Fotokunst
Applaus für leere Bühnen
Der Bildband „Stages“ stand schändlicherweise wochenlang im Redaktionsregal. Der Titel „Bühnen“ und das Cover-Foto ließen verkopfte Konzeptkunst vermuten, was sich nach kurzem Blättern als Irrtum erwies. Die Fotografin Lehmann-Brauns führte meisterhaft den Lichtpinsel, um ihre Szenerien zu gestalten.
Die Fotos sind ausdrucksstark wie die Kulissen aus „Uhrwerk Orange“ oder Wes Andersons Kino-Erfolg „Grand Budapest Hotel“. Nur warten hier leere Bühnen noch auf ihre Schauspieler. Doch deren Abwesenheit langweilt auf keiner Seite. Vielmehr versetzt jeder Anblick in eine Stimmung, als stünde der Betrachter tatsächlich in einer menschenleeren Bar in Peking oder betrachte ein Dorf auf den Prinzeninseln, das nach einem Erdbeben atemlos stillsteht.
Beim zweiten Blick gibt es zudem zahllose Details zu entdecken. Ein Berliner Trödelladen ist selbstredend voll von ihnen, doch auch ein Wrestlemania-Flipper und Lampenschirme mit Fransen entzücken das Auge. Dabei wirken die Szenerien wie mit einem Pinsel gemalt: Nichts wirkt zufällig, jeder Sinneseindruck wurde bewusst hingetupft. Damit steht die Fotografin in bester Nachfolge von Saul Leiter oder William Eggleston, doch beweist sie sich als eigenständige Künstlerin.
Anna Lehmann-Brauns: Stages. Hartmann books 2025, Deutsch/Englisch, Hardcover, 120 Seiten, ISBN 978 3 96070 112 5, Preis: 40 Euro
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