Hersteller Leica
Modell M-D
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Leica M-D - Kraft und Ruhe: Zen-Fotografie

Leica zwingt bei der Vollformatkamera M-D durch Fehlen eines Monitors, JPEG-Aufzeichnung vielem mehr zu einem „analogen Arbeitsprozess“.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 10/2016

Irgendwie ist alles anders an der Leica M-D: Wo Digitalfotografen einen LC-Monitor erwarten, zeigt sie ein simples Einstellrad für die manuelle Vorgabe der Lichtempfindlichkeit. Statt JPEG-Speicherung und Wi-Fi-Anbindung, die eine „Sofortentwicklung“ der Fotos und den weltweiten Direktversand an Millionen Empfänger erlauben, speichert die Kamera ihre Bilder ausschließlich im Raw-Format. Statt ein Autofokussystem mit hunderten von AF-Feldern zu nutzen, muss der M-D-Fotograf selbst tätig werden und die Schärfe mit einem Messsuchersystem bestimmen.

Kurz: Die Kamera ist für Anwender konzipiert, die trotz Digitaltechnik so fotografieren wollen, wie sie es bereits vor Jahrzehnten auch mit analogen Kameras gemacht haben. Statt sofortiger Bildkontrolle ist es sogar notwendig, auf die Entwicklung des Fotos zu warten – nur findet diese jetzt nicht mehr im Labor, sondern am eigenen Rechner im  Bildbearbeitungsprogramm beziehungsweise Raw-Konverter als „digitaler Dunkelkammer“ statt.

Der Aufnahmesensor der M-D entspricht der bereits bekannten Leica M: Es handelt sich um ein Vollformatsystem mit einem Aufnahme-Chip im Kleinbildformat, das eine Auflösung von 24 Megapixel liefert.

Bei der maximalen Lichtempfindlichkeit geht Leica ebenso konservativ wie beim Gesamtkonzept der Kamera vor. Denn der Maximalwert der M-D mit ISO 6.400 klingt im Vergleich zu anderen Digital-Vollformatsystemen mit inzwischen sechsstelligen oder Millionenwerten zwar gering, ist aber im Vergleich zu analogem Filmmaterial immer noch ein ganz gewaltiger Schritt nach vorn. 

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 5.976 × 3.992 Pixel, 24 MP
  • Chip-Größe: 35,8 × 23,9 mm (Vollformatsensor)
  • Objektiv/Bajonett: 50mm/F2,4; Leica M-Bajonett
  • Integrierter Bildstabilisator: nein
  • Verschlusszeiten: Bulb; 
  • 30-1/6.000 s
  • Belichtungsmodi: A und M; Aktivierung durch Objektiv-/Wahlräder
  • ISO: 200-6.400
  • Autofokusfelder: –
  • Sucher: optischer Messsucher mit Parallaxenausgleich
  • LCD: –
  • Preis (UVP): 5.950 Euro (nur Body)
  • Internet: www.leica-camera.com

 

 

Aufbau

Belichtung

Zur Belichtung bietet die Kamera zwei Aufnahmearten: Man kann erstens alle Parameter wie ISO-Wert auf der Rückseite, Blendengröße am Objektivring und Verschlusszeit über das Einstellrad oben festlegen. Zweitens unterstützt sie den Fotografen per Zeitautomatik. Dazu wird das Verschlusszeitrad auf „A“ geschaltet, anschließend ermittelt die Kamera die zur manuellen Vorgabe von ISO und Blendengröße passende Belichtungszeit selbsttätig. Eine solche Automatikeinstellung lässt sich mittels des Funktionsknopfs oben und dem Daumenrad vom Fotografen bewusst verändern. Der Fotograf kann sie mit den Schaltern um plus/minus drei Belichtungsstufen korrigieren.

 

DER SUCHER

Die Leica M-D arbeitet mit einem so genannten Messsuchersystem. Dieses „blickt“ in Fotografie-Richtung links oberhalb des Objektivs durch das Kameragehäuse hindurch, während ein zweites Sucherfenster rechts vom Objektiv ein zweites Bildfeld in das Sucherzentrum einspiegelt. Bringt man beide Ansichtgen in Deckung, ist die Fokussierung korrekt eingestellt.

Der Sucher zeigt abhängig vom Objektiv von LEDs erzeugte Leuchtrahmen, die den aufgenommenen Bildausschnitt markieren. Bei Entfernungen unterhalb von zwei Metern hilft ein zweiter Rahmen, den durch die Parallaxenverschiebung (Sucher sitzt seitlich/oberhalb der eigentlichen Aufnahmeachse) veränderten Bildausschnitt zu erkennen. Wer dies noch aus analogen Zeiten kennt, kommt damit prima zurecht, wer digitale Sucher mit einer exakten 100-Prozent-Ansicht des Bildausschnitts bevorzugt, tut sich schwerer.

Außerdem gibt der Sucher durch unten eingeblendete Leuchtsymbole an, ob das Bild nach Auffassung der Automatik unter- oder überbelichtet aufgenommen wird. Zusätzlich lassen sich mit dem Drehrad und Funktionsschalter noch Datum und Uhrzeit einstellen, wofür ein weiteres Ziffernfeld in den Sucher eingeblendet wird.

 

AUFNAHMEFORMAT

Die Kamera ist grundsätzlich auf Raw-Dateien im DNG-Format beschränkt. Bilder müssen also zwangsläufig mit einem Konverterprogramm in JPEGs, TIFFs oder andere für die weitere Nutzung übliche Formate gewandelt werden. Im Gegensatz zu früheren M-Modellen gehört aber „Adobe Lightroom“ nicht mehr zum Lieferumfang, sondern eine dreimonatige Testversion der „Adobe Creative Suite“, die damit auch „Adobe Photoshop“ enthält. 

Wegen der Aufnahme im Raw-Format gibt es auch keine Möglichkeit, den Weißabgleich der Bilder an der Kamera einstellen zu können. Dieser wird erst im Raw-Konverter-Programm festgelegt beziehungsweise bei der Aufnahme von der Leica M-D eine vorläufige Weißbalance (etwa für Raw-Vorschaubilder) per Auto-Einstellung in die Daten geschrieben.

 

GESCHWINDIGKEIT

Wer mit Messsucherkameras arbeiten kann, stellt Belichtung und Fokussierung an der Leica bequem und schnell ein. Bei Serienaufnahmen erfasst sie drei Aufnahmen pro Sekunde. Der Bildspeicher reicht jedoch nur für acht Bilder innerhalb einer Serie aus, bevor der Schreibprozess auf die Speicherkarte die Kamera ins Stocken geraten lässt. Die Kamera bietet einen einzelnen Slot für SD-Speicherkarten und kann mit allen aktuellen Varianten wie SDHC und SDXC arbeiten. Natürlich muss die Schärfe während dieser Serienaufnahmen wie in früheren Zeiten von Hand nachgeführt werden – Sportfotografen sind heutzutage mehr Komfort gewöhnt.

Das Verschlusssystem der Kamera ist sowohl bei Serien- als auch Einzelaufnahmen sehr leise beziehungsweise wird auch durch das massive Gehäuse auf Basis eines Metallchassis zusätzlich gedämpft. Mit der Leica M-D kann man daher sehr unauffällig fotografieren, was etwa für die Reportage- und Street-Fotografie hilfreich ist.

Porträt
Die Verläufe der Hauttöne lassen sich mit der Leica M-D sehr gut herausarbeiten, sie erscheinen fast porzellanartig. Die Farben der Hautnuancen sind ebenfalls perfekt.Durch die scharfe Reproduktion der Leica M-D muss man bei der Entwicklung der Raw-Bilder darauf achten, nicht per digitalem Schärferegler zu einer Überbetonung der feinen Details in den Fotos zu gelangen.
Testaufbau
Auch schwierige Bildelemente wie am Metallgitter am Sieb, auf der Platine oder auch der Chromkugel im Bildzentrum (siehe oben) gibt die Leica M-D problemlos wieder. Kontrastkanten der Siemens­sterne werden randscharf im Bild dargestellt.Der Eindruck einer hohen Bildschärfe wird auch durch die exzellente Differenzierung der Farbtöne in ihre einzelnen Helligkeitsstufen erreicht. Die Fäden der Garnrollen wirken in allen Nuancen geradezu plastisch. Auch die Struktur des Hintergrunds ist klar erkennbar.
Farbwiedergabe
Dank der ausschließlichen Verwendung von Raw-Dateien und der manuellen Weißabgleichseinstellungen im Konverterprogramm lässt sich eine technisch perfekte Einstellung der Farbtemperatur durchführen. Die entsprechenden Neutraltöne für Weiß, Grau und Schwarz zeigen dementsprechend überhaupt keine Abweichung. Die Verschiebungen im Farbbereich sind auf das Konto der Automatikeinstellungen im Raw-Konverter von „Adobe Photoshop“ zurückzuführen. Es sind weniger Abweichungen des Farbtons, sondern minimalen Verschiebungen seiner jeweiligen Helligkeit. Je nach Raw-Einstellung kann man mit der Leica M-D also sehr präzise Farb­reproduktionen erzeugen.
Schärfe
Knackige Kontraste und gute Differenzierung von Farbtönen sind das Ergebnis der hohen Bildschärfe. Die Sensorauflösung von 3.992 Linien in der Bildhöhe wird in den Testaufnahmen mit 3.811 Linien umgesetzt.
Rauschen
Der Dynamikumfang ist zwischen ISO 100 und ISO 400 extrem hoch und „kratzt“ an der Zwölf-Blendenstufen-Grenze. Das Luminanz- und Farbrauschen ist bei niedrigen ISO-Stufen in den Bildern nicht sichtbar.
Dynamikumfang
Bei maximaler ISO-Einstellung wirkt das Rauschen höher als bei anderen Kameras. Das liegt daran, dass bei der Raw-Wandlung die Standard-Rauschfilter-Vorgabe von Null Prozent genutzt wurde, während Konkurrenzprodukte ihre JPEG-Bilder stark filtern.
Vergleich Bildrauschen
Mit einer maximalen Lichtempfindlichkeit von ISO 6.400 ist die neue Leica-Kamera nicht unbedingt eine Spezialistin für Nachtaufnahmen, kann aber in der Dämmerung und in Innenräumen häufig ohne Einsatz eines Blitzgeräts hervorragende Ergebnisse liefern.

Bewertung

Pro: Hervorragende Bildergebnisse durch großen Bildsensor und konsequenten Raw-Workflow. Die hohe Schärfeleistung ist auch ein Ergebnis der exzellenten Leica-Objektive.

Contra: Wer mit Digitalkameras samt LC-Monitor, Wi-Fi-Verbindung zum Smartphone und mehr aufgewachsen ist, wird sich mit der neuen Leica M-D vermutlich nicht anfreunden können.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Für den Test wurden die ausschließlich als DNG-Bilder vorliegenden Aufnahmen der Leica M-D mit den Standardeinstellungen des Raw-Moduls in „Adobe Photoshop“ entwickelt. Die Kamera liefert demnach Bilder mit einer Detailwiedergabe, die die Auflösung des Sensors nahezu komplett ausschöpft. Auch die weiteren Daten beim Dynamikumfang oder Bildrauschen liegen auf Top-Niveau.

Fazit: Foto

Die Bildqualität der Leica M-D ist ohne Fehl und Tadel, sodass sie ein „Exzellent“ verdienen würde. Bei ihrer Ausstattung fehlen aber prinzipbedingt viele Dinge wie ein LC-Monitor oder ein Autofokussystem, die heutzutage bei Digitalkameras zum Standard gehören. Daher erreicht sie nur die Gesamtnote „Sehr gut“. Die Kamera wirkt insgesamt „wie aus der Zeit gefallen“. Wer sich darauf einlassen mag, ein Digitalmodell Baujahr 2016 so zu nutzen wie eine analoge Messsucherkamera, findet in der Leica M-D eine perfekte und die konsequenteste Umsetzung dieser Idee.

Leica M-D: Gesamtnote

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