Fotobuch: IR-Fotografie
Die Natur neu sehen
Auf den Aufnahmen von Zak van Biljon leuchten Wiesen in Pink und Schafe in Rosa. Dies wirft dies mindestens zwei Fragen auf: Spielte hier ein Photoshop-Filter verrückt? Geht es um bloße Effekthascherei? Die Antwort lautet beide Male „Nein“, doch bleibt sie erklärungsbedürftig.
Um die erste Frage zu beantworten: Technisch gesehen handelt es sich um Infrarot-Fotografien, die man sowohl mit digitalen als auch analogen Kameras umsetzen kann. Klassisch nimmt man einen Kodak-Film, den Aerochrome, dessen Einsatz bestenfalls einem ästhetischen Zweck folgte.
Ein Zweck ist, dass Blätter von Laubbäumen je nach Film und Filter silbrig-weiß (Wood-Effekt) bis rötlich glänzen. Dies liegt an der Eigenschaft des Chlorophylls, IR-Licht abzustrahlen, was die Blattzellen davor bewahrt, in der Sommerhitze gegrillt zu werden. In gewissem Sinn teilen so die Bäume ihr Wohlbefinden mit: Denn je gesünder sie sind, desto mehr Chlorophyll enthalten sie, das wiederum mehr Infrarotanteile ins Kameraobjektiv zurückwirft. Daneben bietet der IR-Film mehr Pluspunkte: Vom abgedunkelten Himmel heben sich Wolken klar und deutlich ab. Zudem durchdringt IR-Licht den Dunst in der Atmosphäre, was Fotos mit atemberaubender Fernsicht erlaubt.
Der Verlag Kehrer machte aus diesem Feuerwerk an Farben überdies ein sinnliches Vergnügen: Das Cover besitzt eine schöne Leinenoptik, in die zudem ein Muster geprägt ist. Es erinnert an rauen Fels und stimmt schon beim Berühren auf den alpinen Inhalt ein. Das weitere Durchblättern erfreut sowohl Finger als auch Augen: Die Fotos sind auf starkes und hochwertiges Papier gedruckt, das die Farben wunderbar strahlen lässt. Kurz: Zak van Biljons Buch buhlt nicht um Aufmerksamkeit, sondern eröffnet neue Sichtweisen.
- Zak van Biljon: Modernising Nature
- 168 Seiten, 83 Farbabbildungen
- 28,5 × 33 cm
- Ganzleineneinband
- 58 Euro