Stängel mit Stil
Neu- und Gesamtausgabe von Blossfeldts Pflanzenfotos erschienen
Karl Blossfeldt fotografierte zwar „nur“ getrocknete Pflanzen. Aber er bewunderte ihre Baukunst wie die einer Kathedrale. Zudem war er fähig, sie fotografisch zu würdigen. Geschult in der klaren Formensprache von Bauhaus und „Neuem Sehen“, griff er zur selbst gebauten Plattenkamera und lichtete Farne und Spargel ab. Allerdings zupfte er zuvor Blättchen weg, arrangierte die Pflanzen dekorativ und fotografierte sie bis zu 45-fach vergrößert.
Eigentlich war das Material für die Kunstgewerbeschule gedacht. Doch in Buchform geriet es 1928 zum Bestseller. „Urformen der Kunst“ enthielt nur 120 Bildtafeln, die Neuauflage des Taschen-Verlags bietet sogar alle jemals publizierten Fotos. Sie ergänzen sechs Seiten Werkseinführung, die dreiseitige Einleitung „Urformen der Kunst“ von Karl Nierendorf (1889–1947) und ein Beitrag aus „Wundergarten der Natur“ von Blossfeldt selbst. Wer mehr über die Ästhetik lesen will, findet wortreichere Abhandlungen auf dem Markt. Der Bildband von Taschen erfreut durch die mannigfaltigen Variationen der Naturmotive.
Karl Blossfeldt. The Complete Published Work. Taschen 2024, 40. Auflage, 512 Seiten, Sprachen: deutsch, englisch, französisch, Hardcover, ISBN 978 3 8365 9851 4, Preis: 25 Euro