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Perfektes Zusammenspiel

Das handliche DX-Format ist für Reportagen oder moderner ausgedrückt Content Creation unverzichtbar. Wir nahmen die Nikon Z50 II mit auf eine Orchester-Generalprobe, wo sie sich unter schwierigen Bedingungen behauptete.

Stumm blickten Kurfürst Friedrich V. und seine Gemahlin Elisabeth Stuart auf das Orchester im Heidelberg Schloss, das zu ihren Füßen probte. Wären sie keine Gemälde, hätten sie sich über das Konzert im Königssaal gefreut, da er zu ihren Lebzeiten zur Werkstatt degradiert worden war. Doch nun ertönten hier wieder Geigen und Trompeten, und mittendrin wuselte der FOTO HITS-Redakteur herum. Die Herausforderungen des alten Gemäuers boten ihm die Chance, eine feine Auswahl rund ums DX-Format zu testen. Denn das angewachsene Sortiment von DX-Objektiven erfüllt mittlerweile sämtliche Wünsche eines Konzertfotografen.

NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR
Objektiv NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR, Verschlusszeit 1/100 Sekunde, Blende f/5, ISO 20.000 Trotz extrem hoher Lichtempfindlichkeit entstand ein schönes Foto.
NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7
Objektiv: NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7, Verschlusszeit 1/160 Sekunde, Blende f/9, ISO 20.000Das lichtstarke Objektiv ermöglichte es, auch Bewegungen zu erfassen.

Die sogenannte Stellprobe gab dem Fotografen ausreichend Zeit, erste Lichttests zu machen. Das niederschmetternde Ergebnis war: Die Lampen flackern in einer Frequenz, die alle Kamerasensoren als schwarze Balken auslesen. Nur bei einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde oder weniger verschwanden sie. Der Vorschlag an den Dirigenten, auch im Presto keinen schnelleren Takt zu schlagen, wurde leider nachdrücklich abgelehnt.

Eine weitere Einschränkung bildete das schwache Licht, das eine Lichtempfindlichkeit bis ISO 64.000 erforderte. Tagsüber gibt das Schloss zwar eine filmreife Kulisse ab (etwa für die „Heidelberger Romanze“ von 1951), aber abends sind die Innenräume finsteres Mittelalter. Ohne Scheinwerfer hätte sogar ein O. W. Fischer nicht so attraktiv auf buntem Zelluloid glänzen können. Glücklicherweise lieh Nikon dem Redakteur ein lichtstarkes Objektiv mit der hervorragenden Offenblende f/1,7, weshalb häufig ISO 1.000 ausreichten. Eigentlich war das NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7 als Makro nur für Detailaufnahmen gedacht, doch bewährte es sich auch bestens für Porträts. An dieser Stelle sei ein Loblied auf jede Blendenstufe gesungen, die Nikons Ingenieure herauskitzelten – sie retteten den Abend.

Ausrüstung

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Kamera: NIKON Z50 IIIm Test in FOTO HITS 1/2025 erhielt die Kamera die Gesamtnote „Exzellent“. Die Z50II erhielt unter anderem einen neuen Bildprozessor aus der Top-Liga der Z-Modelle. Weitere Neuerungen wie das helle Display bringen der zweiten Generation einen Vorsprung.
NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR
Zoom: NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VRDas Objektiv glänzt mit durchgängiger Lichtstärke 1:2,8. Der Brennweitenbereich (24-75 mm KB-äquivalent) deckt Porträts, Landschaften und Alltagsmotive ab.
NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7
Makro: NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7Das Nikkor Z DX MC 35mm f/1.7 erreicht einen Abbildungsmaßstab von 1:1,5. Die erstaunlich leichte Konstruktion ist auch als Porträtobjektiv einsetzbar.

Gut gestimmt

Wesentlich für jeden Konzertfotografen ist, unauffällig zu agieren. Hier zeigte die NIKON Z50 II ihre offensichtlichen Vorteile: Als Vertreterin des DX-Formats ist sie handlich gebaut und zudem dank großem Objektiv-Sortiment vielseitig einsetzbar. Wenig überraschend entwickelten sich entsprechende Kameras zu einem Geheimtipp für Content Creator. Denn ihre Kleinheit und Flexibilität entscheiden über den Erfolg auf Social Media oder im klassischen Reportagebereich, in denen man ständig zwischen Foto, Video und Livestream wechselt. Daher ist sogar das größere Vollformat-Modell NIKON Z5 II nach wie vor eine Kaufempfehlung (Test FOTO HITS 8/2025: „Exzellent“). Drei Extras erwiesen sich vor Ort als hilfreich:

Eine Live-Sendung vom Schloss war zwar nicht geplant, aber versuchsweise wurde die Kamera mit dem Smartphone als WLAN-Hotspot gekoppelt und verband sich so mit der Nikon Imaging Cloud. Das gelang mit wenigen Handgriffen, was im Bedarfsfall mehr Speicherplatz verschafft hätte.

Außerdem vereinfacht die nahtlose Verbindung zu Smartphones etwa mittels SnapBridge, Dateien direkt vor Ort zu teilen. Für Social-Media-Prozesse, die Geschwindigkeit verlangen, ist das ein erheblicher Bonus. In unserem Fall konnten wir umgehend mit einigen Musikerinnen und Musikern abklären, ob sie mit ihren Porträts einverstanden waren und sie freigaben.

Man greift in der Cloud jederzeit auf Bild-Rezepte zu, die einem Foto oder ganzen Serien eine besondere Anmutung verleihen. Für eine Heidelberger Romanze etwa empfiehlt sich „Sunkissed Warmth“ von Julia Nimke, „ein wunderschön nostalgisches Rezept, das sich hervorragend eignet, um Ihren Bildern einen Hauch von analoger und warmer Atmosphäre zu verleihen“.

Weitere wichtige Vorgaben waren: der Lautlos-Modus, der große Farbraum Adobe RGB und die Motivwahrnehmung „Personen“. Dank der intuitiven Menüführung waren auch diese Einstellungen rasch erledigt.

Ein im Wortsinn spürbarer Vorteil ist zudem die deutlich leichtere Ausrüstung: Die lediglich 330 Gramm des Zooms etwa begrüßt man sowohl unterwegs als auch während längerer Drehs. Ob jemand aus der Hand filmt oder ein Gimbal hinzuzieht – die Schultern danken für jedes Gramm, das sie entlastet. Gerade im Social-Media-Alltag, in dem man oft mehrere Drehorte an einem Tag abklappert, entspannt dies merklich. 

Fingerfertig

Ein Pluspunkt ist wie erwähnt die große Auswahl an kompakten und vielseitigen Objektiven. Nikon gestaltete das Z-System so, dass DX-Freunde hochwertige Optiken nutzen können, ohne tief in die Tasche zu greifen. Das erleichtert ihnen den Einstieg und erlaubt es, das eigene Sortiment nach und nach zu erweitern. Wie erwähnt genügte dem Redakteur in vielen Fällen bereits das NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7, da es gleichermaßen Porträt- und Makro-Aufnahmen abdeckte. 

Damit nicht genug bewirkt die Sensorgröße einen Crop-Faktor von 1,5, der für Medienschaffende einen Vorteil ergibt: Für Videografen bedeutet er zusätzliche Reichweite, ohne schwerere Teleobjektive mitzuschleppen. Für Vlogger wiederum sorgt er dafür, dass ein Weitwinkelzoom auch die passende Brennweite für Selfies liefert. Vor Ort ergab dies den Pluspunkt, dass das Zoom-Objektiv eine Brennweite umgerechnet in Kleinbildformat von bis zu 75 Millimetern bereitstellte. Der Fotograf konnte mit ihr einzelne Geigen erfassen, ohne zwischen den Pulten herumzustolpern oder von fuchtelnden Bögen aufgespießt zu werden.

Glücklicherweise kannte der Redakteur das Konzertprogramm so weit, dass er mit 1/125 Sekunde in langsamen Passagen scharfe Ergebnisse erhielt. Der schnell zupackende Autofokus trug ebenfalls dazu bei, die Trefferquote zu erhöhen. Nikon übernahm die AF-Algorithmen aus den Profi-Modellen, was die Verfolgung von Gesichtern und Augen auch bei bewegten Motiven zuverlässiger macht – ein Plus bei Interviews, Produktdemos und dynamischen Szenen in einem Orchester.

NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR
Dank Offenblende setzt sich die Cellistin schön vom Hintergrund ab. Objektiv: NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR, Verschlusszeit 1/125 Sekunde, Blende f/2,8, ISO 3.200

Die Deckenbeleuchtung reichte gerade noch aus, um naturgemäß lichthungrige Filme zu drehen. Zwar erhält man mit dem DX-Format schöne Farben auch bei wenig Licht, aber ich verzichtete aus einem anderen Grund auf Bewegtbilder: Mir fehlte ein Mikrofon, um es in die 3,5-Millimeter-Stereobuchse einzustecken. Doch ein Konzertmitschnitt ohne guten Ton wäre sinnlos, weshalb ein kurzer Test genügen musste. Doch hinsichtlich Videoqualität bewies das DX-Format ohnehin längst, dass es professionellen Ansprüchen gerecht wird.

Grundsätzlich liefern Kameras mit DX-Sensor 4K-Aufnahmen ohne Beschnitt und mit zuverlässigem Autofokus. Für Social-Media-Formate wie YouTube-Shorts ist das mehr als genug, ebenso für längere Aufzeichnungen.

Zusätzliche Videofunktionen machen die Kameras für Creator besonders attraktiv: N-Log-Aufnahme mit zehn Bit, erweiterte Monitoring-Tools, elektronische Stabilisierung sowie Tally-Lights und LUT-Unterstützung produzieren professionelle Filme direkt aus der Kamera. 

Schlussakkord

Anfangs sah es nach einem Reinfall aus: flackernde, schwache Beleuchtung, dazu ein Orchester mit zirka 85 Mitgliedern, das den Redakteur stets zwang, an dessen Peripherie umherzustreifen. Daher hatte er eigentlich das lichtstarke Tele NIKKOR Z 135mm f/1.8 S Plena im Auge. Angesichts dieser Schwierigkeiten war die Ausbeute erfreulich gut und groß. Das sahen auch die einzelnen Stimmgruppen so, da nach einer ersten Begutachtung zig Anfragen kamen, die Bratschen, Geigen und Blechbläser zu porträtieren.

Das kleine Leichtgewicht ermöglichte es, unauffällig zu fotografieren. Flott stellte es sich auf jede Situation ein und brachte sehenswerte Resultate. Applaus!