Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
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Mit Gold gepflastert

Glanz und Niedergang der Street Photography

Dank Smartphone ist heute jeder ein „Street Photographer“. Kein noch so bedeutungsloses Ereignis bleibt undokumentiert, ob nun ein Filmsternchen seinen Hund ausführt oder ein Namenloser verhaftet wird. Schon allein wegen dieser Bilderflut hat die Straßenfotografie zunehmend einen schweren Stand. Die Ausstellung „Women on Street“ im NRW-Forum Düsseldorf erinnert – neben den großartigen Fotos – an die Glanzzeit und den Niedergang eines Genres. Sie steht vom 3. Februar bis 30. April 2017 offen.

Die in der Ausstellung gezeigte Serie „Women are Beautiful“ publizierte Winogrand 1975. Ihm gelang es, normale Frauen höchst anmutig wiederzugeben, wenn sie etwa über den Gehsteig flanieren. Aus kleinen Gesten und Blicken komponierte er ein Kunstwerk, das Betrachter über den bloßen Augenblick hinaus berührt. Winogrand besaß viel Talent und noch mehr Instinkt dafür, was die Menschen seiner Zeit bewegte. Vielleicht beeinflusste letzteres seinen Niedergang in den späten 1970er Jahren: Er wurde getragen vom Hochgefühl einer Zeit, die etwa mit Jack Kerouacs „On the Road“ die Straße als geradezu mystischen Ort zelebrierte. Doch als das letzte Straßenschild der legendären Route 66 im Jahr 1977 entfernt wurde, verlor auch die Straßenfotografie ihre Zielrichtung – das Publikum ließ sich nicht endlos durch die Kontraste verblüffen, die an einer Wegkreuzung entstanden.

Als Winogrand sein Gespür verlor, tauchte Peter Lindbergh (geboren 1944) auf, und eroberte den Asphalt neu. Er machte ihn zum Laufsteg, ohne seine Rauheit zu ignorieren. Diese ist formal in den körnigen Schwarzweißbildern erkennbar und inhaltlich anhand von „Super Models“, die oft etwas zerzaust und verloren wirken. Trotz dieser und anderer eher unglamourösen Bilder wurde er zu einem der bestbezahlten Fotografen der Welt. Die Zeitschrift „Harper’s Bazaar“ etwa entlohnte seine Dienste mit einem Scheck in Millionenhöhe.

Lindberghs Bilderserie „On Street“ ist daher keineswegs ein weiterer Gag der Modewelt, sondern entstand ganz selbstverständlich auf den Straßen New Yorks. Insgesamt 44 Aufnahmen sind nun in Düsseldorf zu sehen. Und obwohl bereits 2010 eine Ausstellung unter gleichem Namen bei „C/O Berlin“ stattfand, werden auch einige unbekannte Werke darunter sein.


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