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Nikon Z: Gut vernetzt

Mit einem guten Team kommt man leichter zum Ziel. Das hat Nikon nicht nur verstanden, sondern auch praxisgerecht umgesetzt. Einige Helfer in- und außerhalb der Kameras sind erstaunlich gut auf die Wünsche eines Fotografen eingespielt: Sie nehmen ihm nicht nur Lästiges ab, sondern eröffnen auch neue Freiheiten.

Manche Innovation entpuppt sich im Alltag als überflüssiger Schnickschnack. Doch Nikon hat offenbar zugehört, was Benutzer wollen. Das stellte die Redaktion in zwei Bereichen fest, die der Hersteller jüngst präsentierte: in der Nikon Imaging Cloud und in einigen Kameras aus der Nikon Z-Serie. Erstere vereinfacht den Alltag von Besitzern eines Z-Modells, letztere kommt Vloggern ebenso wie Produktfotografen entgegen.

Doch eins nach dem anderen: Nachfolgend erfährt man zuerst, welche Vorteile die Nikon Imaging Cloud bringt. Sie übersteigen bei Weitem das, was man von Datenwolken kennt.

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Die Nikon Imaging Cloud, eine Nikon-Z-Kamera sowie ein Mobilgerät bilden ein unschlagbares Trio. Sowohl unterwegs als auch im Studio spielt es seine Stärken aus.

Grenzenlos kreativ

Der Begriff „Cloud“ ist angesichts der vielen Vorteile zu kurz gegriffen. Gewöhnlich denkt man hierbei nur an einen Speicherplatz im Internet. Die Nikon Imaging Cloud kann mehr: 

  • Die eigene Kamera sichert Bilddaten automatisch in der Nikon Imaging Cloud. Danach lassen sie sich an weitere Dienste verteilen wie etwa Google Fotos oder die Adobe Lightroom Cloud.
  • Eine neue Firmware wird über die Cloud direkt in die Kamera geladen.
  • Man greift auch unterwegs auf zahlreiche Bild-Rezepte zu, um einem Foto oder ganzen Serien einen besonderen Look zu geben. So entstehen mühelos einzigartige Porträt- oder Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Die Cloud in Kürze

  • Gratis-Service 
  • Einmalige Registrierung genügt
  • Vorteile: Sofortige Bildsicherung und nahtlose Übertragung auf andere Online-Speicher wie Nikon Image Space, Google Fotos und weitere; automatische Firmware-Updates
  • www.imagingcloud.nikon.com
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Der Bildstil Teal & Orange ist ein Klassiker in Action-Filmen. Derjenige von Brandon Woelfel verstärkt ebenso stimmungsvolles Abendrot und Ozeanblau.
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Zwei weitere Bildstile, Red Mood und Red Mood Standard von Luiz Clas. Sie (und viele andere) lassen sich von der Nikon Imaging Cloud direkt zur Kamera übertragen.

Der komplette Service kostet keinen Cent. Anzumerken ist, dass augenblicklich vier Kameras in den Genuss dieser Extras kommen: die Z6III, Z50II, Z5II und Zf. Doch dürfte sich diese Zahl dank kommender Firmware-Updates vergrößern.

Um die Dienste zu nutzen, registriert man sich auf der in der Box oben genannten Website. Das Prozedere erfordert mehrere Schritte, die mit Passwort und Zugangs-Codes abgesichert sind. Zwar sind einige Mausklicks nötig, bis die eigene Kamera mit der Cloud kommuniziert, die aber jeder begrüßt, dem Datenschutz wichtig ist. Schließlich geht es oft um private Aufnahmen, die nicht für fremde Augen bestimmt sind. 

Drei Fallbeispiele erhellen, wie und wann man von diesem Service profitiert. An erster Stelle steht der Internet-Speicher, der Nikon Image Space. Ihn ergänzen fünf andere Cloud-Anbieter, die für bestimmte Dateiformate sinnvoll einsetzbar sind. Im ersten Praxisbeispiel legt der Benutzer fest, dass seine Raw-Dateien in der Adobe Lightroom Cloud landen. Dort kann er sie nach einem Shooting umgehend optimieren. Dagegen will er die JPG-Versionen in die Smartphone-App „Google Fotos“ überspielen, um sie etwa auf dem Tablet-PC zu sichten. Das platzsparende Format ist bestens geeignet, um es dort flüssig darzustellen. Ebenso zeigt man Bilder auf diesem Weg auch gleich Kunden oder Freunden.

Ein Urlauber kann beispielsweise so lange fotografieren, bis alle seine Speicherkarten voll sind. Die Datenmenge verschiebt er einfach in die Cloud. Das klappt zumeist vor Ort oder sobald der Reisende in einem Café oder Zug mit WLAN sitzt, da mittlerweile sogar an abgelegenen Orten ein Internet-Zugang zu finden ist. Danach beginnt unbeschwert die nächste Aufnahmerunde. 

Als weiterer Pluspunkt sorgen Bild-Rezepte für einzigartige  Fotos. Genauer handelt es sich um Farbfilter, die Profifotografen fertig bereitstellen oder die man selbst definieren kann. Sie dürften manchem bereits unter dem Namen Nikon Picture Control geläufig sein.

In der Nikon Imaging Cloud lassen sich zahlreiche Rezepte übersichtlich anordnen. Der Clou ist, dass sie mit wenigen Mausklicks ins Kamera-Menü überspielbar sind. 

Die Rezepte führen zum zweiten Fallbeispiel. In diesem ist ein Street-Fotograf unterwegs, wobei seine Kamera einen Schwarz-Weiß-Stil nutzt, der einen Kodak Tri-X nachahmt. Doch unverhofft taucht ein farbenprächtiger Festumzug auf, für den eine angemessene Vorgabe fehlt. Übers Smartphone greift er auf die Nikon Imaging Cloud zu und wählt einen Stil, der an einen Agfaphoto Color erinnert. Letztlich ist es, als hätte man unbegrenzt Filme dabei, nur dass sie komfortabler einzulegen sind. 

Neben Filmsimulationen sind motivabhängige Rezepte aufrufbar. So gestalten Individualisten Bilder mit blauem Wolkenhimmel oder rosiger Gesichtshaut ganz nach eigenen Vorlieben. Nebenbei: Da die Rohdaten selbst nicht angetastet werden, können Spezialisten einzelne Bilder zu Hause per Hand korrigieren. Alle anderen werden es schätzen, dass der Großteil schon dem persönlichen Stil entspricht, ohne dass sie Stunden am PC verbringen. 

Das dritte Fallbeispiel ist schnell abgehandelt, aber nicht weniger nützlich. Die Nikon Imaging Cloud überprüft jede angemeldete Kamera auf ihren Firmware-Status und aktualisiert ihn gegebenenfalls. So bleibt das Betriebssystem immer auf dem neuesten Stand, ohne dass man den üblichen Umweg über Downloads und eine Speicherkarte gehen muss.

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Bild- und Videodateien lassen sich umgehend in die Nikon Imaging Cloud transferieren. Damit ist die Speicherkarte frei für weitere Aufnahmen.

Flüssig streamen

Die Nikon Z50II ist ein Tausendsassa, bei dem auch das Thema Video groß geschrieben wird. Hierfür packte Nikon die Kamera mit Extras voll, was angesichts ihrer Maße (550 Gramm mit Akku und Speicherkarte, 127 mal 96,8 mal 66,5 Millimeter groß) geradezu verwundert. Nicht zuletzt kostet der Body unter tausend Euro!

Nur für Urlaubsvideos ist die Nikon Z50II freilich unterbeschäftigt. Darüber hinaus brilliert sie in so höchst  grundverschiedenen Bereichen wie Tierfotografie oder „Social Media“. Für einen einfachen Einstieg stellt man im Videomodus das Wahlrad auf Automatik oder (P)rogrammautomatik und legt los. Die zahlreichen Helfer kümmern sich um die Bildqualität und der Benutzer nur noch um die Motivwahl.

Bevor wir uns in technischen Details verlieren, ist der sichtbare Gewinn zu nennen: Videos und Fotos entstehen nicht nur in bester Qualität, sondern erfreuen auch mit leicht anwendbaren Stilen. Denn die Nikon Z50II wurde um einen Knopf oben auf dem Body ergänzt, über den man rasch auf Picture-Control-Vorgaben wie „Porträt“ oder poetischer auf „Traum“ oder „Melancholie“ zugreift.

In der Praxis schaut ein Filmender auf den Monitor, schaltet durch die  Bildstile und wählt den ihm genehmen. Falls die Vorgaben nicht ausreichen, holt er sich umgehend aus der Nikon Imaging Cloud eine, die ihm noch mehr entgegenkommt.

Die Nikon Z50II in Kürze

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Auflösung: 5.568 × 3.712 Pixel, 20,7 MP

Chip-Größe: APS-C
Bildstabilisator: nein (meist in Objektiven eingebaut)
Verschlusszeiten: Bulb; 30 bis 1/4.000 s
ISO: 100-51.200 (erweitert bis ISO 204.800)
Autofokusfelder: 235 AF-Bereiche (einzeln wählbar)
Sucher: 2,36 Millionen RGB-Bildpunkte
LCD: schwenkbar, 8 cm und 1,04 Mio. RGB-Bildpunkte

Gesamtnote im Test FOTO HITS 1/2025: Exzellent

Im Redaktionstest ging das recht flott: In der Cloud waren wir bereits registriert. Die Kamera wiederum geleitete uns im Netzwerkmenü „Nikon Imaging Cloud“ durchs Prozedere. Glücklicherweise besitzt die Nikon Z50II einen Touch-Screen, sodass die Eingabe der Passwörter mühelos gelingt. Nach wenigen Minuten meldete das Kamera-Display „Einrichtung abgeschlossen“ und wir fügten „Indoor Harmony“ von Julia Nimke zu den online gespeicherten Rezepten hinzu. Als bequeme Redakteure hätten wir gewünscht, dass der Eintrag direkt in der Picture-Control-Auswahl auftaucht. Doch zuerst will das Menü „Picture Control konfigurieren“ die Bestätigung für „Cloud-Picture-Control-Dateien hinzufügen“. Dann aber stand die harmonische Farbpalette bereit.

Ausgesprochene Profis greifen zum Log-Modus, einem Videoformat mit gewaltigem Bearbeitungspotenzial. Nichtsdestoweniger ist es einfach handzuhaben. Gewiefte Regisseure geben ihm beispielsweise mit Look-up-Tables (LUT) die gewünschte Farbstimmung, was nur wenige Mausklicks erfordert. Einige LUTs stehen gratis unter anderem auf nikon.de bereit. Je nach eigenen Vorlieben ist auch eine Aufzeichnung mit 10-Bit-Farbtiefe oder mit dem HDR-Format HLG möglich, das einen erweiterten Dynamikbereich bereitstellt.

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Der KI-Autofokus ist einer von vielen zuverlässigen Helfern.

Das hohe Niveau hält die Nikon Z50II in so unterschiedlichen Bereichen wie Naturfotografie oder Vlogging. Im ersten Bereich ragen die KI-Autofokusfunktionen heraus. Sie erkennen automatisch, ob sich Personen, Tiere, Vögel, Verkehrsmittel oder Flugzeuge vor der Linse befinden, stellen scharf und behalten das Objekt permanent im Blick. Hierbei profitiert die Kamera vom neuen Prozessor EXPEED 7, der auch im Spitzenmodell Nikon Z9 verbaut ist. Der schnelle Prozessor bekommt außerdem den „Rolling Shutter“-Effekt sehr gut in den Griff. Das bedeutet, dass bei Kameraschwenks keine der ansonsten üblichen Verzerrungen auftreten.

Bei scheuen Wildtieren macht sich der 1,5-fache Crop-Faktor positiv bemerkbar. Denn aufgrund des APS-C-Formats verlängert er die Brennweite, was Tierfotografen hochwillkommen ist. In der Redaktion hatten wir einigen Spaß mit dem vielseitigen NIKKOR Z DX 18–140 mm 1:3,5–6,3 VR. Dessen Maximalbrennweite beträgt ungerechnet ins Kleinbildformat satte 210 Millimeter. Damit nicht genug, konnte auch ein Mensch mit unruhigen Händen die große Brennweite verwacklungsfrei halten, wofür die ausgezeichneten Bildstabilisatoren in Nikon-Objektiven sorgen. 

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Ob Foto-Lehrgang, Kochkurs oder als Influencerin: Der Modus für Produktbesprechungen garantiert eine überzeugende Präsentation. Er erkennt, sobald ein Gegenstand ins Bildfeld kommt und setzt den Fokus darauf. Wenn er verschwindet, wechselt er wieder zum Gesicht. Zudem kann man Videos mittels „Picture Control“ eine individuelle Note geben.

Im Bereich Social Media wiederum warten gänzlich andere Herausforderungen auf die Benutzer, die die Nikon Z50II ebenfalls glänzend meistert. Geradezu verblüffend unterstützt etwa der Modus für Produktbesprechungen. Er bezeichnet einen Autofokus, der einspringt, wenn ein Sprecher ein Objekt in die Kamera hält. Sofort wechselt der Autofokus vom Gesicht etwa zum Produkt und wieder zurück, sobald letzteres aus dem Bild verschwindet.

Essenziell für Interviews ist der Personen-AF. Zwei Markierungen im Sucher zeigen an, wenn eine Person in der Szenerie erscheint, zudem erkennt der Autofokus blitzschnell deren Augen und führt kontinuierlich nach. Zusätzlich erfreut es den Gast, wenn in „Videoaufnahme“ die Haut-Weichzeichnung auf „On“ gestellt ist. Wer sein Werk gleich online stellen will, benötigt lediglich ein USB-C-Kabel, das die Z50II etwa mit einem Tablet-PC verbindet. Von hier aus gelangt den Live-Beitrag auf die Plattform der eigenen Wahl.

Wie erwähnt stehen einige dieser Helfer bereits in im Automatik-Modus parat. Im Zweifelsfall klappt also auch die Methode „Einschalten und loslegen“. Zusammen mit der Nikon Imaging Cloud vergrößert sich das Potenzial nochmals, bleibt  aber übersichtlich. Einige Wege könnte Nikon eventuell weiter abkürzen, ansonsten aber macht man mit diesem Team einen riesigen Schritt nach vorn.