Hersteller Sigma
Modell sd Quattro
Original Testbilder:
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Sigma sd Quattro - Neue Welten im Visier

Sigma steigt mit der „sd Quattro“ in die Welt der spiegellosen Systemkameras ein. Foveon-Sensor und Kompatibilität zu bestehenden Objektiven sind Pluspunkte.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 10/2016

Sigma tritt als Kamerahersteller mit ungewöhnlichen Konzepten an. Das beginnt bereits beim Aufnahmesensor, der ursprünglich von Foveon entwickelt wurde, aber seit der Übernahme des Unternehmens durch Sigma in Eigenregie von dem Objektiv- und Kamerahersteller weitergeführt wird. Der „Foveon X3“ genannte Sensor ist in der Lage, für jeden Bildpunkt die drei Grundfarbeninformationen zu erfassen und somit auf eine „Farbinterpolation“ zu verzichten.

Bislang setzte Sigma diesen Sensor in Kompaktkameras mit fest eingebautem Objektiv oder in den eigenen SLR-Modellen wie etwa der SD1 Merrill ein. 

Jetzt bietet das Unternehmen mit der sd Quattro erstmals ein Modell an, das zu den spiegellosen Systemkameras zählt: Die Kamera setzt daher auf ein Wechselobjektivsystem, verzichtet aber auf einen optischen Sucher mit Klappspiegel. Stattdessen nutzt sie ein elektronisches Suchersystem mit 2,36 Millionen RGB-Bildpunkten und ein LC-Display auf der Rückseite, das ebenfalls zur Bestimmung des Bildausschnitts genutzt werden kann.

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Sigma SD Quattro spiegellose Systemkamera (33 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) Display, SD-Kartenslot, SDHC-Kartenslot, SDXC-Kartenslot, Eye-Fi-Kartenslot) Schwarz

Neu ab 479.4 EUR (2 Artikel)
Gebraucht ab 599 EUR (1 Artikel)

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 5.424 × 3.616 Pixel, 20 MP (interpoliert 39 MP)
  • Chip-Größe: 23,5 × 15,5 mm (APS-C-Klasse)
  • Objektiv/Bajonett: 18-35mm/F1,8; Sigma SA-Bajonett
  • Integrierter Bildstabilisator: nein (abhängig von Objektiv)
  • Verschlusszeiten: Bulb; 
  • 30-1/4.000 s
  • Belichtungsmodi: P, S, A und M; vom Anwender definierte Einstellungen
  • ISO: 100-6.400
  • Autofokusfelder: 9 AF-Felder
  • Sucher: elektronischer Sucher + 
  • Live-Bild auf LCD
  • LCD: 7,5 cm; 1,62 Mio. Bildpunkte
  • Preis (UVP): 799 Euro (nur Body)
  • Internet: www.sigma-foto.de

 

 

Aufbau

Objektivvielfalt

Die neue Kamera ist kompatibel zu allen Sigma-Objektiven mit dem proprietären Bajonettsystem des Herstellers, also annähernd zu seiner gesamten Produktpalette vom Fisheye bis zum 800-Millimeter-Extremtele. Weil der Foveon-X3-Sensor im APS-C-Format vorliegt, verlängert sich rechnerisch die Brennweite dieser Optiken jedoch um den Faktor 1,5. 

Den großen Vorteil von spiegellosen Systemkameras, durch ein verringertes Auflagemaß ein deutlich kleineres Gehäuse und auch kompaktere Objektive anzubieten, verspielt die neue sd Quattro damit jedoch. Denn der eigentlich schmale Kamerakörper wird durch den wuchtigen und weit nach vorn ausgeführten Bajonettanschluss, der damit wie ein CSC-Adapter für Fremdobjektive das Auflagemaß verlängert, deutlich massiger als bisherige CSC-Kameras.

 

BEDIENUNG

Das von bisherigen Sigma-Kompaktkameras bekannte Design greift auch die neue sd Quattro auf. Sie bietet einen dicken Griffwulst, auf dem sich Auslöser und Einstellräder befinden, die somit leicht mit der rechten Hand erreichbar sind. Der Sucher befindet sich etwas rechts von der Objektiv­achse, da er ja als elektronisches System beliebig positioniert werden kann. Er steht nicht allzu weit aus der Kamera heraus, sodass man das Gesicht ständig gegen das LC-Display drückt. Das ist aber nur minimal störend, denn weil der Monitor nicht berührungsempfindlich ist, kann man somit nicht wie bei anderen Kameras durch den Sucherblick ungewollt mit der Nase irgendwelche Funktionen auslösen.

Die Kamera bietet auf der Rückseite sogar ein zweigeteiltes LC-Display. Etwa vier Fünftel der Fläche werden von einem „normalen“ LCD für Menüdarstellung, elektronischen Sucher oder zur Wiedergabe der Fotos genutzt, ein schmaler Streifen rechts dient als Schwarz-Weiß-Status-LCD, das die aktuellen Aufnahmeeinstellungen zeigt. Leider ist die Display-Kombination fest eingebaut, also nicht schwenk- oder drehbar. Gemeinsam mit dem hochauflösenden Sucher samt Okular und Dioptrienausgleich ist aber bei klassischer Kamerahaltung eine sehr gute Bildkontrolle möglich. 

Der Sucher erlaubt auch ein komfortables manuelles Fokussieren, zumal die Kamera das mit zusätzlichen Möglichkeiten wie etwa „Focus Peaking“ auch noch elektronisch unterstützt.

 

IM TEST

Der Sensor im Seitenformat 3:2 erreicht eine nominelle Auflösung von 5.424 mal 3.616 Pixel. In dieser Größe werden auch die Raw-Bilder der Kamera gesichert. Im reinen JPEG-Modus bietet die sd Quattro die Möglichkeit, diese Bilder per Interpolation als 7.680 mal 4.320 Pixel große Bilder zu sichern, was auch beim Umwandeln der Raw-Aufnahmen in Sigmas kostenlosem Konverterprogramm „Sigma Photo Pro 6.4“ möglich ist. Die Dateien sind durch den speziellen RGB-Aufbau sehr gut für eine solche Skalierung geeignet, denn sie liefern für die Interpolation ausgezeichnetes Ausgangsmaterial. Im FOTO HITS-Test haben wir uns auf die nominelle Auflösung beschränkt. Diese setzt die Kamera quasi 1:1 in sichtbare, extrem scharfe und detailreiche Fotos um. 

Nachteil einer Raw-Aufzeichnung mit der Sigma: Die Bilddateien werden mit zirka 50 bis 55 Megabyte pro Foto durch die besondere Aufzeichnung gegenüber einer herkömmlichen Kamera, die nur die Rot-, Grün- oder Blauinformation pro Pixel speichert, bei der sd Quattro extrem groß, was ihre Geschwindigkeit entsprechend ausbremst. Sie soll im Raw-Modus eine Serienbildgeschwindigkeit von 3,6 Bildern pro Sekunde erreichen, was im Test bestätigt werden konnte. Auch die dann maximal möglich Bildanzahl von 14 Aufnahmen ließ sich verifizieren. Kurz: Die Kamera ist nicht sonderlich gut für Sportfotografen geeignet, sondern empfiehlt sich etwa für Architekturaufnahmen, Porträts oder Stillleben.

Der Autofokus ist für solche Motive ausreichend flott. Sein Hybridsystem verbindet Phasendetektion und Kontrastmessung. Mit neun Messarealen bleiben die Wahlmöglichkeiten für den Fotografen begrenzt.

Porträt
Nicht nur die Aufnahme der Auflösungstesttafel, auch das Porträtbild verdeutlicht, dass die Sigma sd Quattro eine „brutalstmögliche“ Schärfe und Detailwiedergabe liefert.Selbst feinste Strukturen und Muster werden dank der Foveon-Technik sehr natürlich und ohne störende Effekte wie etwa Moiré-Muster reproduziert. Die Differenzierung im schwierigen Rot ist ebenfalls exzellent.
Testaufbau
Das automatische Weißabgleichssystem der Sigma sd Quattro neigt zu kühleren Nuancen (siehe Grafik links), was auch die Standardtestbilder sichtbar machen. Die Kamera liefert knackscharfe Bilder, die feinen Linien des „Siemenssterns“ werden sehr kontrastreich gezeigt.Die hohe Schärfe erreicht die Kamera auch durch eine exzellente Differenzierung der einzelnen Farben. Die unterschiedlich hellen und dunklen Bereiche einer Farbnuance ergeben ein fast plastisch wirkendes Bild. Auch in diesem Testmotiv sind keinerlei Moirés sichtbar.
Farbwiedergabe
Zwar zeigt der Weißabgleich der Kamera leichte Schwächen und verschiebt die hellen und mittleren Graufelder etwas stärker als die Konkurrenz in kühlere, also bläulichere Bereiche des Farb­raums, aber insgesamt ergibt sich eine gute Farbwiedergabe. Die Abweichungen fast aller Nuancen bis auf die Grün- und Gelbtöne sind gering, was durch die niedrige Balkenhöhe in der Ergebnisgrafik gezeigt wird. Helle Hauttöne gibt die Sigma sd Quattro sehr exakt wieder, dunklere Partien werden etwas stärker gesättigt und zeigen daher größere Ausschläge. Dennoch sind diese im Vergleich zu anderen Kameras gering. Die Raw-Aufnahmen der Sigma lassen natürlich noch eine bessere Darstellung zu.
Schärfe
Mit äußerst geringer digitaler Nachhilfe kommen die Bilder der sd Quattro scharf aus der Kamera. Die Sensordaten werden 1:1 in sichtbare Bilddetails umgesetzt und bieten viele Reserven für eine Auflösungsinterpolation.
Rauschen
Bereits bei ISO 100 ist das Luminanzrauschen recht hoch und wird auch in den Bildern als „digitales Filmkorn“ sichtbar (siehe nächste Seite). Das Farb­rauschen bleibt aber dezent, die Bilder sind daher extrem detailreich.
Dynamikumfang
Bilder in den höchsten ISO-Stufen kann die Analyse-Software fast nicht mehr erkennen. Luminanz- und Farb­rauschen werden so stark, dass die Grenzen der Graufelder auf der Messtafel verschwimmen. Der Dynamikumfang ist daher ebenfalls gering.
Vergleich Bildrauschen
Die Kamera ist wie alle Modelle mit Foveon-Sensor keine Spezialistin für die „Available Light“-Fotografie, sondern sollte im Bereich zwischen ISO 100 und maximal ISO 400 genutzt werden. Bei höheren Lichtempfindlichkeitseinstellungen treten massive Bildfehler auf.

Bewertung

Pro: Exzellente Schärfe und faszinierende Detailwiedergabe überzeugen. Die Bedienung ist einfach, die Objektivauswahl von Sigma bereits zum Einstieg in die CSC-Fotografie sehr groß.

Contra: Der Kamera fehlen einige Eigenschaften anderer CSC-Kameras wie hohe Serienbild- und AF-Geschwindigkeit, Videofunktion und mehr. Die Leistung bei hohen ISO-Einstellungen ist dürftig.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Die Auflösungsleistung der Sigma ist ohne Fehl und Tadel. Auch die Farbwiedergabe trifft mit einer durchschnittlichen Sättigung von 100,2 Prozent den Punkt. Die Dynamikleistung ist zwischen ISO 100 und 200 ebenfalls sehr gut, bricht dann aber – parallel zum sehr stark ansteigenden Rauschen – deutlich ein.

Fazit: Foto

Die ungewöhnliche Sensortechnik ist gleichzeitig der größte Vorteil als auch in einigen Fällen ein Handicap: Zum einen liefert die Kamera extrem detaillierte, knackscharfe Bildergebnisse, zum anderen benötigt sie dafür auch genügend Licht, denn die Leistungen brechen bei hohen ISO-Einstellungen ein. Das Konzept, mit bereits erhältlichen Objektiven zu arbeiten, bietet ebenfalls Licht und Schatten: Die Auswahl an Objektiven ist so schon beim ersten Start der Sigma-CSC-Modelle sehr groß; CSC-Vorteile wie äußerst kompakte Ausmaße können aber nicht ganz ausgespielt werden.

Sigma sd Quattro: Gesamtnote

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