Sebastião Salgado gestorben
Seine Poesie und Tatkraft wachsen weiter
Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado (geboren am 8. Februar 1944) starb am vergangenen Freitag mit 81 Jahren an Leukämie. Was bleibt? Hoffentlich erinnert man sich nicht nur an exotische Motive von Amazonas-Indianern mit dramatischen Tonwerten. Er selbst sagte in seinem Buch „Arbeiter“ dazu pragmatisch: „Ich möchte nicht, dass irgendjemand das Licht oder die Graustufen bewundert. Ich möchte, dass meine Bilder informieren, Diskussionen provozieren – und Geld aufbringen.“
Denn wichtiger war ihm sein Instituto Terra, eine Aufforstungsorganisation in der Provinz Minas Gerais, Brasilien, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Lélia gründete. Bis heute pflanzte die Organisation erfolgreich über drei Millionen Bäume.
Nichtsdestoweniger sah sich Salgado dem Vorwurf ausgesetzt, etwa die Ausbeutung von Minenarbeitern allzu sehr zu ästhetisieren. Kritiker wie die Schriftstellerin Susan Sontag haben durchaus recht, wenn sie sich über „die Unechtheit der Schönheit“ in Salgados Arbeit wundern. Denn sobald menschliches Leid durchkomponiert wird, wird es sogar ästhetisch genießbar. Allerdings bürdet man vielleicht ihm und der Fotokunst eine zu große Verantwortung auf. Sein Berufskollege Steve McCurry sah es im Interview mit FOTO HITS eher nüchtern: „Natürlich achten manche Menschen auf die Gestaltung, und das ist in Ordnung. Wer ein guter Handwerker ist, will sichergehen, dass das Licht und die Komposition auf bestimmte Weise gesetzt sind. Mancher interpretiert dies einfach falsch.“
Zuletzt sah der Autor Salgado auf einer Leinwand, auf der er eine Grußbotschaft übermittelte. Anlass war eine Aufführung des Orchesterwerks "Floresta do Amazonas" des Komponisten Heitor Villa-Lobos, bei dem seine Fotos riesenformatig gezeigt wurden. Salgado betonte, wie eng für ihn diese Musik und seine Bilder zusammenhingen. Einige Jahre zuvor hatte bezüglich seiner Bildbände „Genesis“ und Exodus“ gesagt, dass er den Glauben an die Menschheit verloren habe. Sie sei im Begriff, sich selbst zu zerstören. Aber an die Kraft der Poesie glaubte er offenbar noch. Diese Überzeugung und Millionen von Bäumen sind sein schönstes Erbe.
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