Studienbuch
Foto-Theorie auf zwei Zentimeter komprimiert
Die Reclam-Kleinformate vermitteln bereits seit Generationen kompaktes Wissen. Die 376 Seiten machen das Bändchen fast voluminös (genauer: zwei Zentimeter dick). Das bietet ausreichend Platz für die 28 Autorinnen und Autoren, die zeitlich von Ludwig Schorn (1793 bis 1842) bis Peter Lunenfeld (geb. 1962) reichen. Dazwischen sind bekannte Namen vertreten, die man aus anderen Kompendien kennt, etwa William Henry „Fox“ Talbot, Walter Benjamin, Henri Cartier-Bresson, Susan Sontag und Roland Barthes.
Ihre meist essayistischen Texte gruppierte der Verlag in sechs Blöcke, die jeweils eine Einleitung bekamen. Der erste ist übertitelt mit „Fotografie und das Reale“, wobei 1839 die wissenschaftlich exakte, aber ästhetisch wertlose Naturdarstellung herausgehoben wurde, während 2006 gemäß Jean Baudrillard verwirrende Spiegelbilder unsere Realität zu verschlucken drohen. Die großen Gedanken sind zwar klein gedruckt und bei manchen postmodernen Denkern etwas aufgebläht. Doch allein Charles Baudelaires wortgewaltige Wutrede gegen die Fotografie lohnt die Lektüre.
Bernd Stiegler (Hrsg.): Texte zur Theorie der Fotografie. Reclam 2024/6. Auflage, 376 Seiten, Softcover, ISBN 978 3 15 018708 1, Preis: 12,80 Euro