Bildband
Das Genie Watson beherrscht das Kaos
Der Bildband „Kaos“ glänzt nicht nur mit opulenter Aufmachung. Gut für Fotografen ist, dass aus jeder Seite Watsons Ideen sprudeln. Noch besser ist, dass sie für jeden, der sie studiert, als Inspiration dienen können.
Bei „Kaos“ handelt sich um eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage der Publikation von 2017. Der Prachtband ist jeden Cent wert: Er ist hochwertig gebunden, in allen Details bis hin zur Typografie schön gestaltet und man entdeckt auch nach mehrfachem Durchblättern neue Details. Je zehn Textseiten in drei Sprachen führen in das Werk Watsons ein.
Seine Karriere begann Watson mit einer billigen Box Brownie aus den 1930er-Jahren. Im Rückblick ging der Weg langsam, aber stetig nach oben: Mit 24 Jahren absolvierte Watson ein Studium für Grafik und Design, es folgten bis 1969 drei Jahre Filmstudium am Royal College of Art. Von diesen Einflüssen zehrte er immer wieder. Nachfolgend entdeckten ihm Magazine wie „Rolling Stone“ oder „Vogue“. Mittlerweile stammen als ein Erfolgsindikator über hundert Titelbilder der „Vogue“ von ihm.
Als kleines Sammelsurium von Motiven, die in „Kaos“ zu finden sind, lichtete Watson ab: die Sandale Tutanchamuns, den schwitzenden Stiernacken von Mike Tyson, Baumwollbauern in Benin, Mondlicht auf der Isle of Skye, Mick Jagger als Doppelbelichtung mit Leopardenkopf und eine Serie mit Twelve Monkeys (die drei Jahre vor dem gleichnamigen Film entstand).
Es lohnt sich, in die 408 Seiten zu investieren, um sie dann einzeln zu analysieren. Wie richtete Watson das Spotlicht für das Porträt Christy Turlingtons aus? Wie ging er als gelernter Grafikdesigner an ein Konzeptfoto von Neil Armstrongs Raumanzug heran? Eine Antwort ist: Laut eigener Aussage besitzt Watson zirka 18.000 Kunstbücher, die ihm - ebenso wie Lesern von Kaos - manchen Geistesblitz bescherten.
Albert Watson: Kaos. Taschen 2025, Hardcover im Schuber, Deutsch, Englisch, Französisch, 408 Seiten, ISBN 978 3 7544 0154 5 Preis: 125 Euro