Ausstellung: Ikonen der Mode
Wie Regina Relang ihr Gespür für Zeitgeist in Modefotos festhielt
Besucher der Ausstellung stimmt bereits der Hinweg in eine Zeitreise ein: Man durchquert den lauschigen Hinterhof des Museums, in dem ein hübscher Brunnen plätschert (das Ausstellungsgebäude wurde freilich 1990 erbaut). Doch nach dem Eintritt taucht man ganz in die Welt der "Dame mit Klasse" ein, die das deutsche Wirtschaftswunder prägte.
Die Mode der 1950er- und 1960er-Jahre war mehr als nur flüchtiges Chichi, sondern drückte den Zeitgeist der Nachkriegszeit aus. Die 1909 in Stuttgart geborene Regina Relang besaß ein außergewöhnliches Gespür für diesen Geist und stieg daher zur erfolgreichsten Modefotografin Deutschlands auf.
Mode in Ruinen
Zuvor goutierte im Nationalsozialimus vorrangig die Oberschicht den damenhaften Typ, während der Rest auf die gebärfreudige Arierin eingeschworen wurde (siehe etwa Johannes Christoph Moderegger: Modefotografie in Deutschland 1929-1955). Ab 1939, mit dem Überfall auf Polen, hieß die Devise „Stoff sparen“. In der Folge lag die Modefotografie darnieder.
Doch bereits in den Ruinen Deutschlands hielt Relang das Ideal der „Frau mit Klasse“ wieder hoch. Beispielsweise entstand 1946 in München eine Modeaufnahme vor einem zerbombten Haus. In Zeiten des Wirtschaftswunders kannte die Raffinesse ihrer Bilder keine Grenzen mehr, in den 1960er-Jahren kamen noch Zukunftsoptimismus und Spontaneität dazu. Relang avancierte zur führenden Modefotografin Deutschlands. Zu ihren Auftraggebern zählten Branchenlegenden wie Christian Dior, Pierre Cardin oder Yves Saint Laurent.
Kameras und Können
Relang benutzte häufig eine zweiäugige Spiegelreflexkamera, die Rolleiflex. Die ab 1929 produzierte Kamera war für Modefotografen ein Geschenk des Himmels:
Erstens war sie leicht und kompakt genug, um sich aus der Enge des Studios zu befreien (deutsche Modefotos litten zu dieser Zeit darunter, dass sie in kleinen Studios entstanden, während Amerikanern oft ausgedehntere Räume zur Verfügung standen). Zweitens belichteten sie im Format „6 × 6“, das für große Magazindrucke vorteilhaft war. Drittens konnte man die Schärfentiefe gut beurteilen, was Relang mit großem Können einsetzte. Bewundernswert ist zudem, wie sie trotz eines Lichtschachtsuchers, der Motive umgekehrt anzeigt, ihren lebhaften Models auf der Mattscheibe folgen konnte.
Begleitprogramm
Erfreulicherweise enthält die Heidelberger Ausstellung nicht nur zahlreiche großformatige Fotos, sondern auch Beispiele damaliger Haute Couture . Sie entstammen der Textilsammlung Max Berk, Hutmodellen kommen aus der Sammlung Wolfgang Knapp.
Ebenso erhellend für die Zeit und ihre Medienlandschaft sind Ausschnitte aus Magazinen und Zeitschriften. Eine großartige Ergänzung ist ein Film über Relang, der in einem eigenen Raum gezeigt wird.
Unbedingt einen Blick wert ist auch das weitere Begleitprogramm (siehe Flyer im PDF-Format). Glanzlichter sind:
- 19. Juli, 12.00–17.00 Uhr: „Kunst erleben – Zeit genießen – Mode träumen“. Ein Programm mit Musikerinnen und
- Literatinnen der GEDOK und Kunstexpertinnen des Kurpfälzischen Museums
- 20. Juni, 16 Uhr, Familienführung für Jüngere mit einer Museumspädagogin
- 24. Juni, 18 Uhr: Upcycling Fashion Show
- 30. Juni, 19 Uhr: Filmabend im nahen Kino Gloria/Gloriette: „Der Teufel trägt Prada 2"
Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum. Alle Fotografien stammen aus dem Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Nachlass Regina Relang.
- Kurpfälzisches Museum Heidelberg
- Laufzeit: bis 19. Juli 2026
- Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 10 – 18 Uhr, auch Feiertage. Montag geschlossen