Kopfkino zum Umblättern
Gregory Crewdson inszeniert Thriller auf dem Papier
Gregory Crewdson fotografiert keine Fakten, sondern reine Fiktion. Diese destilliert er aus der US-Kinogeschichte der letzten achtzig Jahre, aus Alfred Hitchcocks „Rebecca“ bis zur aktuellen Fernsehserie „The last of us“.
Allerdings kommt Crewdsons Grauen ohne Schockeffekte aus. Seine Kunst besteht daraus, wenig anzudeuten, aber viel zu erzählen. Schon Details wie ein Kinderwagen vor einer Bruchbude genügen, um das Kopfkino in Gang zu setzen. Die Frage „Was geschah mit dem Baby?“ erzeugt einen Riss in der Realität, dem die dunkelsten Geheimnisse eines Vororts entströmen.
Eigentlich sollte man die Großformate in einer Ausstellung studieren, da sie leider in den knapp 25 mal 31 Zentimetern des Buchformats weniger beeindrucken. Zum Ausgleich sind in den Begleittexten spannende Details zu erfahren: Zuerst schildern sie, wie Crewdson mit einfachsten Mitteln Filmstandbilder inszenierte. Dann entwickelte er seine Bildsprache in bizarren Dioramen und schließlich wurde alles immer größer, indem er eine Mittelformatkamera und riesige Flächenleuchten einsetzte. Dieser Blick hinter die Kulissen dürfte nicht nur Crewdson-Fans faszinieren.
Walter Moser (Hrsg.): Gregory Crewdson. Prestel 2024, 280 Seiten, Hardcover ISBN 978 3 7913 7737 7, Preis: 49 Euro