Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
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Mehr (gute) Bilder!

Biennale für aktuelle Fotografie eröffnet

Fast die ganze Fotografenwelt klagt über die Bilderflut. Aber nicht jeder. Der Kurator der Biennale in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, David Campany, stellt den Nörglern die Frage entgegen, welche exakte Anzahl denn ihrer Meinung nach ausreichend sei? Ihn begeistert noch immer die Kraft der Fotos, ob sie als Ikonen, Konzeptkunstwerke, Persiflagen oder Montagen daherkommen.

Campany stellte den internationalen Gästen - darunter ein FOTO HITS-Redakteur - die sechs Ausstellungen in einem Presserundgang vor. Zum Titel „The Lives and Loves of Images“, merkte er selbstironisch an, er klinge nach einem biographischen Roman des 19. Jahrhunderts. Das ist insofern zeitlich korrekt, als das erste Lichtgemälde der Welt 1826 entstand. Und es lebt, liebt und vermehrt sich munter weiter. Im Mannheimer Museum Weltkulturen etwa setzt sich eine Version davon aus Tausenden winziger Thumbnails zusammen, die eine Internet-Suchmaschine ausspuckte.

Ähnlich vital präsentieren sich die anderen Werkschauen, die in der Summe einen großartigen Ausblick geben, wohin die Abkömmlinge Niépces in der modernen Fotografie steuern: In der Kunsthalle Mannheim etwa treten die legendären Dokumentarfotos von Walker Evans in einen Dialog mit aktuellen Werken, der so spannend ist, dass er jeden mitreißt, der glaubt, er wäre von der Bilderflut übersättigt. Die vom Neuen Sehen Anfang des 20. Jahrhunderts geprägten Industriefotos Hein Gornys im Raum für Gegenwartskunst Mannheim wiederum sehen sich teils kühl kalkulierten, teils urkomischen Werbungen entgegen. In solchen Zwiegesprächen erzeugt jeder der sechs Spielorte verblüffende Einsichten.

Kurzum: Mit seiner von der Werkauswahl bis zur Hängung spürbaren Leidenschaft ist Campany und seinem Team eine Biennale gelungen, die jeder Fotograf, dessen Wahrnehmung noch lebendig ist, besuchen sollte. Die Biennale steht ab 29. Februar 2020 allen Interessierten offen.  


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