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La Gacilly-Baden Photo 2025

Australien und die neue Welt

Das Fotofestival „La Gacilly-Baden Foto“ führt auf die andere Seite des Globus, nach Australien und in eine neue Welt. Wie jedes Jahr kann man den Themenschwerpunkt in Freiluft-Ausstellungen erkunden. Das Wegenetz in Baden bei Wien verknüpft außergewöhnliche Geschichten miteinander: von Surfern, Vulkanvölkern, Sturmjägern und Preisboxerinnen. Dieses Gewebe bleibt aber nicht auf den fünften Kontinent begrenzt, sondern wird weitergesponnen. Denn trotz aller - teils spektakulärer - Eigenheiten, gibt es manch Verbindendes. FOTO HITS berichtet.

Bobbi Lockyer fotografiert amüsiert die Pressefotografen.
Bobbi Lockyer fotografiert amüsiert die Pressefotografen.

Bobbi Lockyer müsste sich nicht als pinke Meerjungfrauen-Königin vorstellen. Auch ohne diese Ankündigung gehört ihr die Aufmerksamkeit der Presse. Denn sie hat neben aller Fröhlichkeit ernste Anliegen, die sie mit ihren Aufnahmen vermittelt. In anrührenden Bildern stellt sie unter anderem das Projekt Birth on country vor. Üblicherweise sind Aborigines-Geburten eingebettet in die eigene Kultur, was etwas bedeutet, dass die eigene Mutter und Großmutter ihnen beistehen. Das wird ihnen in Krankenhäusern oft verwehrt. 

Lockyer selbst gehört – wie sie selbst sagt - zu den Salzwasser-Leuten, was eine Verpflichtung darstellt. Denn wie andere Ngariuma, Kariyarra, Nyul Nyul und Yawuru sei sie damit verantwortlich für die Meeresküste und ihre Bewohner. Dieser Gedanke der Verantwortung zieht sich durch das gesamte Festival, selbst wenn die Geschichten außerhalb Australiens angesiedelt sind. Sie entzünden sich etwa im Wortsinn an den außergewöhnlich verheerenden Buschbränden des „Black Summer“ vor fünf Jahren, doch ebenso verwüsteten Feuer auch den brasilianischen Regenwald oder griechische Inseln. Matthew Abbots Foto eines Kängurus, das vor einem brennenden Haus steht, steht symbolisch für diese weltweite Krise.

Auf der Route in Baden bei Wien erwarten die Besucherinnen und Besucher auf über sieben Kilometer Länge die 7,7 Millionen Quadratkilometer Australiens. Neben Lockyer als Angehörige der First Nations vermitteln noch neun andere Fotografinnen und Fotografen ihr Leben in den Outbacks und Großstädten. Vivian Dalles porträtierte Preisboxer und Rinderzüchterinnen, Trent Parke durchgeknallte Autodach-Surfer, Narelle Autio die staubigen Straßen und prächtigen Korallen des Landes, Tamara Dean (siehe FOTO HITS 10/2025) ihre eigene Suche nach dem Garten Eden. 

Terra Nullius - der Ausgangspunkt

Wie ein australischer Opal konzentriert Baden bei Wien diesen Bilderrausch. Neben der bläulichen Variante, die für ihre einzigartige Farbenpracht berühmt ist, gibt es eine schwarze:

Bezogen auf sein Herkunftsland verweist sie auf den Kohlebergbau, der Australien zum zweitgrößten Umweltverschmutzer neben Saudi-Arabien macht. Diese Schattenseiten finden sich auch in anderen Weltgegenden, was die Ausstellung ebenfalls offenbart: So wie heilige Stätten der Aborigines verwüstet wurden, ging es einem heiligen Tal der Inka. Der Fotograf Alessandro Cinque traf dort eine Frau, die aufgrund des von Bergbau verseuchten Wassers an Magenkrebs erkrankte. 

Terra Nullius (Niemandsland) wurde Australien von den westlichen Entdeckern genannt. Heute bilden die Buschbrände, Überschwemmungen und die überfluteten Inseln von Tuvalu einen Nullpunkt, der weite Kreise zieht. 

Umso leuchtender hebt sich von all der Zerstörung das Volk der Vulkane ab, von dem Ulla Lohmann berichtete. Sie leben auf Neubritannien im Einklang mit den Vulkanen, deren Ausbrüche sie dank ihrem Wissen um die Natur genau vorhersagen: Eine bestimmte Vogelart lässt ihre Eier nur dann von der warmen Asche ausbrüten, wenn keine Gefahr droht. Mit diesen und anderen Geschichten machte Lohmann die Texttafeln neben ihren Aufnahmen lebendig.

In Benin dagegen schützen die Voodoo-Götter den Wald. Denn die heiligen Haine dürfen Uneingeweihte weder betreten, geschweige denn in Plantagen verwandeln. Gael Turine gelang es, das Vertrauen spiritueller Führer zu erlangen und konnte so Orte fotografieren, die Weiße wohl ansonsten nie zu sehen bekommen hätten.

Der Raum hier reicht nicht aus, die zahlreichen Facetten von „Australien und die neue Welt“ aufzuzeigen. In ihrer Größe und Vielfalt ist sie in Europa fast einzigartig und daher unbedingt einen Besuch wert.

Das Festival La Gacilly-Baden Photo findet noch bis Herbst 2025 statt. Die riesige Open-Air-Galerie reicht vom historischen Zentrum bis in umliegende Gärten der Stadt Baden. Der Eintritt ist frei.

  • Festival La Gacilly-Baden Photo
  • Australien und die neue  Welt
  • Bis 12. Oktober 2025

http://festival-lagacilly-baden.photo