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Hollywoodreif

Werke von Germaine Krull endlich wieder zu sehen

Germaine Krulls Leben (1897 bis 1985) könnte einem Hollywood-Film entsprungen sein. In jungen Jahren reiste sie durch Europa und Russland, arbeitete als Architektur- und Kriegsreporterin, leitete ein Luxushotel in Thailand und meditierte in Indien mit tibetischen Mönchen. Nach 16 Jahren sind die Werke dieser leidenschaftlichen Fotografin endlich wieder bis bis 31. Januar 2016 in den "Berliner Festspielen – Martin-Gropius-Bau" zu sehen.

Krull war in starkem Maß geprägt vom „Neuen Sehen“, das die Möglichkeiten des neuen Mediums auslotete. Die zu Unrecht in Vergessenheit geratene Künstlerin gehörte zu den Pionieren des Bildjournalismus, getreu ihrem Motto: „Der wahre Fotograf ist der Zeuge der täglichen Ereignisse, ein Reporter.“ Eines der ersten Fotobücher überhaupt – das 1928 erschienene „Métal“ – begeisterte die Pariser Avantgarde mit seinen kühnen Abbildungen von Kränen und anderen Metallkonstruktionen. Doch ruhte sie sich nicht auf ihren künstlerischen Lorbeeren aus, sondern entwarf zusammen mit André Kertész und Eli Lotar eine neue dokumentarische Bildsprache, deren Ergebnisse die Zeitschrift „VU“ publizierte. Damit nicht genug, erfand sie die Erzählform der Fotonovelle, denn in Zusammenarbeit mit dem Schrifsteller Georges Simenon gestaltete sie 1931 „La Folle d’Itteville“. Für all dies benötigte sie nicht viel mehr als einen klugen Kopf und eine kleine „Icarette“, die ihre Weltsicht im Format sechs mal neun Zentimeter wiedergab.

Bild: Selbstportrait, Paris 1927

 


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