Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Bildband

Michael Kenna beschwört den Geist der Tuschemalerei

Michael Kenna beschreibt seine Fotos als „den Geist der Tuschemalerei, wie ein visuelles Haiku“, also wie ein japanisches Kurzgedicht. In seinem Buch „Same sun, same moon“ ergänzen die Fotos Gedanken über das Reisen, Ankommen und Loslassen. Das klingt nach einsilbiger Lyrik, doch sind die Texte erstens länger als die drei Zeilen eines traditionellen Haiku und zweitens überraschend heiter geschrieben.

Verfasst haben die Randbemerkungen zwei Engländer, die eigentlich aus verschiedenen Welten kommen: Siddharth Pico Raghavan Iyer ist ein Schriftsteller, dessen Eltern indische Akademiker aus London waren. Der Fotograf Michael Kenna entstammt der englischen Arbeiterschicht, und wurde auf einer katholischen Schule erzogen. Doch beide eint erstaunlich viel: die Liebe zum Buddhismus, zu Japan, Frankreich, der Supermarktkette Lawson und mehr. Sie betrachten gemeinsam die  Lichtbilder von Kenna, so wie entfernte Freunde auf denselben Mond schauen. 

Beim Blättern und Lesen kommt die Ruhe fast von selbst. In gleichmäßigem Wechsel ist auf der rechten Seite ein Foto platziert, links stehen die Texte, die je nach Autor in Schwarz und Sepia gedruckt sind. Im Format 21 mal 26 Zentimeter kommen die Bildnuancen noch detailliert heraus. Leider liegen die Texte ausschließlich in Englisch vor. Um sie wirklich zu genießen, ist daher eine flüssige Übersetzung hilfreich. Nichtsdestoweniger lohnt sich die Mühe, da das Vergnügen am geistreichen Zwiegespräch überwiegt.

 

  • Michael Kenna, Pico Iyer: Same Sun Same Moon
  • 160 Seiten, englisch
  • 21 × 26 cm
  • Hardcover
  • 67 Schwarz-Weiß-Abbildungen
  • 40 Euro

 


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