Hersteller Canon
Modell EOS M 50
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Canon EOS M 50 - EOS M wird erwachsen

Ultrakompakt kommt Canons neueste Kamera des spiegellosen EOS-M-Systems daher. Sie überzeugt mit einfacher Bedienung und sehr guten Ergebnissen.
Getestet in Ausgabe: FOTO HITS 6/2018

Vor etwa eineinhalb Jahren stellte Canon mit der EOS M5 die erste spiegellose Systemkamera innerhalb der M-Serie vor, die äußerlich eher einer Spiegelreflexkamera ähnelte und daher auch mit einem elektronischen Sucher arbeitete. Zuvor waren Besitzer von Canon-M-Modellen ausschließlich auf den LC-Monitor angewiesen.

Mit der Neuvorstellung der M50 baut der Hersteller diesen Produktzweig der M-Kameras aus und gönnt der weiterhin sehr kompakten neuen Kamera eine Reihe von Verbesserungen.

So kommt etwa zur internen Bildverarbeitung der DIGIC-8-Prozessor zum Einsatz, der unter anderem eine höhere ISO-Empfindlichkeit erlaubt. Daher sind als Standard weiterhin ISO 100 bis ISO 25.600 einstellbar, aber ein erweiterter Modus mit ISO 51.200 kommt hinzu. Der neue Prozessor soll laut Canon zudem bei der Belichtungssteuerung mit der Funktion „Auto Lighting Optimizer“ helfen und bei Nutzung der Tonwert-Prioritätsfunktion für mehr Details in hellen Bildbereichen sorgen. Außerdem ist er der Grund, weshalb die EOS M50 als erste M-Kamera auch Videos im hochauflösenden 4K-Modus aufnehmen kann. Das Gehäuse bleibt trotz der Änderungen leicht und kompakt, wirkt aber nicht so robust wie bei den größeren Canon-SLRs.

Bild

Technische Daten

  • Auflösung: 6.000 × 4.000 Pixel, 24 MP
  • Chip-Größe: 22,3 × 14,9 mm (APS-C-Format)
  • Objektiv: 14-45 mm; f3,5-6,3
  • Integrierter Bildstabilisator: nein; abhängig vom Objektiv
  • Verschlusszeiten: Bulb; 30 bis 1/4.000 s
  • Belichtungsmodi: Vollautomatik; P, Tv, Av und M; Motivprogramme
  • ISO: 100-25.600 (erweitert 51.200)
  • Autofokusfelder: 143 AF-Felder; einzeln wählbar
  • Sucher: elektronisch mit 2,36 Millionen RGB-Bildpunkten
  • LCD: 7,5 cm; 1,04 Mio. Bildpunkte
  • Preis (UVP): 699 Euro (mit Objektiv)
  • Internet: www.canon.de

Aufbau

Weitere Neuheiten

Die EOS M50 ist auch die erste Canon-Kamera, die das neue CR3-Raw-Format des Herstellers nutzt. Dieses speichert Bilder mit 14 Bit Datentiefe und sorgt mit der neuen C-Raw-Funktion („C“ für „compressed“) dafür, dass Raw-Dateien mit 30 bis 40 Prozent Platzersparnis gesichert werden können. Die entsprechenden Rohdaten lassen sich bereits in aktuellen Versionen von Adobe Photoshop CC und Adobe Lightroom CC Classic verarbeiten.

Die EOS M50 setzt mit Dual Pixel CMOS AF das modernste Autofokussystem von Canon ein, das sowohl bei Einzelfotos als auch bei Videos für eine sehr flotte Einstellung der Schärfe sorgt. Sie kann zwar nicht unbedingt mit den Rekordleistungen moderner Profi-SLRs mithalten, aber die bei älteren M-Kameras kritisierte Zähigkeit des Fokusvorgangs ist mit der M50 endgültig Vergangenheit. 

Auch die Anzahl der Fokusfelder wurde gegenüber der M5 deutlich erweitert. Letztere arbeitete noch mit 49 AF-Bereichen, die neue M50 nutzt dagegen 143 Felder. Die Serienbildgeschwindigkeit stieg dagegen nur moderat: Zehn statt zuvor neun Bilder pro Sekunde sind mit der M50 jetzt möglich. Nur leider fällt der Zwischenspeicher für längere Bildfolgen etwas gering dimensioniert aus: Diese Geschwindigkeit hält die Kamera für 33 JPEGs beziehungsweise zehn Raw-Aufnahmen durch. Profis bietet sie also für Sportaufnahmen etwas zu wenig.

 

Bedienung

An vielen Punkten sieht man der Canon EOS M50 an, dass sie trotz der Ausstattung mit modernster Canon-Technik grundsätzlich eher für Einsteiger konzipiert ist. Zudem wurde sie für Anwender entwickelt, die zwar eine hohe Bildqualität wünschen, für die der Weg dahin aber so einfach wie möglich sein soll. 

Das beginnt mit der sichtbar begrenzten Anzahl von Funktionsschaltern und Steuer­elementen. Die Kamera besitzt zum Beispiel nur ein Parameterrad direkt am Auslöser, weil Canon wohl davon ausgeht, dass sich die meisten M50-Anwender eher auf die Automatiken verlassen. Dazu haben sie mit der „Ai“-Einstellung als „intelligenter Automatik“ ausreichend Gelegenheit. Hilfstexte erläutern, was einzelne Einstellungen bewirken. Außerdem kann der Fotograf zum Beispiel wählen, ob seine Bilder einen möglichst unscharfen Hintergrund erhalten sollen (etwa bei Porträts), oder diese Vorgabe ebenfalls der Automatik überlassen, die dies abhängig vom erkannten Motiv festlegt.

Helligkeit, Farbtendenz, Farbsättigung und vieles mehr lassen sich ganz einfach über Schieberegler auf dem Monitor dem persönlichen Geschmack anpassen. Wer als Fortgeschrittener weniger auf Automatiken setzt, kann grundsätzlich alle Aufnahmeparameter von Hand einstellen. Die üppige Anzahl von Individualisierungsbefehlen im Menü, die man von größeren SLRs von Canon kennt, fehlt jedoch. Stattdessen muss man mit fünf Individualisierungsvorgaben auskommen. Zum Vergleich: Die Canon EOS 5D Mark IV bietet 16 verschiedene Einstellungen, um eine ganze Reihe von Funktionen gezielt steuern zu können.

Auf der Oberseite findet sich neben Auslöser, Moduswahlrad, Videostartknopf und besagtem Einstellrad nur eine einzige Funktionstaste, die in der Werksvorgabe die ISO-Einstellung aufruft. Wie die weiteren Tasten lässt sie sich im Menü mit einer anderen Einstellung belegen. Die Canon EOS M50 bietet Wi-Fi-Funktio­nalität und ein Bluetooth-Modul. Die Verbindung zu einem Smartphone ist sehr einfach herstellbar. Die Canon-Remote-Applikation auf Android- oder iOS-Geräten lässt eine weitgehende Einstellung der Aufnahmeparameter im Live-Sucherbild und eine Fernauslösung zu. Natürlich können auch Bilder vom und zum Smartphone übertragen werden. Die Canon EOS M50 übernimmt auf Wunsch die GPS-Geodaten des Smartphones, um sie in die EXIF-Bilddaten zu integrieren, damit der Benutzer die Aufnahmestandorte später am Rechner nachvollziehen kann.

Bei den kabelgebundenen Schnittstellen beschränkt sich die M50 auf das Wesentliche: USB 2.0 sowie ein HDMI-Stecker übertragen Bilder und Videos, ein Mikrofon­anschluss erlaubt die Nutzung von externen Mikrofonen bei Filmaufnahmen.

Porträt
Die hohe Bildauflösung aus der technischen Messung ist auch im Porträtbild sichtbar. Die Ergebnisse stehen knapp vor einer digitalen Überschärfung, sind damit aber schon für die Fotobelichtung oder den Druck optimiert.Wie im Standardtestbild unten sowie in der Messung der Farbtafel reproduziert die Canon das Rot mit einer hohen Sättigung, kann aber die Hell-Dunkel-Unterschiede noch differenzieren.
Testaufbau
Mit knackiger Schärfe gibt die neue Canon-Kamera die feinen Details und Strukturen im Standardtestbild wieder. Die Spitz- und Glanzlichter des Motivs bringen ihre Belichtungsautomatik nicht aus der Ruhe, vielmehr liefert diese in allen Situationen treffende Ergebnisse.Die Canon EOS M50 sorgt für eine sehr gute Differenzierung der Farbtöne, die sie aber sehr stark sättigt. Dies betrifft etwa das Dunkelblau. Der neutralgraue Hintergrund tendiert in Richtung des rötlichen Farbbereichs. Dies ist auch in den Videos der Kamera erkennbar.
Farbwiedergabe
Insgesamt liefert die Canon in ihrer Standardfarbmoduseinstellung eine sehr kräftige Wiedergabe. Die durchschnittliche Sättigung beträgt dann üppige 114,3 Prozent und sorgt für bunte Bilder. Den hohen Durchschnittswert verdankt sie der erhöhten Wiedergabe der Grundfarben Rot und Blau. Letzteres tendiert durch einen recht hohen Magentaanteil fast schon in die tiefvioletten Nuancen.Ganz anders dagegen die Hauttöne im Zentrum der Ergebnisgrafik, die durch die Analyse der Aufnahme einer genormten Testtafel entstand. Die Hautnuancen werden sehr realistisch reproduziert, was auch im Porträtbild ganz oben sichtbar ist. Dunklere Hauttöne erscheinen dabei stärker gesättigt als helle.
Schärfe
Die Canon erreicht mit 3.865 von 4.000 Linien in der Bildhöhe fast die nominelle Sensorauflösung. Dazu schärft sie aber auch digital spürbar nach, was in nach oben ausgebeulten Kurven des Kontrastverlaufs sichtbar wird.
Rauschen
Ihren maximalen Dynamikumfang von elf Blendenstufen erreicht die EOS M50 in der ISO-200-Einstellung. Ansonsten liegt der Kontrastumfang bis ISO 3.200 bei etwa zehn Blendenstufen und sinkt erst ab ISO 6.400 spürbar ab.
Dynamikumfang
Die Rauschergebnisse der neuen Kamera ähnelt den Werten, die auch die Canon-SLRs mit APS-C-großen Sensoren erreichen. Bei ISO 25.600 ist eine deutliche Glättung von Bilddetails erkennbar, aber die Rauschwerte bleiben mit 1,64 Prozent auf gemäßigtem Niveau.
Vergleich Bildrauschen
Bis ISO 6.400 liefert die neue Canon-Kamera eine sehr klare Bilddarstellung, in der kaum Rauscheffekte auszumachen sind. Die Glättungsfilterung, die Artefakte in den Fotos verhindern soll, wird bei Nutzung der beiden oberen ISO-Einstellungen deutlich sichtbar.

Bewertung

Pro: Kompakt und flott: Mit neuem Bildprozessor und modernem Fokussystem arbeitet die Canon bei allen Funktionen sehr flott. Die Bildschärfe ist hoch, die Farbe stimmig, aber stark gesättigt.

Contra: Zwar bietet die neue M50 eine Reihe von manuellen Einstellmöglichkeiten und Individualisierungsfunktionen, aber fortgeschrittene Anwender wünschen sich hier mehr. Das Gehäuse ist für große Hände fast zu klein.

Ergebnisse

Fotoauflösung
Fotoauflösung
Ausstattung
Ausstattung
Testresultate
Die Canon liefert in der Werkseinstellung, in der die Farbcharakteristik über die Vorgabe „Auto“ die Darstellung motivabhängig ist, sehr kräftige, teilweise übersättigte Farben. Der im Test erreichte Kontrastumfang von maximal elf Blendenstufen ist sehr gut, auch die Auflösung erreicht annähernd den nominellen Pixelwert des Sensors.

Fazit: Foto

Die Kamera ist ein überraschendes Kraftpaket: Die neue Canon-Systemkamera bietet eine hohe Geschwindigkeit und für Einsteiger viele Komfortfunktionen beziehungsweise Hilfen. Sie ist vielseitig für viele Foto-Sujets verwendbar und mit ihrem geringen Gewicht und den kleinen Ausmaßen eine Bereicherung für die Urlaubsreise. Mit 699 Euro inklusive des Kit-Objektivs ist die Canon EOS M50 zudem auch preislich auf fairem Niveau angesiedelt, speziell wenn man sich das Konkurrenzumfeld der Kameras mit APS-C-Sensor und 24 Megapixel Auflösung ansieht.

Videotest

Befindet man sich in einem der Fotomodi der neuen Kamera und drückt den Zusatzauslöser für die Videoaufzeichnung, sichert die Canon-Kamera ihre Filme mit maximal 1.920 mal 1.080 Pixel und 50/60 Bildern pro Sekunde. Wer die neue 4K-Funktion der M50 nutzen möchte, muss das Moduswahlrad auf Videoaufnahme schalten. Dann lässt sie eine Videoeinstellung mit 3.840 mal 2.160 Pixel bei maximal 30 Bildern pro Sekunde zu. 

Zu beachten ist, dass die hohe UHD-Video­auflösung offensichtlich durch das Auslesen eines Acht-Megapixel-Sensorausschnitts erreicht wird. Das bedeutet, dass zum Brennweitenverlängerungsfaktor des APS-C-Sensors noch ein weiterer Crop-Faktor hinzu kommt. Statt Faktor 1,6 muss man bei 4K etwa mit Faktor 2,6 rechnen, was Weitwinkelaufnahmen sehr schwierig macht. Selbst bei Einsatz des stärksten EOS-M-Weitwinkelobjektivs mit 11 Millimetern Brennweite entspricht dies nur etwa 28 Millimetern.

Im „manuellen Videomodus“ erlaubt es die kleine Kamera, die Blenden-, Verschlusszeit- und ISO-Einstellungen von Hand vorzunehmen. Neben dem Bildstabilisator des Objektivs kann die Canon auch eine elektronische Stabilisatorfunktion zuschalten. Gemeinsam liefern beide Systeme einen sehr ruhigen Bildstand.

Die Kamera besitzt auf der linken Gehäuseseite einen Anschluss für ein externes Mikrofon. Der Tonpegel kann über das Menü von Hand eingestellt werden.

Videofunktionen

  • Max. Auflösung: 3.840 × 2.160 Pixel
  • Max. Frequenz: 30 Vollbilder/s
  • Videoformat: MP4; H.264;
  • Speicher: 1 × SD-Karte
  • Zoomen bei Filmaufnahme: ja
  • Fokussieren bei Filmaufnahme: ja, kontinuierliche Schärfenachführung
  • Stabilisator: nein (optisch durch Objektiv; elektronisch bei Video)
  • Manuelle Belichtung: ja
  • Manuelle ISO-Einstellung: ja
  • Manueller Tonpegel/Mikrofonanschluss: ja/ja
  • Internet: www.canon.de
Videoauflösung
Die Canon liefert auch im Filmmodus scharfe Aufnahmen. Das beweisen die Ergebnisse von 1.841 von 2.160 Linien bei 4K-Aufzeichnung und 988 von 1.080 Linien in der Bildhöhe bei Full-HD-Aufnahme.
Farbverteilung
Kräftige Farben sind in der Farbergebnisgrafik mit der EOS M50 zu erkennen. Der Weißabgleich tendiert in magentafarbene Bereiche. Das ist an der Verschiebung der Graufelder im Zentrum zu sehen.
Realbildaufnahmen
Die hohe Schärfe und den sehr knackigen Bildeindruck erreicht die Kamera durch eine etwas zu starke Nachschärfung, die dem Video einen leicht künstlichen Charakter gibt.

Fazit: Video

Endlich gilt 4K auch bei Canons spiegellosen Systemkameras nicht mehr als unerreichbares Ziel. Die Kamera liefert in diesem Modus hochauflösende Filme mit einer stimmigen Farbgebung. Der zusätzliche Brennweitenverlängerungsfaktor beim 4K-Filmen ist allerdings störend, denn er macht die Aufnahme im Weitwinkel fast unmöglich.

Canon EOS M50: Gesamtnote

Bild