Internationale Tage Ingelheim
Grafik und Fotografie: Whistler und Masuyama
Die Ausstellung in Ingelheim stellt historische Ansichten heutigen Fotografien gegenüber, die aus exakt demselben Blickwinkel entstanden. Dies ergibt einen spannenden Dialog aus verschiedenen Zeiten, Stilen und Bildtechniken.
Der amerikanische Künstler James McNeill Whistler (1834–1903) gilt als einer der innovativsten, einflussreichsten und bedeutendsten Grafiker des 19. Jahrhunderts. Im Fokus stehen Whistlers Radierungen und Lithografien, die Ansichten von London und Venedig sowie Darstellungen von Personen aus seinem näheren Umfeld zeigen.
Whistler ließ sich 1859 sich in London nieder und schuf dort Grafiken, die insbesondere vom Leben und der Arbeit an der Themse erzählen. Als er ab 1879 für 14 Monate in Venedig weilte, entstanden dort ebenfalls schöne Ansichten der Lagunen-Stadt und Darstellungen vom alltäglichen Treiben. Dafür wählte er oftmals den Blick von der Wasserseite. Wie viele Künstler des Impressionismus beschäftigte sich auch Whistler mit japanischen Holzschnitten: Ihr Bildaufbau und Stil beeinflussten etliche seiner Werke nachweislich, weshalb ausgewählte Beispiele namhafter japanischer Holzschnittkünstler seine Grafiken im Kunstforum Ingelheim flankieren – beispielsweise von Utagawa Hiroshige, Katsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro.
Zur kunsthistorischen Kontextualisierung seines Œuvres sind den Arbeiten außerdem punktuell Grafiken seiner Zeitgenossen und Weggefährten zur Seite gestellt: Arbeiten von Seymour Haden, Joseph Pennell, Frank Short sowie Édouard Manet, Camille Pissarro oder Marcellin Desboutin offenbaren Whistler als wesentliche Inspirationsquelle.
Für die Ingelheimer Ausstellung wurde außerdem der japanische Künstler Hiroyuki Masuyama (*1968) beauftragt, eigens neue Arbeiten zu schaffen. Dafür suchte er im Spätsommer 2025 exakt die Standorte in London und Venedig auf, von denen aus Whistler die Vorzeichnungen für seine Grafiken fertigte. In Masuyamas neu angefertigten Fotomontagen sind Whistlers Stadtszenen mit den Fotografien der heutigen Situation übereinandergelegt. Das übergeordnete Thema des Japaners – Zeit, Raum, Veränderung – wird zudem mittels älterer Werke beeindruckend erfahrba
- Kunstforum Ingelheim
- Altes Rathaus 26. April bis 5. Juli 2026