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| Kategorien:  Literatur  

Porträts in der Rückblende

August Sander im Spiegel seiner Kritiker

Über August Sander scheint alles gesagt. Also wird das Rad der Zeit zurückgedreht und die Rezensenten der 1920er-Jahre bekommen wieder das Wort. 

Die 60 Bildtafeln im Buch hat fast jeder schon einmal gesehen. Unter dem Oberbegriff der deutschen Menschen findet man Bauern aus dem Westerwald, den Tenor Leonardo Aramesco oder einen dicken Konditor. Als sie damals ausgestellt wurden, erhielten sie wohlwollende bis begeisterte Kritiken. Manche wie die von Kurt Tucholsky sind schlicht und klug, der Süddeutsche Bürgerbote dagegen glaubt sie zu loben, wenn er den rassengeschichtlichen Wert herausstellt. Das hinderte allerdings die nationalsozialistischen Banausen nicht, „Antlitz der Zeit“ zu verbieten.

Im Vergleich zum Bild- überwiegt der Textteil. Von den insgesamt 200 Seiten beansprucht Alfred Döblins immer wieder lesenswerte Einleitung zehn Seiten, die Essays und Rezensionen bekommen fast hundert Seiten. Dementsprechend ist der Bildband vorrangig für alle historisch Interessierten wichtig.

August Sander: Antlitz der Zeit. Schirmer Mosel 2019, Hardcover, Deutsch, 200 Seiten, ISBN 978 3 8296 0865 7, Preis: 39,80 Euro


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