Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Buch: Ischgl

Ski Unheil

Der Wahnsinn, die Geldgier und der Tourist: die fotografische Chronik eines Niedergangs

Heterotopien, wörtlich übersetzt „andere Orte“, sind Orte, an denen die ansonsten in einer Gesellschaft gültigen Werte und Regeln nicht wie gewohnt gelten. Orte, die gleichsam als Ventile fungieren für alles das, was im alltäglichen Leben keinen Platz hat, da das soziale Miteinander sonst nicht funktionieren würde. Auch Ischgl ist eine solche Heterotopie.

Der Fotograf Lois Hechenblaikner dokumentiert seit 26 Jahren die touristischen Auswüchse in dem Wintersportort, 9.000 Bilder sind so bereits zusammengekommen. Man sieht Aufnahmen von Menschenmassen und von völlig enthemmten, nackten Personen – draußen, im Winter, wohlgemerkt –, von Menschen, die sich durch alberne Verkleidungen und durch ihr Verhalten selbst zum Affen machen. Durchgängige Motive sind auch exzessiver Alkoholkonsum und seine Überreste in Form von leeren Bierflaschen, die überall in Massen auf dem Boden liegen.

Damit ist das Buch ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, was verantwortungslose Profitgier in Verbindung mit einem Publikum, das nur auf schnelles Vergnügen aus ist, anrichten kann. Dass Ischgl schließlich eine zentrale Rolle bei der Ausbreitung von Covid-19 in Europa gespielt hat: geschenkt. Wer die Bilder in diesem Buch gesehen hat, den wundert das garantiert nicht mehr.

Lois Hechenblaikner: Ischgl. Steidl 2020, 240 Seiten, Hardcover, ISBN  978 3 95829 790 6, Preis: 34 Euro.

 

 

 


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