Fotobuch
Porträts mit Scharfblick
Birgit Kleber schafft es, mit ihren Künstlerporträts die Leser zu hypnotisieren. Die 1956 geborene Fotografin lernte unter anderem von den Legenden Lotte Jacobi und Berenice Abbott. Es folgten internationale Ausstellungen und Auszeichnungen.
Nichtsdestoweniger gestaltete sie ihre Fotografenporträts sehr einfach: Ihr Gegenüber setzte sich rittlings auf einen Stuhl und beugte sich leicht nach vorn. Kleber legte die Schärfeebene auf die Augen, während sie ab etwa den Wangen leicht defokussierte. Angesichts dieser Reduktion muss der Betrachter auf geringste Details achten, um die Charakterzüge einer Künstlerin zu erahnen. Ob er richtig liegt, ist zweitrangig, wesentlich ist der stumme Dialog. Gelegentlich bleibt man unschlüssig zurück, manchmal erscheinen die Blicke fast unerträglich intensiv.
Dies erinnert an das Projekt „The Artist is Present“ der Performance-Künstlerin Marina Abramovic, in dem Menschen sich ihr gegenüber setzten und ihr still in die Augen schauten: Manche verkrafteten es nur kurze Zeit, einige begannen zu weinen, andere beschrieben es als lebensverändernde Erfahrung. Dafür waren keine Tricks und Techniken nötig, sondern „nur“ schrankenlose Ehrlichkeit.
Birgit Kleber: Photographers. Kehrer 2023, 128 Seiten, Hardcover, ISBN 978 3 96900 110 3, Preis: 39,90 Euro