Hersteller Fujifilm
Modell GFX 50S
Original Testbilder:
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Fujifilm GFX 50S - Hammerteil

Ein Riesensensor im Mittelformat sowie die Fähigkeiten einer Kleinbild-SLR gehen in der Fujifilm GFX 50S eine bislang einmalige Symbiose ein.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 1-2/2018

Bereits in Ausgabe 4/2017 konnte FOTO HITS erste Ergebnisse mit einem Vorserienmodell der neuen GFX 50S zeigen, die den Einstieg von Fujifilm in die digitale Fotografie mit Mittelformatsensoren markiert. Der nun abgeschlossene Test des finalen Produkts zeigt, dass dem Hersteller damit ein wirklich großer Wurf gelungen ist.

Schon beim ersten Kontakt und Einschalten macht sich das bemerkbar. Das Gehäuse der GFX 50S ist praktisch kaum größer als das einer Nikon D810, sodass sie zwar wuchtig wirkt, aber dennoch sehr handlich ist. Die Einschaltdauer liegt deutlich unter einer Sekunde, was zum Beispiel im Vergleich zu Hasselblads X1D nennenswert ist, die satte sieben Sekunden zum Warmlaufen benötigt. 

Der Blick durch den Sucher der Fujifilm ist dann ebenfalls eine kleine „Offenbarung“. Mit 3,69 Millionen Pixel liefert er ein extrem hochauflösendes Bild, bei dem keine Einzelpixel zu sehen sind. Er wird als Aufstecksucher mitgeliefert, muss aber nicht zwingend montiert werden. Wer die neue GFX 50S nur mit dem Rückseiten-LCD betreiben will, kann dies tun. Die Aufsteckfläche für den Sucher besitzt in ihrem Mittelteil einen Blitzschuh. Dieser wird durch den Sucher verdeckt, aber elektronisch auf die Oberseite des EVFs durchgeführt, sodass auch damit externe Blitzgeräte oder Fernauslöser für eine Studio­blitzanlage genutzt werden können.

Die Umschaltung zwischen Live-Sucherbild auf dem rückseitigen Monitor und dem Durchsichtsucher erfolgt automatisch mittels eines Annäherungssensors, sobald man die Mittelformatkamera zum Auge führt. Das Betrachten des Sucherbilds ist durch das große Okular, der entsprechend dimensionierten Augenmuschel und aufgrund seines Vergrößerungsfaktors von 0,83 (umgerechnet auf das Kleinbildformat mit einem 50-Millimeter-Objektiv) sehr komfortabel. Die Kamera selbst ist

dies ebenfalls: Dank ihres ergonomisch geformten Griffs liegt sie sicher in der Hand, denn der Mittelfinger stützt sie in ihrer Griffmulde, während der Zeigefinger problemlos auf Ein/Ausschalter, vorderes Einstellrad und den Auslöser zugreift.

Der Daumen dieser Hand erreicht problemlos das Einstellrad auf der Rückseite sowie den kleinen Joystick, der bei der Navigation durch das Menü führt. Rechts hinten befindet sich noch eine zusätzliche Daumenmulde beziehungsweise Ausbuchtung, mit der man die Kamera stützt. Dort befindet sich der „Q“-Knopf zum Starten eines Schnellmenüs, wie man es von anderen Fujifilm-Kameras kennt. Die Einstellungen vieler Parameter lassen sich damit direkt aufrufen und mit dem Rückseiten-Rad verändern. Gemeinsam mit den Einstellrädern für Verschlusszeit und ISO-Lichtempfindlichkeit, dem großen, beleuchtbaren und sehr klar ablesbaren Status-LCD sowie vielen weiteren – vom Anwender im Menü mit Wunschfunktionen belegbaren – Knöpfen ergibt sich für die Fujifilm eine Arbeitsweise, die vergleichbar zu „normalen“ SLRs ist. Der Wechsel auf das Mittelformat mit der Fujifilm-Kamera fordert in der Bedienung also keinen großen Umstieg.

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 8.256 × 6.192 Pixel, 51,4 MP
  • Chip-Größe: 43,8 × 32,9 mm (Mittelformat-Klasse)
  • Objektiv: Fujifilm 63 mm (50 mm KB-Entsprechung); f:2,8
  • Integrierter Bildstabilisator: nein (abhängig vom Objektiv)
  • Verschlusszeiten: Bulb; 4-1/4.000 s (elektronisch: 1/16.000 s)
  • Belichtungsmodi: P, S, A und M; Effektprogramme; Filmsimulationen
  • ISO: 100-12.800 (erweiterter Modus bis 102.400) 
  • AF: 117 AF-Felder
  • Sucher: elektronisch
  • LCD: 8 cm; 2,64 Mio. Bildpunkte
  • Preis (UVP): 6.999 Euro (Body)
  • Internet: www.fujifilm.eu/de

Aufbau

In der Praxis

Ein Belichtungsmodusrad bietet die Fujifilm GFX 50S nicht. Belichtungsprogramme wie P, S, A und M werden durch die Einstellungen der anderen Einstellräder und Objektivringe gewählt. Dreht man etwa das Belichtungszeitenrad aus seiner „A“-Einstellung (wie „A“utomatik), dann befindet man sich im „S“-Belichtungsmodus („Shutterspeed Priority“), bei dem die Verschlusszeit manuell vorgewählt wird.

Bei der automatischen Fokussierung erlebt man dann die nächste Überraschung: Während andere Mittelformat-AF-Systeme mit nur einem zentralen Fokusbereich arbeiten und dabei sehr gemütlich zur Sache gehen, packt die automatische Scharfeinstellung der Fujifilm rasant zu. Ein wenig bremst zwar die größere Glasmenge der gegenüber Kleinbildobjektiven deutlich voluminöseren GFX-Optiken das Ganze aus, aber insgesamt ergibt sich ein sehr flottes Arbeiten mit der Mittelformatkamera. 

Bis zu 117 AF-Felder sind nutzbar, wobei die Kamera wie spiegellose Systemmodelle mit kleineren Sensoren mit einer Kontrastmessung arbeitet, die wirklich zügig zur Sache geht. Sie ist so schnell, dass sie im „AF-C“-Modus („C“ für „continuous“) sogar ein Tracking bietet, also auch bewegte Motivbereiche ständig nachführen kann.

Ebenfalls wie bei seinen spiegellose Systemkameras mit kleineren Sensoren bietet Fujifilm in der GFX 50S umfangreiche Filmsimulationseinstellungen, um die Farb- und Kontrastcharakteristika von analogem Fotomaterial wie „Provia“-, „Velvia“- und „Asteria“-Filmen von Fujifilm beziehungsweise unter „Classic Chrome“ den „Kodachrome“ der ehemaligen Konkurrenz zu simulieren.

Wer die Farbwiedergabe selbst bestimmen möchte, kann zum Beispiel das Raw-Format der GFX 50S nutzen. Die Kamera bietet sogar Effektfilter wie „Spielzeugkamera“ oder „Lochkamera“ an. 

Vielleicht noch wichtiger ist aber die Möglichkeit, die Kamera per Wi-Fi-Modul vom Smartphone aus steuern zu können. Auf diesem Weg übernimmt sie auch GPS-Daten, die sie dann in die Bildinformationen ihrer Fotos schreibt.

Porträt
Fujifilm-typisch ist die hervorragende Darstellung der Hauttöne. Die diffizilen Verläufe gibt die Kamera hervorragend wieder.
Testaufbau
Hohe Schärfe und exzellente Differenzierung der einzelnen Farbnuancen ergeben insgesamt ein fast plastisch wirkendes Bild. Das per Automatikbelichtung aufgenommene Foto ist minimal unterbelichtet.
Farbwiedergabe
Die durchschnittliche Sättigung in den JPEG-Bildern der GFX 50S ist mit 108,4 Prozent recht hoch und basiert hauptsächlich auf einer gesteigerten Blauwiedergabe. Aber auch Grün- und Rottöne werden kräftiger reproduziert. Die hellen Hauttöne gibt die Kamera fast pastellartig und insgesamt treffend wieder, dagegen sind dunklere Partien ein wenig stärker gesättigt. Insgesamt liefert die Fujifilm-Mittelformatkamera eine sehr stimmige Farbwiedergabe.
Vergleich Bildrauschen
Feine Strukturen werden durch die hohe Auflösungsleistung problemlos in den Bildern wiedergegeben. Die stimmige Farbwiedergabe ist auch in den hohen ISO-Stufen korrekt und nur minimal weniger gesättigt. Die Rauschfilterung bei ISO 12.800 ist sehr dezent.

Bewertung

Pro: Exzellente Bildqualität und verblüffend einfache Bedienung machen die GFX 50S zu einer außergewöhnlichen Lösung. Sie ist zudem das preisgünstigste digitale Mittelformatkamera.

Contra: Für das neue Mittelformatsystem muss man in nicht nur in eine neue Kamera, sondern auch in neue Objektive investieren. Bislang stehen nur drei Objektive zur Wahl, jedoch wird das System weiter ausgebaut.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Die neue Canon liefert eine sehr gute Umsetzung ihrer 6.000 mal 4.000 Pixel auf dem Bildsensor, denn das Testbild gab sie mit 3.600 Linien in der Bildhöhe wieder. Die Farbsättigung ist für eine SLR-Kamera ein wenig zu hoch, sorgt damit aber für brillante, leuchtende Bilder. Das Rauschverhalten und die Kontrastdarstellung ist für eine Kamera mit APS-C-Sensor ebenfalls sehr gut.

Videotest

Die Videofunktion steht bei einer Mittelformatkamera sicher nicht im Vordergrund, aber die GFX 50S macht auch bei dieser Funktion eine gute Figur. Sie nimmt Filme mit Full-HD-Auflösung und daher mit 1.920 mal 1.080 Pixel auf. Auf Wunsch kann man die Videoaufzeichung auch im niedriger aufgelösten 720p-Modus vornehmen.

Wie auch die X-Systemkameras von Fujifilm speichert die Mittelformatkamera die Filme im MOV-Format, wobei die Daten mit H.264-Komprimierung abgelegt werden. Die Filme lassen sich damit auf allen aktuellen Computern verarbeiten.

Ähnlich wie im Fotomodus führt man die manuelle Belichtung der Filme durch das Verstellen von Objektivdrehring, ISO-Rad und dem Einstellrad für die Verschlusszeit durch. Eine gezielte Einstellung von Weißabgleich oder Fokus ist ebenfalls möglich. Um die Videoaufnahme zu starten, muss die Kamera mittels des „DRIVE“-Knopfs auf der Oberseite von Einzel- oder Serienbild explizit auf den Filmmodus umgeschaltet werden. 

Insgesamt ist zwar spürbar, dass die Videofunktion bei der GFX 50S nicht im Vordergrund steht. Aber sie macht hier eine passable Figur.

Videofunktionen

  • Max. Auflösung: 1.920 × 1.080 Pixel
  • Max. Frequenz: 25/30 Bilder/s
  • Zusatzmodi: ja, 24 Bilder/s
  • Videodateiformat: MOV
  • Komprimierung: H.264
  • Speicher: 2 × SD-Karten
  • Zoomen bei Filmaufnahme: ja
  • Fokussieren bei Filmaufnahme: ja, kontinuierliche Nachführung
  • Fokusmodi: Einzel-AF, AF-C, MF
  • Stabilisator: nein (abhängig vom Objektiv)
  • Manuelle Belichtung: ja
  • Manuelle ISO-Einstellung: ja
  • Manueller Tonpegel: ja (3 Stufen)
  • Mikrofonanschluss: ja
  • Besonderheiten: Kopfhöreranschluss
  • Internet: www.fujifilm.eu/de
Farbverteilung
Der Weißabgleich ist fast perfekt (Grautöne im Zentrum der Grafik), die Farben kräftig und besonders das Blau stark gesättigt – die Farbdarstellung der Fujifilm-GFX-50S-Videos entspricht der ihrer Fotos.
Realbildaufnahmen
Eine scharfe, nicht übertrieben knackige Darstellung von Details und Kontrasten, ist das Hauptkennzeichen der Filme mit der Mittelformatkamera Fujifilm GFX 50S.

Fazit: Video

Das Video wird im „fotohitsvideos“-Kanal auf YouTube zusätzlich komprimiert. Den Original-Clip der Fujifilm GFX 50S gibt es per Quicklink als Download einer etwa 42 Megabyte großen Zip-Datei.

Fujifilm GFX 50S: Gesamtnote

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