Hersteller Sigma
Modell sd Quattro H
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Sigma sd Quattro H - Fulminantes Sonderformat

Eine der ungewöhnlichsten spiegellosen Systemkameras kommt aus dem Hause Sigma. Die sd Quattro H arbeitet mit einem einzigartigen Sensor.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 06/2017

Sigma ist nicht nur ein außergewöhnlicher Objektivhersteller, sondern bietet auch Kameras an, bei denen einiges anders ist als bei der Konkurrenz. Der größte Unterschied liegt im verwendeten Bildsensor, denn das japanische Unternehmen setzt nach der Übernahme der Firma Foveon weiterhin auf deren System, das sich grundlegend von den Bilderfassern herkömmlicher Kameras unterscheidet. Diese Foveon-Lösung nimmt Farben nicht durch die Verrechnung von mehreren Pixel nebeneinander auf, sondern erfasst die Rot-, Grün- und Blauanteile in unterschiedlichen Schichten des Sensors. Dadurch ermittelt sie für jedes Pixel alle drei Farbanteile, sodass eine Farbinterpolation wie bei Sensoren mit „Bayer“-Anordnung der roten, grünen und blauen Farbfilter obsolet wird. 

Mit der Sigma sd Quattro H kommt nun eine Kamera auf den Markt, deren Bildsensor größer als bei ihren Vorgängerinnen ist. Diese setzten auf die „APS-C“-Größe mit  23,5 mal 15,5 Millimetern, während er bei der sd Quattro H mit 26,7 mal 17,9 Millimetern mehr Fläche besitzt und zur „APS-H“-Klasse zählt. Dieses Format fand bislang nur in wenigen Kameras wie etwa der Canon EOS-1D Mark IV Verwendung.

In der Praxis ergibt sich durch den größeren Sigma-Chip der Vorteil eines geringeren „Brennweitenfaktors“. Während bei APS-C-Kameras die Brennweite mit Faktor 1,5 bis 1,6 multipliziert werden muss, um sie vergleichbar zum Kleinbildformat angeben zu können, beträgt der Faktor bei der neuen Sigma-Kamera lediglich 1,3. Aus einem 50-Millimeter-Objektiv wird also kein 75-Millimeter-Objektiv, sondern scheinbar ein 65-Millimeter-Objektiv. Speziell im Weitwinkelbereich ist das ein spürbarer Unterschied.

Dieses Produkt bei

Sigma sd Quattro H spiegellose Systemkamera (45 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) Display, SD-Kartenslot, SDHC-Kartenslot, SDXC-Kartenslot, Eye-Fi-Kartenslot) schwarz

Neu ab 1314.06 EUR (3 Artikel)
Gebraucht ab 12100 EUR (1 Artikel)

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 6.192 × 4.128 Pixel, 25,6 MP
  • Chip-Größe: 26,7 × 17,9 mm (APS-H)
  • Objektiv: SA-Bajonett; 35 mm (24-45,5 mm KB); F1,4
  • Integrierter Bildstabilisator: nein; abhängig vom Objektiv
  • Verschlusszeiten:  Bulb; 30 
  • bis 1/4.000 s
  • Belichtungsmodi: Vollautomatik; P, S, A und M
  • ISO: 100-6.400
  • Autofokusfelder: 9 AF-Felder
  • Sucher: elektronischer Sucher mit 2,36 Millionen RGB-Bildpunkten
  • LCD: 7,5 cm; 1,62 Mio. Bildpunkte
  • Preis (UVP): 1.399 Euro (nur Body)
  • Internet: www.sigma-foto.de

Aufbau

Äußeres

Die sd Quattro H gehört zu den spiegellosen Kameras, die ein elektronisches Sucherbild per Rückseiten-LCD oder dem Durchsichtsucher zeigen. Den Größenvorteil, den diese Kameraklasse durch den entfallenden Spiegelkasten und das kürzere Auflagemaß bieten, nutzt die neue sd Quattro H kaum. Sie ist nämlich für die Sigma-Objektive aus der Spiegelreflexwelt konzipiert. Das entsprechende SLR-Auflagemaß wird bei ihr durch einen wuchtigen Bajonettanschluss eingehalten, der entsprechend weit aus dem eigentlich dünnen Gehäuse herausragt. In der Aufsicht- und der Seitennansicht oben wird das deutlich.

Das verschaffte den Designern der Kamera aber die Möglichkeit, einen verlängerten und handlichen Griffwulst an der Seite zu formen, der nur wenig über den Bajonettanschluss hinausragt. Mit ihm hält man die Kamera sicher und ruhig.

Ansonsten führt die sd Quattro H das Design der Quattro-Reihe weiter. Die Kamera ist aber nicht ganz so länglich geformt wie die anderen Modelle und liegt sehr gut in der Hand. Die breite Rückseite nutzt der Hersteller für zwei LCDs, die von einer gemeinsamen Glasscheibe geschützt werden und somit nahtlos erscheinen. Der rechte Bereich dieses Doppel-LCDs dient als Status-Display, wie man es bei vielen SLRs auf der Oberseite findet. Hier werden aktuelle Aufnahmeparameter gezeigt oder Einstellungen vorgenommen, um etwa die ISO-Lichtempfindlichkeit zu ändern. Der Bildschirm links zeigt das elektronische Sucherbild oder im Wiedergabemodus das aufgezeichnete Foto. Der Wechsel zwischen Durchsichtsucher und dem LCD erfolgt mittels eines Augensensors, lässt sich aber auch manuell schalten.

Zwei große und dank der Form des Griffs bequem mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand erreichbare Einstellräder ermöglichen eine schnelle Parametereingabe. Sie können neben dem klassischen Vier-Wege-Steuerfeld im unteren Bereich der Rückseite für die Menünavigation eingesetzt werden. 

Hier kann man dann zum Beispiel das Bildformat wählen. Die Kamera erlaubt JPEG- und Raw-Aufzeichnung. Bei letzterer bietet sie eine Besonderheit: Sie nutzt das von Sigma entwickelt X3F-Format, kann jetzt als erste Sigma-Kamera aber auch das von Adobe entwickelte DNG-System verwenden. Kleiner Wermutstropfen für DNG-Freunde: Dieses Format zeichnet die Kamera nicht parallel zum JPEG-Bild auf. Wählt man die Aufzeichnung beider Formate gemeinsam, werden grundsätzlich X3F-Rohdaten auf die Karte geschrieben.

 

AUFLÖSUNG

Bei der Pixelangabe des Sensors gibt es unterschiedliche Berechnungsmöglichkeiten: Grundsätzlich nutzt das Foveon-System der sd Quattro H 6.192 mal 4.128 einzelne Fotozellen, die damit ein knapp 25,6 Megapixel großes Bild ergeben. Weil der Sensor aber mehrere Farbinformationen pro Pixel in verschiedenen Schichten erfasst, errechnet Sigma für die neue Kamera eine Auflösung von 44,8 Megapixel. Tatsächlich setzt das neue Modell die kleinere/nominelle Auflösung so sauber, klar und auch frei von Moirés um, dass sich ihre 25,6-Megapixel-Bilder etwa in Photoshop problemlos interpolieren lassen. Diese Bilder zeigen sich selbst dann noch ohne die sonst übliche Weichzeichnung beziehungsweise „Matschigkeit“, die beim Hochrechnen der digitalen Fotos herkömmlicher Kameras entsteht.

Die neue Sigma kann intern ebenfalls eine solche Interpolation durchführen und erzeugt im „S-HI“-Modus sowie bei Wahl des 3:2-Seitenverhältnisses Aufnahmen mit 8.768 mal 5.840 Pixel. Die Aufnahmen der kleinen sd Quattro H sind damit hinsichtlich der Schärfe und Detailzeichnung durchaus mit Bildern von Mittelformatkameras oder Kleinbild-Systemen mit klassischem Vollformatsensor vergleichbar.

Porträt
Dank ihres Foveon-Sensors gibt die Kamera feine Details und Strukturen ohne Moirés und mit einer erstaunlichen Schärfe wieder. Die sehr sauberen Bilddaten ermöglichen eine problemlose Interpolation auf große Fotoformate.Die Differenzierung der Rottöne im Stoff des T-Shirts ist exzellent. Die Kamera sorgt für eine scharfe und sehr hochauflösende Darstellung dieser feinen Strukturen.
Testaufbau
Hinsichtlich der Schärfeleistung sind die Aufnahmen der Sigma-Kamera durchaus mit den Bildern einer Mittelformatkamera mit deutlich größerem Sensor vergleichbar. Feine Strukturen wie im Metallsieb werden ohne Fehler wie etwa Aliasing-Effekte reproduziert.Die Differenzierung aller Farben gelingt der Sigma-Kamera dank ihres ungewöhnlichen Foveon-Sensors sehr gut. Die einzelnen Fäden der Garnrollen sind in allen Tönen deutlich erkennbar, da sie optisch sehr sauber von einander getrennt werden.
Farbwiedergabe
Das System für den automatischen Weißabgleich gab die Aufnahme der Sigma-Kamera sehr neutral wieder. Die hellsten und die dunkelsten Bereiche werden ganz exakt getroffen, das mittlere Grau zeigt nur durch eine minimal zu helle Wiedergabe einen Ausschlag in der Ergebnisgrafik.Die insgesamt sehr vorsichtige Sättigung durch die Sigma sd Quattro H ist auch in diesem Testbild erkennbar, sodass nur bei einigen dunklen Blau- und Brauntönen nennenswerte Abweichungen sichtbar sind. Alle anderen Farben zeigen nur eine geringe Fehlerquote und damit auch nur einen kleinen „Abweichungsbalken“. Dunklere Hauttöne werden von der Kamera etwas stärker gesättigt.
Schärfe
Hinsichtlich der Bildqualität sind sehr hohe Bildschärfe und eine hervorragende Umsetzung der Sensorauflösung in sichtbare Bilddetails die größten Vorteile der neuen Sigma sd Quattro H mit ihrem Foveon-Sensor.
Rauschen
Der Dynamikumfang erreicht bei ISO 100 bei 11,6 Blendenstufen und liegt damit auf dem Niveau professioneller SLR-Kameras. Er sinkt mit steigender Lichtempfindlichkeit wie etwa ISO 6.400 auf einen Wert von 6,31 Blendenstufen ab.
Dynamikumfang
Das Rauschverhalten ist weiterhin ein Problem der Sigma-Kameras. Jenseits der ISO-400-Grenze steigt es rasch an und ist bei maximaler Lichtempfindlichkeit von ISO 6.400 mit einem Messwert von 4,04 (Y-Faktor in Ergebnisgrafik) sehr hoch.
Vergleich Bildrauschen
Ein Motiv, das wie gemacht ist für die Sigma-Kamera: Feinste Strukturen und Details in den Rindenstücken sind bis ins Detail exakt wiedergegeben. Die Farbdarstellung ist sehr gut, sodass man auf Raw-Aufnahmen und nachgeschaltete Korrekturen verzichten kann.

Bewertung

Pro: Erstklassige Darstellung von feinsten Details im Bild durch die Verwendung eines außergewöhnlichen Bildsensors. Die Handhabung ist trotz des ungewöhnlichen Designs komfortabel.  

Contra: Große Schwächen zeigt auch die neue Sigma speziell bei hohen Lichtempfindlichkeitseinstellungen, bei denen die Rauschartefakte die Bildschärfe kräftig reduzieren und Farben ändern.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Die Kamera erreicht extrem hohe Auflösungswerte, die sie der besonderen Struktur ihres Aufnahmesensors und der hohen Qualität der Sigma-ART-Objektive verdankt. In niedrigen ISO-Lichtempfindlichkeitsstufen ist der Dynamikumfang sehr gut, er bricht erst bei höheren Einstellungen jenseits von ISO 1.600 ein. Dann wird auch das Rauschen in den Bildern deutlich sichtbar.

Fazit: Foto

Die Sigma sd Quattro ist nicht nur hinsichtlich ihres Äußeren und des Bildsensors eine ungewöhnliche Kamera, auch ihre Ergebnisse sind es. Bei Fotografie mit niedrigen ISO-Werten entstehen durch den Foveon-Sensor hochauflösende Bilder, deren Schärfe und Detailzeichnung sich mit den Ergebnissen von Mittelformatkameras messen lassen kann. Der ungewöhnliche Sensor erzeugt dabei im Raw-Bildformat extrem große Bilddateien, die die Kamera beim Speichern und etwa Serienaufnahmen ausbremsen. Bei wenig Licht und hohen ISO-Werten entsteht starkes Rauschen.

Sigma sd Quattro H: Gesamtnote

Bild