Fotokunst
Jelena Bulajic geht dem Medium "Fotografie" auf den Grund
Mit Untitled (after) zeigt die Kunsthalle Münster die erste größere Einzelausstellung von Jelena Bulajic in Deutschland. Die serbische Künstlerin erforscht, auf welche Weisen uns die Weltsicht vermittelt wird. Eine der Möglichkeiten, die über das Auge funktioniert, ist die Fotografie.
Als Anregung für ihre Versuche nahm Bulaji andere Aufnahmen, unter anderem die des japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto. Dieser ahmte natürliche Lebensräume nach, wie man sie von Dioramen aus dem Museum kennt. Das Ergebnis lichtete er in Schwarz-Weiß-Bildern ab. Damit spielt er mit dreidimensionaler Scheinwirklichkeit und zweidimensionaler Täuschung oder kurz: Obwohl man eine vermeintlich echte Welt vor sich sieht, ist jeder Anspruch auf Realität aufgehoben.
Jelena Bulajic setzt das Spiel fort. Sie wandelt sie Sugimotos Arbeiten in ein Negativ um, dann folgt ein schneller Prozess des Kopierens. Das Material setzt sie abschließend extremen Bedingungen aus: Licht, Kälte oder Hitze sorgen dafür, dass die Oberfläche der Farbe bricht, Blasen wirft oder Löcher entstehen.
Die neueste Arbeit Bulajics von 2025 heißt Untitled (after Tillmans, Atlantique). Wolfgang Tillmans hielt in seinem Foto Atlantique (2016) eine Meeresbrandung fest. Die gefühlte Kraft der Welle wird allerdings durch die weiche Oberfläche von Bulajics Gemälde gebrochen.
Diese Herangehensweise erinnert an Experimente etwa von Timm Rautert aus den 1960er-Jahren, der ebenso eine Grundlagenforschung des Fotomaterials betrieb. Heutige digitale Beliebigkeit und noch mehr die KI-generierten Bilder erwecken offenbar erneut das Interesse daran, sich des eigenen Mediums zu vergewissern. Es bleibt allerdings die kritische Frage, inwiefern die Resultate solcher Untersuchungen den Betrachtern vermittelbar sind.
Der Pressetext sagt dazu: „Es geht um die Schulung der Sinne. Ihr Spiel mit der Wirklichkeit erfordert Konzentration, ein genaues Hinsehen und Befragen von dem, was wir sehen. Mit künstlerischen Mitteln befragt Bulajic die denkwürdige Kraft der Evidenz, untersucht die Wahrnehmung und die Rolle, die das Gemachtsein und die Beschaffenheit von Bildern dabei spielen.“
- Jelena Bulajic : Untitled (after)
- Kunsthalle Münster
- 13.12.2025 – 29.3.2026
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