Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Bettina Rheims

Perfekt dank winziger Makel

Das Buch „Bettina Rheims“ schafft einen guten Überblick, um das vielfältige Werk der Fotografin kennenzulernen. Es reicht von den ausgestopften Tieren im Projekt „Animal“ (1982) über den Skandal um das blasphemische „I.N.R.I.“ (1997) bis zu den androgynen Porträts in „Gender Studies“ (2014) . Während einer schnellen Durchsicht könnte man insbesondere die Beauty- und Aktaufnahmen als eine Abfolge von Glamour-Inszenierungen abqualifizieren, die so maßlos scheinen wie das zehnte Glas Champagner auf einer Party. Das wäre allerdings eine grobe Fehleinschätzung.

Beim Blättern durch die Seiten begreift man, dass Rheims bei aller Freizügigkeit niemals übertreibt. Vielmehr tänzelt sie um ihre Motive so vorsichtig herum wie eine Liebende um das Objekt ihres Begehrens. Dies gerät ihr zum leidenschaftlichen Tango, zum feierlichen Menuett oder heiterem Disco. 

Den unbedarften Betrachter lockt Rheims auf Schleichwegen zu ihrem erotischen Reigen: Immer wieder geben ihm unperfekte Bildelemente einen Zugang zu ihrer Fantasiewelt. Beispiele hierfür sind die Abdrücke von Unterwäsche auf der Haut (eigentlich ein Anfängerfehler) oder Erdbeeren, die eine Frau genüsslich aus der billigen Plastikverpackung fingert. Statt durch technische Perfektion erhalten viele Bilder erst durch diesen Einbruch der Realität ihre Meisterschaft.

Bettina Rheims. Taschen 2015, Hardcover, 598 Seiten, ISBN 978 3 8365 5543 2, Preis: 59,99 Euro


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