Hersteller Leica
Modell SL
Original Testbilder:
Kameratest Kompletten Test als Download kaufen kaufen

Leica SL - Vollprofi ohne Spiegel

In die neue SL hat Leica alles gepackt, was zu einer modernen Systemkamera gehört: Hochaufl ösender Elektroniksucher, rasanter AF und üppige Funktionsvielfalt.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 03/2016

Mit der offiziell als „SL (Typ 601)“ bezeichneten Kamera schneidet Leica eine ganze Menge alter Zöpfe beim eigenen Image ab. Denn die­se Kamera ist keine halbherzig ins Digitale übertragene Variante der M-Sucherkameras oder eine mit Bildsensor statt Filmpatrone versehene Spiegelreflex, sondern ein modernes Wechselobjektivsystem mit allen Elementen, die man heutzutage von solchen Produkten erwartet. Das beginnt beim konsequent auf elektronische Menüstrukturen angelegten Bedienkonzept, das mit analogen Steuerelementen nach kurzer Eingewöhnung sehr intuitiv bedient wird, und reicht bis hin zum elektronischen Sucher.

Bei diesem geht sie mit einer Rekordauflösung voran und lässt mit 4,4 Millionen RGB-Bildpunkten alle bislang bekannten Varianten von Sony, Panasonic oder Olympus sichtbar hinter sich. Beim Aufnahmesensor hat sich Leica dagegen für eine moderate Lösung mit 24 Megapixel und Vollformat entschieden, die jedoch ohne Tiefpassfilter auskommt. Gemeinsam mit dem neuen SL-Objektiv lieferte sie eine hervorragende Schärfe- und Auflösungsleistung im Test.

Dieses Produkt bei

Leica SL Systemkamera (24 Megapixel, CMOS-Sensor, EyeRes-Sucher, Kontrast-Autofokus, 4K Video, WiFi) inkl. Vario-Elmarit SL 1:2,8–4/24–90mm ASPH schwarz

Neu ab 10899 EUR (2 Artikel)
Gebraucht ab 6539 EUR (2 Artikel)

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 6.000 × 4.000 Pixel, 24 MP
  • Chip-Größe: 36,0 × 24,0 mm (Kleinbildformat)
  • Objektiv (im Test): 24-90 mm (KB-Entsprechung); 1:2,8
  • Verlängerungsfaktor: 1:1
  • Bildseitenformat: 3:2 (4:3, 7:5, 3:1, 16:9 und 1:1 durch Beschnitt)
  • Bajonettsystem/Objektive: Leica L-Bajonett
  • Integrierter Bildstabilisator: nein (abhängig vom Objektiv)
  • Verschlusszeiten: Bulb; 60-1/8.000 s
  • Blende (max./min.): f2,8/f22 (abhängig vom Objektiv)
  • Belichtungsmodi: P, M, A und T
  • ISO: 50-50.000
  • Autofokusfelder: Kontrastautofokus mit 49 AF-Feldern
  • Weißabgleich: Auto/8 Presets/manuell/nummerisch
  • Raw-Modus: ja
  • Sucher: ja (elektronisch mit 4,4 Millionen RGB-Bildpunkten)
  • LCD: 7,5 Zentimeter (2,95 Zoll); 1,04 Millionen RGB-Bildpunkte
  • Blitz: nein
  • Blitzmodi: Auto/An/Aus/Synchronisierung auf 2. Verschlussvorhang
  • Blitzschuh/Synchronanschluss: ja/ja
  • Speicher: 2 × SD-/SDHC-/SDXC-Karten
  • Anschluss: USB 3.0; HDMI; Wi-Fi; Mikrofon/Kopfhörer per Adapter
  • Energie: Lithium-Ionen-Akku; Ladegerät im Lieferumfang
  • Software: Adobe Photoshop Lightroom 6 als Raw-Konverter und Bildverwaltungsprogramm
  • Abmessungen (B × H × T): 147 × 104 × 39 mm
  • Gewicht (ohne Zubehör): 847 Gramm
  • Preis (UVP): 6.900 Euro (11.200 Euro mit 24-90mm-Objektiv)
  • Internet: https://de.leica-camera.com

Aufbau

ECHT MASSIG

Es fällt ein wenig schwer, die Leica SL zu den „CSC“, also „Compact System Cameras“ zu zählen. Ihr Gehäuse ist deutlich höher und breiter als manche Spiegelreflexkamera. Der Begriff „CSC“ wurde ursprünglich eingeführt, um die dank eines fehlenden Spiegelkastens kleineren spiegellosen Systemkameras zu kennzeichnen, das greift bei der Leica SL aber nicht mehr. Die Kamera basiert auf einem massiven, aus einem Alublock gefrästen Metallgehäuse, woraus sich das hohe Gewicht der CSC von 847 Gramm erklärt. Gleiches gilt für das neue SL-Objektiv, das mit 1.140 Gramm zu Buche schlägt, sodass man insgesamt ein knapp zwei Kilogramm schweres System trägt. Im Fall der Leica sind also Produktgruppen-Definitionen wie „DSLM – Digital Single Lens Mirrorless“ sinnvoller.

Ihr neu entwickeltes Objektiv ist mit 24 bis 90 Millimetern bei durchgängig 1:2,8 nicht nur in der Auswahl der Bildwinkel vergleichbar mit Top-Standardzooms der 24-bis-70-Millimeter-Klasse, sondern weist auch ähnliche Dimensionen und Maße auf. 

 

BEDIENUNG IM TEST

Die hohe Auflösung des elektronischen Suchers wurde bereits genannt. Er ist aber auch noch in anderen Punkten bemerkenswert: Er kann bis zu 60 Bilder pro Sekunde darstellen, was bei Aufnahmen von Serienbildern und zum Beispiel gleichzeitig durchgeführten Schwenks zu einer besseren Darstellung und somit präziseren Bildkontrolle führt. Mit Faktor 0,80 (Umrechnung für 50-Millimeter-Objektiv mit Unendlich-Einstellung) ist er zudem sehr groß – sogar größer als optische SLR-Sucher der Profi-Klasse. Tatsächlich hat man beim Blick durch das Okular den Eindruck, auf eine Großleinwand mit knackig-scharfer Darstellung zu blicken.

Die Steuerung der Kamera ist intuitiv, aber zunächst etwas ungewöhnlich. Praktisch alle Tasten haben mehrere Funktionen, die zudem auch noch vom Anwender per Menü selbst bestimmt werden können. Die großen Tasten etwa rechts und links vom Bildschirm dienen durch längeren Druck als Funktionsschalter um zum Beispiel den Weißabgleich aufzurufen, werden aber gleichzeitig auch zum Abruf der Menüs verwendet.

Der Autofokus arbeitet rasant. Mit 49 Fel­dern erreicht er zwar nicht die Rekordmarken etwa von Sony, aber diese 49 Areale mit Kontrastmessung sorgen gemeinsam mit dem neuen AF-Objektiv für ein sehr flottes und zudem entscheidungsfreudiges Arbeiten des Fokus: Auslöser halb durchdrücken, schon steht die Schärfe fest. 

Nicht nur der Autofokus ist rasant, auch die Serienbildfähigkeit beeindruckt. Bis zu elf Bilder pro Sekunde sind mit der Leica SL möglich. Bei Serienbildern hilft auch der ausgesprochen große Zwischenspeicher von zwei Gigabyte, der Aufnahmefolgen mit bis zu 30 DNG-Raw- plus JPEG-Bildern erlaubt. Bei reiner JPEG-Aufzeichnung können nur von der Speicherkarte begrenzte Serien aufgezeichnet werden.

Auch die weiteren Testergebnisse (siehe Tabelle links und unten) sind ausgezeichnet, sodass die Kamera insgesamt eine Top-Bewertung verdient.

Porträt
Das Porträt gibt die Leica SL sehr neutral bis leicht unterkühlt wieder. Die Hautstrukturen oder die Muster in den Kleidungsstoffen reproduziert sie sauber und klar. Wie im Testbild links ist auch hier die Differenzierung in den Rottönen des T-Shirts positiv hervorzuheben.
Testaufbau
Feine Strukturen wie die Lötpunkte auf der Platine oder das Netz des Metallsiebs zeigt die Leica SL sehr plastisch und mit hoher Schärfe. Das sehr gute Objektiv lässt nur messtechnisch minimale chromatische Aberrationen erkennen, in den Fotos sind sie nicht zu sehen.Die P-Automatik sorgte hier für eine leichte Unterbelichtung, sodass die dunkleren Nuancen übersättigter wirken, als sie laut Farbmesstafel sind. Die Differenzierung der einzelnen Töne ist exzellent. Bei den SL-Raw-Aufnahmen kann man sogar noch mehr herausholen.
Farbwiedergabe
Der Weißabgleich verschob bei der Testaufnahme der Farbtafel hellere Nuancen minimal in Richtung Gelb, sorgte aber insgesamt für kühlere Töne. Die Abweichungen aller Farben liegen auf sehr niedrigem Niveau. Die geringe Ausschlagshöhe der Balken verdeutlicht diese geringe Differenz zu den Sollwerten der Farbmesstafel. Somit ergibt sich hervorragendes Bildmaterial auch für die Nachbearbeitung. Hauttöne gibt die Leica SL sehr realistisch wieder, was auch im Porträt oben sichtbar wird.

Bewertung

Pro: Exzellentes Bildmaterial, speziell im Raw-Modus, sowie hohe Geschwindigkeit und vielfältige Einstellmöglichkeiten machen die Kamera zur Profi-Lösung.  

Contra: Die Mehrfach-Belegung der Funktionsschalter und ihre kontextsensitiven Änderungen sind zunächst verwirrend und erfordern viel Einarbeit in die Kamera.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Das Auflösungsergebnis und die Werte der Dynamikmessung sind exzellent. Die Farben werden etwas übervorsichtig und damit leicht untersättigt reproduziert. Das Rauschen bleibt bis ISO 1.600 auf niedrigem Niveau und bis ISO 6.400 noch sehr gut. Nur in den höchsten ISO-Stufen steigt es rasant an, sodass Aufnahmen mit ISO 25.600 und ISO 50.000 deutlich sichtbare Pixelstrukturen aufweisen.

Fazit: Foto

Abgesehen von ein paar geschmäcklerischen Streitpunkten etwa zum Bedienkonzept, legt Leica mit der SL (Typ 601) bei den spiegellosen Systemkameras ganz schön vor. Bildqualität, elektronischer Sucher, AF-Leistung und mehr verdienen Top-Noten. Die Leica SL ist keine Kompaktsystemkamera für den Urlaub, sondern ein hochwertiges Aufnahmesystem für Profi-Fotografen.

Videotest

Die Leica beherrscht echte 4K-Videoaufnahmen mit 4.096 mal 2.160 Pixel, allerdings nur bei 24 Bildern pro Sekunde. In UHDTV (3.840 mal 2.160) sind auch 25 oder 30 Bilder möglich. Bei Nutzung des Full-HD-Modus (1.920 mal 1.080 Pixel) kann sie zudem mit 50 beziehungsweise 60 Bildern pro Sekunde (PAL/NTSC) auch schnelle Bewegungen gut erfassen. Sie speichert die Filme als MOV- oder MP4-Dateien, wobei die klassische H.264-Kodierung zum Einsatz kommt. Über den HDMI-Ausgang kann ein sauberes Signal ohne eingeblendete Aufnahmeinformationen ausgegeben werden. Dort steht bei den Bildern sogar eine Farbunterabtastung von 4:2:2 bei zehn Bit Farbtiefe bereit, um mit einem externen Rekorder professionelles Material etwa für Greenscreen-Videos im Studio zu erhalten. Intern speichert die SL ihre H.264-Filme mit dem typischen 4:2:0-Chromasubsampling und mit acht Bit Datentiefe. Für mehr Spielraum bei der Farbkorrektur der Videos lassen sich die Filme mit einem „flachen“, also zunächst relativ kontrastarm wirkenden „L-Log“-Profil aufzeichnen. Manuelle Belichtungseinstellung inklusive Vorwahl der ISO-Werte sind mit der neuen Leica ebenfalls möglich.

Auch der Ton lässt sich manuell steuern. Die Kamera kann zudem mit externen Mikrofonen und einem Kopfhörer arbeitet, benötigt aber dazu für ihren Spezialanschluss das optionale Adapterkabel „AA-SCL4“.Bei der Filmaufnahme ist ein gesondert zuschaltbarer Bildstabilisator sehr hilfreich.

Videofunktionen

  • Max. Auflösung: 4.096 × 2.160 Pixel
  • Max. Frequenz: 24 (4K)/30/60 Bilder/s
  • Zusatzmodi: 25, 30 Bilder/s
  • Videodateiformat: MP4, MOV
  • Komprimierung: H.264
  • Speicher: 2 × SD-Karte 
  • Zoomen bei Filmaufnahme: ja
  • Fokussieren bei Filmaufnahme: ja, kontinuierliche Schärfenachführung
  • Fokusmodi: Einzel-AF, AF-C, MF
  • Stabilisator: ja
  • Manuelle Belichtung: ja
  • Manuelle ISO-Einstellung: ja
  • Manueller Tonpegel: ja
  • Mikrofonanschluss: ja (Spezial)
  • Besonderheiten: A- und S-Belichtungsmodi fehlen ebenso wie der Mikro-Anschluss
  • Video-Software: nein
  • Internet: https://de.leica-camera.com
Auflösung
Im 4K-Modus ist der Auflösungswert mit 1.503 von 2.160 Linien in der Bildhöhe nicht rekordverdächtig, aber die Darstel­lung der Schwarz-Weiß-Elemente wirkt sauber und klar (Full-HD: 895 von 1.080 Linien).
Farbverteilung
Im Gegensatz zur Standbildaufnahme der Farbmesstafel wirken die Bilder der Leica SL bei Videos etwas kühler. Die Farbsättigung ist minimal zu niedrig, bietet damit aber auch Spielraum für Korrekturen.
Realbildaufnahmen Weitwinkel
Bei der im Beispielbild gezeigten Maximalauflösung von 4.096 mal 2.160 Pixel nimmt die Leica 24 Bilder pro Sekunde, also die klassische „Kino-Frequenz“ auf. Bei Full-HD- und HD-Filmen sind sogar Zeitlupensequenzen möglich.
Realbildaufnahmen Tele
Trotz der hohen Auflösung sind absolut keine Moiré-Effekte in den Strukturen auf den Häuserdächern zu sehen. Die Farbgebung ist sehr natürlich, die Sättigung der Nuancen etwas niedrig und damit eine Spur zu übervorsichtig.

Fazit: Video

Die Leica liefert hochauflösende, sehr sauber dargestellte 4K-Videos, die fast schon plastisch wirken. Zudem ist sie weitgehend konfigurierbar.

Leica SL: Gesamtnote

Bild