Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Zwei Mal Berlin

Damals, als Beton in Köpfe eindrang

Die Berliner Mauer repräsentiert im Kleinen die große Trennlinie deutsch-deutscher Erinnerungen: Zetti- oder Leibniz-Keks, Konfirmation oder Jugendweihe. Die Aufnahmen von Bernard Larsson aus den Jahren 1961 bis 1964 dokumentieren, wie sich die Spaltung zuerst unscheinbar und dann immer deutlicher vollzog. Der Fotograf schreibt im Vorwort: „Auf engstem Raum fand ich mich mit konträren Weltanschauungen und dem Desaster der Stadt konfrontiert.“

Im Rückblick beunruhigt besonders, wie ein so perverses Bauwerk zum Alltag werden konnte. Die ersten Bilder Larssons zeigen, wie die Blicke auf das noch nicht so andere Deutschland erst misstrauisch und dann touristisch geprägt wurden. Jede Seite der Mauer zelebrierte derweil ihre Verschiedenheit in Kundgebungen oder Konsumverhalten, was Larson aufmerksam registrierte. Das Buch endet versöhnlich mit den Bildern spielender Kinder. Diese sind heute zirka 70 Jahre alt und erlebten die Wiedervereinigung zuerst als Utopie und dann als nicht immer harmonische Realität. Doch zumindest deren Enkel haben die Freiheit, sich ihre Vorurteile und Gemeinsamkeiten selbst auszusuchen.

Bernard Larsson: Berlin Berlin. Schirmer/Mosel 2019, 268 Seiten, Hardcover, ISBN 978 3 8296 0849 7, Preis: 49,80 Euro


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