Technikblog

Das Zeiss Milvus 1.4/35 ist bereits die zweite 35-Millimeter-Brennweite innerhalb der Milvus-Objektive für Canon- und Nikon-SLRs. Es punktet gegenüber der ersten Version mit deutlich erhöhter Lichtstärke.
Das Zeiss Milvus 1.4/35 ist bereits die zweite 35-Millimeter-Brennweite innerhalb der Milvus-Objektive für Canon- und Nikon-SLRs. Es punktet gegenüber der ersten Version mit deutlich erhöhter Lichtstärke.

Zeiss Milvus 1.4/35

Test des lichtstarken Weitwinkelobjektivs

Das neueste Milvus-Objektiv überrascht mit einer Brennweite, für die es in dieser Objektivserie von Zeiss bereits eine Option gibt. Die Vorstellung der neuen 35-Millimeter-Optik überzeugt aber durch ihre inneren Werte und höhere Lichtstärke.

Hohe Lichtstärke, leichte Weitwinkelcharakteristik an Vollformatkameras von Nikon und Canon: Zeiss Milvus 1.4/35 mm.
Hohe Lichtstärke, leichte Weitwinkelcharakteristik an Vollformatkameras von Nikon und Canon: Zeiss Milvus 1.4/35 mm.

Als Zeiss die Objektive der Milvus-Familie Ende des Jahres 2015 vorstellte, reagierte das Unternehmen mit ihnen auf die Zeichen der Zeit. Der Hersteller passte seine Wechseloptiken an die extrem steigenden Auflösungen der neuen Kamerasensoren an, bliebt mit dieser Serie aber preislich unterhalb der technisch kompromisslosen und damit auch teureren Otus-Linie.

Mit gleich sechs Produkten wurde die Milvus-Reihe eingeführt, nun sind elf Modelle erhältlich. Die jüngste Lösung ist eine komplette Neuvorstellung. Zwar existiert bereits eine 35-Millimeter-Variante, die aber nur Lichtstärke f2,0 erreicht. Dagegen ist das neue „Milvus 1.4/35“ deutlich lichtstärker, sodass es der Fotograf jetzt mit einer wesentlich flexibler einsetzbaren Optik zu tun hat.

Erster Eindruck

Aufnahmen mit Offenblende zeigen beim Zeiss Milvus 1.4/35 ein sehr schönes Bokeh.
Aufnahmen mit Offenblende zeigen beim Zeiss Milvus 1.4/35 ein sehr schönes Bokeh.
Die Schärfentiefe ist bei f1.4 auf einen sehr engen Bereich begrenzt.
Die Schärfentiefe ist bei f1.4 auf einen sehr engen Bereich begrenzt.

FOTO HITS stellte in Ausgabe 12/2015 das erste Milvus mit 35 Millimetern vor. Zeiss hat das optische Design für die neue Variante mit Lichtstärke 1:1,4 erheblich verändert, was sich auch äußerlich erkennen lässt. Die komplexe Konstruktion aus 14 Elementen (neun Elemente beim Milvus 2/35) benötigt erwartungsgemäß ein größeres Gehäuse, das 8,5 Zentimeter Durchmesser besitzt und rund 14 Zentimeter lang ist. Außerdem ist es mit etwas mehr als einem Kilogramm auch merklich schwerer als sein Schwestermodell. 

Bis zu einem gewissen Grad entschädigt das schicke Design des Milvus für die gewachsenen Abmessungen: Wie auch die anderen Objektive der Produktreihe ist es schlicht-elegant gestaltet und wirkt damit unauffällig und zudem kompakter, als es tatsächlich ist. Außerdem ist die Verarbeitung hervorragend. Der Fokusring läuft samtweich und besitzt einen langen Stellweg, was sehr exaktes Scharfstellen ermöglicht. Wie bei der Milvus-Produktfamilie üblich, lässt sich die Rastung des Blendenrings in der „ZF.2 Mount“-Bajonettversion für Nikon-Kameras über eine Einstellschraube aufheben. Das erlaubt lautloses und stufenloses Verstellen der Blende auch während laufender Filmaufnahmen.

Im Test

 

Das neue „1.4/35“ bietet alle Vorteile der Milvus-Serie, zu der knackige Schärfe und sehr saubere Detailwiedergabe gehören.
Das neue „1.4/35“ bietet alle Vorteile der Milvus-Serie, zu der knackige Schärfe und sehr saubere Detailwiedergabe gehören.
Die Ausschnittvergrößerung zeigt in den Strukturen der Hauswand die hohe Detailzeichnung und gemeinsam mit den Blättern das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, das dem Foto Tiefe verleiht.
Die Ausschnittvergrößerung zeigt in den Strukturen der Hauswand die hohe Detailzeichnung und gemeinsam mit den Blättern das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, das dem Foto Tiefe verleiht.

Das Milvus wurde in der Variante für die Nikon D800 getestet. Sein Sensor gab für die Auflösungsmessung ein theoretisch erreichbares Maximum von 4.912 Linien vor. Das neue Weitwinkelobjektiv erwies sich als äußerst scharf und erzielte schon bei Offenblende einen sehr hohen Wert von 4.139 Linien. Den Höchstwert erreichte die Zeiss-Festbrennweite bei Blende f4,0 mit 4.517 Linien. Bis Blende f11 verbleiben die Messwerte in diesem sehr hohen Bereich. Erst danach sorgen die Beugungseffekte für einen Schärfeabfall. 

Insgesamt liegt die Bildschärfe des neuen 35-Millimeter-Modells damit leicht unter den Ergebnissen der älteren Lösung, doch sind die Ergebnisse der Neuvorstellung immer noch ausgezeichnet. Zu beachten ist etwa, dass die neue Optik mehr Glaselemente nutzt, was die Bildqualität in der Regel herabsetzt.

Die Auflösungskurve zeigt eine Zeiss-typische Optimierung der Bildschärfe: Mit einer Abweichung von nur wenigen hundert Linien erlaubt das Milvus sehr scharfe Fotos in einem weiten Blendenbereich.
Die Auflösungskurve zeigt eine Zeiss-typische Optimierung der Bildschärfe: Mit einer Abweichung von nur wenigen hundert Linien erlaubt das Milvus sehr scharfe Fotos in einem weiten Blendenbereich.

Bildfehler wie chromatische Aberrationen und Vignettierungseffekte hat das Zeiss voll unter Kontrolle. Die farbigen Kontrastkanten werden nahezu vollständig korrigiert und treten lediglich in extremen Beleuchtungssituationen mit leicht rötlichem Saum auf. Bildecken erscheinen um 0,6 Blendenstufen dunkler als die Bildmitte – die Abschattung ist für menschliche Augen also nahezu unsichtbar.

FAZIT

Der Test des Zeiss Milvus 1.4/35 ist in <b>FOTO</b> HITS 1-2/2018 nachzulesen.
Der Test des Zeiss Milvus 1.4/35 ist in FOTO HITS 1-2/2018 nachzulesen.

Im Vergleich mit dem ersten 35-Millimeter-Milvus als „Reportagebrennweite“ fügt das neue Modell den bisherigen Einsatzmöglichkeiten einen künstlerischen Aspekt durch die größere Lichtstärke hinzu. Dadurch erlaubt es einen noch breiter gefächerten Einsatz bei nahezu gleicher Bildqualität.

TECHNISCHE DATEN

Brennweite: 35 Millimeter

Lichtstärke: 1:1,4

Für Sensorformat: Vollformat

Bajonettanschlüsse: Canon, Nikon

Größe: zirka 85 × 144 Millimeter

Gewicht: zirka 1.131 Gramm

Preis (UVP): 1.999 Euro

Internet: www.zeiss.de