Ausstellung: Anton Corbijn
Fotos, die nach harten Gitarrenriffs aussehen
Ein geringes Selbstbewusstsein kann manchmal eine Weltkarriere befördern. Seine Schwäche brachte Anton Corbijn immerhin dazu, die Musikwelt der letzten 40 Jahre entscheidend zu prägen.
Der 17-jährige spätere Starfotograf Corbijn plante keineswegs, große Kunst zu schaffen, als er 1972 die ersten lokalen Bands porträtierte. Mit 19 Jahren entscheid er sich für das prekäre Leben eines freien Fotograf und zog nach London, wo gerade der Punk abging. Bereits eines seiner ersten Bilder aus seiner neuen Wahlheimat wurde zur Legende: Es zeigt die vier Musiker von Joy Division – von dreien aber nur den Rücken. Anfangs wollte es kein Magazin drucken, was ihn nicht weiter bekümmerte.
Für das Video zum Song „Heart-Shaped Box“ der Rockband Nirvana erhielt Corbijn 1994 einen MTV-Award. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon fast zehn Jahre lang Musikvideos gedreht, anfangs aus dem einfachen Grund, weil seiner Ansicht nach bislang miese Clips eigentlich gute Songs vorstellten – das konnte er besser. Seinen ersten Kinofilm drehte Corbijn 2007. „Control“ handelte von Ian Curtis, dem Sänger der Band Joy Division.
Kontraststarke Grautöne bilden mittlerweile das Markenzeichen des Fotografen. Doch in den späten 1990er-Jahren tauchte unvermutet ein ganz anderes Problem auf: Im Zuge der digitalen Revolution waren seine geliebten Filme und Papiere nicht mehr zu bekommen. Gleiches galt für von ihm geschätzte Polaroids, die sich durch ein grobes Korn und Blaufärbung auszeichneten.
- Corbijn, Anton
- Fotografiska Berlin
- Bis 20. September 2026