist, dass die Messung in der Bildmitte die Leistungsfähigkeit der Kamera am besten widerspiegelt. Die in den Bildecken gemessene Auflösung wird naturgemäß stark von der Qualität des verwendeten Objektivs beeinflusst.
Der angegebene Prozentsatz ist der Anteil der gemessenen Auflösung im Vergleich zur effektiven Pixelanzahl. Da sowohl die diagonalen Teile des Siemens-Sterns als auch die horizontalen und vertikalen Teile gemessen werden, kann eine Kamera maximal 120 % ihrer theoretischen Auflösung erreichen.
Bei ISO 50 erreicht die Auflösung 2847 Linienpaare pro Bildhöhe (LP/PH), also 90 % des theoretischen Maximums. Das entspricht mehr als 48 Megapixeln.
Es ergibt sich eine durchgehend gute Auflösung bis ISO 1600 (85 % des theoretischen Maximums). Bei ISO 6400 sind es noch 78 %, bei ISO 12800 immer noch 74 %, was 33 Megapixeln entspricht.
Die Farbwiedergabe wird hier auf zwei Arten dargestellt. Die obere Abbildung ist eine Tabelle, in der eine Referenzfarbe (rechte Hälfte jedes Farbfeldes) direkt mit der von der Kamera wiedergegebenen Farbe (linke Hälfte des Farbfeldes) verglichen wird.
Unten finden Sie eine Tabelle, in der der DeltaE-Wert jedes Farbfeldes aufgeführt ist. Rote Zellen weisen auf starke Farbabweichungen hin, hellgrüne Zellen stehen für Farben mit deutlichen Abweichungen und dunkelgrüne Felder für moderate Abweichungen.
Die Farbwiedergabe ist ausgezeichnet, nur sieben Farben weichen stark vom Original ab. Vier davon sind kräftige Rottöne. Der automatische Weißabgleich, der in diesem Fall anhand der Reflexionskarte gemessen wurde, zeigt bei den meisten getesteten ISO-Werten eine hervorragende Leistung. Die Abweichung Delta E liegt im gesamten getesteten ISO-Bereich bei etwa 10 (bis zu 10,9).
Schon im Vorfeld kann festgehalten werden, dass sie ihr Potenzial sehr gut ausschöpft. Bei ISO 50 erreicht die Kamera 90 Prozent der theoretischen maximalen Auflösung von 60 Megapixel, was 2.847 Linienpaaren pro Bildhöhe entspricht. Die gemessene Auflösung ist bis ISO 1.600 sehr konsistent, auch wenn in absoluten Zahlen die erreichte Auflösung 43 Megapixel entspricht. Selbst bei der höchsten getesteten ISO-Einstellung von ISO 12.800 erreicht die Kamera 74 Prozent ihrer theoretischen maximalen Auflösung, was immer noch beeindruckende 2.348 Linienpaare pro Bildhöhe sind.
Ähnlich positiv ist der Eindruck bezüglich der Tonwerte. In kontrastreichen Bereichen und bei bei niedrigen ISO-Werten gibt die Kamera Texturen gut wieder. Untersucht wurde sie mit der Modulation Transfer Function (MTF), die die Auflösung mit der Kontrastwiedergabe in Beziehung setzt. Bei 50 Prozent Kontrast (MTF50) und SO 400 werden 86 Prozent umgesetzt in Kombination mit 27 Prozent Artefakte. Noch kontrastärmere Texturen werden weniger gut wiedergegeben und weisen mehr Artefakte auf (41 Prozent).
Dieser Schwund bleibt - allerdings wenig überraschen - bei steigender ISO-Empfindlichkeit bestehen. Der Anteil der Artefakte nimmt zu. Bei ISO 6.400 werden Bereiche mit feinen Details und hohem Kontrast mit 40 Prozent der MTF50 gemessen am Siemens-Stern und 58 Prozent Artefakten wiedergegeben. Kontrastarme Details erfasst die Kamera wieder weniger fein und verursacht mit 74 Prozent einen relativ hohen Anteil an Artefakten.
In hundertprozentiger Vergrößerung wird Bildrauschen sichtbar, was naturgemäß bei niedrigsten ISO-Einstellung kaum eine Rolle spielt. Die Schärfung ist sehr mild und konsistent bis zu ISO 3.200. Bei den höchsten ISO-Werten steigt die Nachschärfen nur geringfügig.
Der Videomodus ist direkt über das Aufnahmemodusrad auf der Oberseite der Kamera verfügbar. Die Aufnahme erfolgt dann über den Auslöser. Obwohl es keine zusätzliche Taste mit rotem Punkt gibt, ermöglicht ein virtueller roter Punkt bei Aktivierung der stillen virtuellen Tasten auf dem Monitor (Touch-Funktionssymbol und Fn-Menü) den sofortigen Zugriff auf die Videoaufnahme, unabhängig davon, ob die Kamera auf Foto- oder Videomodus eingestellt ist.
PASM- und intelligente Auto-Videooptionen können im Fn-Menü ausgewählt werden, das auch direkten Zugriff auf 11 weitere Einstellungen bietet, von Fokus- und Belichtungsoptionen bis hin zu Weißabgleich und Videostabilisierung. Die Standardeinstellung ist der intelligente Automatikmodus.
Das Hauptmenü springt direkt zu einem Dashboard (gekennzeichnet mit einem Haus für „Home“) und die für Videos spezifischen Menüunterpunkte sind mit einem kleinen Videokamera-Symbol gekennzeichnet. Es ist möglich, die Kamera anzuweisen, die Belichtungseinstellungen aus der Standbildfotografie nicht auf Videos zu übertragen: Verschlusszeit, ISO, Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Messmodus, Fokusmodus und Bildprofil. Für Videos ist eine Stabilisierung verfügbar, die die Bilder etwas glatter erscheinen lässt.
Dank ihrer kompakten Größe und ihrem geringen Gewicht liegt die Sony RX1R III angenehm in der Hand. Das integrierte 35-Millimeter-Zeiss-Objektiv ist im Vergleich zum kleinen Gehäuse groß, was aber eher imposant bis professionell wirkt. Eine flache Oberseite mit eingelassenen Einstellrädern wiederum verleihen der Kamera ebenso wie die relativ flache Rückseite ein elegantes Aussehen. Obwohl Sony angibt, dass diese Kamera nicht speziell spritzwasser- oder staubgeschützt ist, fühlt sie sich robust an. Die eingelassenen Einstellräder auf der Oberseite der Kamera vermitteln ein Gefühl von Robustheit. Sie rasten mit genau der richtigen Balance zwischen Bewegung und Festigkeit ein.
Es verfügt über einen Zentralverschluss und eine maximale Blende von f/2. Die Blende wird am Objektiv eingestellt und reicht bis f/22. Die Einstellung „A“ wie Automatik fehlt. Stattdessen greift der gewählte Aufnahmemodus in solchen Fällen die Vorgabe.
Die fest gewählte Blende oder aber ein Aufnahmemodus wirken sich auch auf den Autofokus aus. Eine größere Blendenöffnung ermöglicht einen deutlich schnelleren Autofokus, was durch das Muster der Autofokus-Signaltöne angezeigt wird.
Zwischen dem beschrifteten Blendenring und dem unbeschrifteten Fokusring befindet sich ein dritter Ring mit zwei Einstellungen. Mit ihnen kann der Benutzer festlegen, ob sich das Motiv in der Nähe (20 bis 35 Zentimeter) oder weiter als 30 Zentimeter entfernt befindet. Dies stellt eine feste Grenze dar: Der Autofokus akzeptiert sie sogar dann, wenn ein größere Bereich anvisiert wurde. Der Ring fühlt sich stabil an, und das Klicken ist sowohl in den Fingerspitzen spürbar als auch deutlich markiert.
Eine optionale Daumenauflage kann separat erworben werden, obwohl die Kamera aufgrund ihres geringen Gewichts relativ angenehm zu tragen ist. Sowohl die dezente Daumenauflage als auch eine minimale Fingerauflage an der Vorderseite sind mit griffigem Gummi überzogen, was ein sicheres Gefühl beim Halten vermittelt. Das Auslösen mit nur einer Hand ist einfach. Dagegen ist es schwieriger, Funktionen auf diese Weise zu ändern, da das Rad auf der Kamerarückseite die Hauptsteuerung übernimmt. Aber wenn der kleine Finger unter dem Kameragehäuse den Griff verstärkt, dann ist es möglich. Der Monitor ist bündig in das Kameragehäuse integriert, aber hell genug, um auch bei Aufnahmen aus niedrigen oder hohen Blickwinkeln eine Bildkomposition zu ermöglichen.
Der Sucher löst besser auf als erwartet, das subjektive Sichtfeld ist groß und bietet eine gute Sicht auf die Szene. Bei Aufnahmen bei schwachem Licht erschienen deutliche Störpixel im Sucher, was Nachtaufnahmen etwas erschwerte.
Mit den Autofokus-Optionen lässt sich der Autofokusbereich individuell anpassen. Es können drei benutzerdefinierte Formen sowohl für Foto- als auch für Videoaufnahmen gespeichert werden: Ein langer horizontaler Fokusbereich dient dazu, eine Skyline oder ein ähnliches Motiv aufzunehmen, diesen als C1 speichern und bei Bedarf schnell zu diesem Fokusbereich zurückkehren. Die benutzerdefinierten Autofokusbereiche sind vielfältig: rechteckig oder quadratisch, von groß bis klein. Ein hoher, schmaler vertikaler Fokusbereich eignet sich für Bäume oder ein großes Quadrat für einen Motivbereich.
Diese Sony-Kamera setzt die Tradition der hervorragend reaktionsschnellen Touch-Steuerung und des intuitiven Hauptmenüs fort. Weitere Optionen sind das Startmenü und die anpassbaren Menüs „fn“ und „my“. Die virtuellen Tasten am unteren Rand des Monitors können im Hauptmenü deaktiviert werden, sodass nur die Einstellräder und Drehräder für Einstellungen zuständig sind. Dementsprechend eignet sich die Kamera sich für eine fast analoge Verwendung, da die Räder und Drehregler leicht einzustellen sind, wenn man die schlanke Kamera mit beiden Händen hält, die Finger der linken Hand auf dem Objektiv und die rechte Hand auf den Belichtungsreglern, und dann die Kamera zum Fotografieren ans Auge führt – eine irgendwie befriedigende Art, Fotos zu machen.
Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Kamera ist ihre Abhängigkeit von einer Erhöhung der ISO-Empfindlichkeit, unter anderem um die fehlende Bildstabilisierung im Gehäuse auszugleichen. Selbst die Belichtungsreihe wird durch Ändern der ISO-Werte erreicht, wenn im manuellen Aufnahmemodus „Auto-ISO” ausgewählt ist. (In anderen Aufnahmemodi wird die Verschlusszeit angepasst.)
Mit 4K aufgenommene Videobilder sind hervorragend aufgelöst, bei ISO 100 erreicht die Kamera mit 1033 LP/PH 97 Prozent des theoretischen Maximums erreicht. Texturen erscheinen bei ISO 100 ebenfalls sehr detailreich in Bereichen mit hohem und niedrigem Kontrast, allerdings gemischt mit 30 Prozent Artefakten.
Im Vergleich zu Standbildern erhalten Video sowohl in Bereichen mit hohem als auch mit niedrigem Kontrast etwas mehr Schärfe. Der automatische Weißabgleich zeigt eine hervorragende Leistung, die Farbwiedergabe gleicht der von Standbildern. Die Ergebnisse der Rauschunterdrückung zeitigen sichtbar erfreuliche Resultate, was bei bei ISO 100 unter allen Betrachtungsgrößen gilt.