Filme in Digitalkameras einlegen

Filme in Digitalkameras einlegen

In viele Kameras lässt sich quasi ein digitaler Schwarz-Weiß-Film einlegen. Mithilfe von kamerainternen Vorgaben liefern sie dann Bilder, die von einem klassischen Kodak Tri-X oder Ilford FP4 stammen könnten.

Das Verfahren, um einen Schwarz-Weiß-Film zu simulieren, ist für jedes Modell verschieden. Der Artikel schilderte es für Systemkameras von Canon, Nikon, Fujifilm, Sony, Panasonic, Olympus und Pentax. Damit man sich gerade anfangs nicht in Details verliert, stehen neben den Anleitungen noch Textkästen mit Vorgaben - falls vorhanden- für Schwarz-Weiß-Filme.

Canon-Kameras

Picture Style Editor
Analoge Filme lassen sich unter anderem im Picture Style Editor nachahmen und dann auf eine Canon-Kamera überspielen. Alternativ dazu bedient man sich vorgefertigter Dateien (siehe nachfolgenden Kasten).

Picture Style Editor

  1. Man startet den Picture Style Editor und lädt eine möglichst korrekt belichtete Datei. „Korrekt“ heißt, dass weder die Schatten abgesoffen noch Glanzlichter ausgefressen sein sollten. Die Datei muss im Rohformat vorliegen, das an der Canon-spezifischen Dateiendung CR2, CR3 oder CRW erkennbar ist.
  2. Als Grundlage für den eigenen Stil dient eine Canon-Vorlage wie „Neutral“, die im Klappmenü der Picture-Style-Software bereitsteht. Über die Schaltfläche „Advanced“ ist sie nach eigenem Wunsch änderbar. Die vielfältigen Möglichkeiten erklären drei Canon-Videos, die in YouTube abrufbar sind.
  3. In einem Farbfeld lassen sich beispielsweise Farbtöne ändern oder Tonwerte mittels Gradationskurve anpassen. Für erste Experimente kann man sich auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen beschränken, die etwa wie mit Fotopapier des Härtegrads 4 besonders kontrastintensiv – sprich: dramatisch –  wirken. Hierzu darf sich der Einsteiger auf den Regler für die Tonwerte konzentrieren.
  1. Das Ergebnis sichert man unter einem möglichst selbsterklärenden Namen mit der Dateiendung pf2 (die Endung wird automatisch ergänzt).
  2. Man verbindet die Kamera per USB-Kabel mit dem Computer und lädt die die pf2-Datei. Das genaue Vorgehen veranschau­licht das dritte YouTube-Video. Danach steht der Stil neben den Canon-eigenen Vorgaben im Kameramenü bereit.
Picture Styles für Canon

Canon: Keine Simulationen klassischer Filme, sondern eher freie Stile.

https://global.canon/

David Stafford: Leider lässt sich nur aus den Dateinamen Agfa, Fuji, Ektachrome, Kodachrome und Velvia die Wirkungen ablesen.

www.mediafire.com

Magic Lantern

  • Für Spiegelreflexkameras der EOS-Serie
  • Bietet bezüglich Filmsimulationen nur Rec PicStyle, mit dem man verschiedene Stile für Fotos und Filme vorgeben darf
  • Link: http://builds.magiclantern.fm
  1. Das gezippte Paket wird entpackt und kommt auf eine Speicherkarte. 
  2. Die Karte wird in die Kamera eingelegt und der reguläre Menüpunkt für ein Firmware-Update gewählt. Auf der oben genannten Website steht hierfür unter „Docs – Installation“ eine englischsprachige Anleitung bereit. 
  3. Um an das geänderte Kameramenü zu kommen, wechselt man zum LiveView und drückt die Schaltfläche „INFO/DISP“, bis die „Magic Lantern“-Einstellungen erscheinen. 

CHDK

Drei Auswahlmenüs für „Serie“, „Modell“ und „Firmwareversion“ helfen, die passende Datei für die eigene Kamera herauszufiltern. Wie man eigene Kurven erstellt und wo sie auf der Speicherkarte abgelegt werden, erklärt ein Handbuch im PDF-Format (http://forum.chdk-treff.de/download/) ab Seite 22.

CHDK für Canon

Auf der Download-Seite des Forums http://forum.chdk-treff.de gibt es die vorgefertigte Kurven-Sammlung SintersCurvePackage_1_2_6, unter denen etwa auch der Filmstil „Hochkontrast“ zu finden ist.

Nikon-Kameras

Nikon Picture Control Utility
Mit Augenmaß lässt sich in der Nikon Picture Control Utility etwa der infrarotartige Stil eines Ilford SFX 200 herstellen.

Custom Tone Curves

  • Für Nikon-SLRs 
  • Zahlreiche Filmsimulationen von Agfa bis XT10 

Tonwertkurven (Custom Tone Curves) lassen sich in der Software Picture Control Utility 2 zurechtbiegen, sodass sie etwa Farben oder Kontraste intensivieren. Dazu geht man wie folgt vor:

  1. Auf der Seite www.nikon.de kann man die Software unter „Produkte – App und Software“ für 169 Euro kaufen, eine 30-tägige Testversion ist unter https://downloadcenter.nikonimglib.com erhältlich. Wer jedoch vorgefertigte Kurven herunterlädt, kommt um die Investition herum.
  2. Picture Control Utility 2 wird gestartet.
  3. Im Programm lassen sich unter „Anpassungen – Manuelle Anpassungen“ eigene Kurven nach Augenmaß gestalten. Dazu muss das Kästchen „Benutzerdef. Kurve verwenden“ markiert sein. Das Resultat sichert man mit dem Befehl „Exportieren“ auf einer Speicherkarte.
  4. Die Speicherkarte kommt in den entsprechenden Kameraschacht.
  5. Über das Kameramenü „Konfigurationen verwalten“ lädt man Kurven, um sie später zu nutzen (siehe https://onlinemanual.nikonimglib.com)
Nikon Tone Curves

Picture Control Center: Filmsimulationen für Nikon-Kameras von Agfa bis XT10

http://nikonpc.com

Jake Khuon: 13 an klassische Filme angelehnte Vorgaben.

www.neebu.net

Fujifilm-Kameras

Fujifilm
Vier der in Fujifilms X-Serie verfügbaren Filmsimulationen.
  • Für X-Serie
  • Verfügbar sind derzeit von Werk aus Provia, Astia, Velvia, Classic Chrome, PRO Neg. Std, PRO Neg. Hi, Schwarzweiß mit Rot-, Gelb, Grün-Filter, ACROS, Sepia, Eterna

Alle Vorgaben lassen sich über die Custom Settings abändern. Rezepte sind im Kasten unten zu finden.

Rezepte für Fujifilm

Kevin: mit  starken Kontrasten und sichtbarem Rauschen

www.photologen.de

Superia 800: Angelehnt an den Farbfilm Fujicolor Superia 800

www.fujixweekly.wordpress.com/

A la Meyerowitz:  Was auch immer das bedeutet ...

f16.click

Sony-Kameras

Tri-X
Das unten abgedruckte Rezept ergibt die Simulation eines Kodak Tri-X, die in einer Alpha-Kamera von Sony nutzbar ist.Original-Tri-X-Foto oben: Reinhold Möller. Lizenz: Creative Commons www.creativecommons.org
  • Für Sonys Alpha-Modelle mit „Creative Style“
  • Jeder Stil lässt sich eigenen Vorstellungen gemäß anpassen, was mit den Reglern für Kontrast, Sättigung und Schärfe geschieht. 
  1. Man öffnet etwa in einer A7S den Menüpunkt „Fotoprofil“
  2.  Als Grundlage dient eine der sieben Standardeinstellungen von PP1 bis PP7. Ihre Eigenschaften erklärt der Hersteller unter helpguide.sony.net

Rezept für Sony

Das Rezept simuliert den Film Kodak Tri-X (Original: www.magiclanternshooter.com)

Als Ausgangspunkt ist beispielsweise die Option PP2 unter Verwendung von [Still] Gamma sinnvoll.

  • Schwarzpegel: +12. Der Schwarzwert reicht von -15 bis +15. Mit +12 landet er deutlich in einem Bereich, in dem Schatten sehr dunkel erscheinen.
  • Gamma: Cine4. Ergibt einen starken Kontrast in dunklen Bildanteilen.
  • Schwarz-Gamma: Schmal, -7. Die Kontraste in den Schatten bewegen sich in einem schmalen Bereich.
  • Knie: 90 Prozent. Am Knie biegt die Tonwertkurve ab, um die hellen Bildteile vor dem Ausbleichen zu bewahren. Hier haben sie noch einen Spielraum von zehn Prozent.
  • Kurve: -5. Diese Biegung läuft mit dem Wert -5 sehr sanft aus.
  • Farbmodus: S/W. Logisch: Schließlich will man einen Schwarz-Weiß-Film nachahmen.
  • Farbtiefe: R +7, G -2, B +3, C +1, M +3, Y -1. Auch für Graustufenfotos sind Farbwerte wichtig. Sie bestimmen etwa, dass Rot (R) mit +7 dunkler im Bild erscheint, was die Hauttöne etwas sättigt. Gelb dagegen (Y wie Yellow) wird mit -1 leicht heller.

Panasonic-Kameras

  • Bildstile anpassbar
  • Leider keine spezifischen Filmsimulation bekannt

Von Werk aus stehen eher allgemeine Vorgaben wie „Monochrom“ oder „Lebhaft“ bereit, die sich eigenen Wünschen anpassen lassen. Dies geschieht im Menüpunkt „Benutzerspez. 1-4“. Das Ergebnis speichert man dann unter einem möglichst sinnreichen Namen und ruft es bei Bedarf auf.

Olympus-Kameras

  • Picture Mode (deutsch: Bildmodus) etwa der OMD-Modelle bietet einige fertige Vorgaben
  • Keine spezifischen Filmsimulation bekannt

Schwarz-Weiß-Aufnahmen nähern sich mit einem Grün- oder Rotfilter sowie verstärkter Gradation etwa einem Kodak Tri-X an.

Pentax-Kameras

  • Die kompakte Ricoh GR III etwa kam 2017 mit zwölf Filmsimulationen heraus, etwa Schwarzweiß oder Monochrom mit verschiedenen Kontraststufen,
  • Pentax K-1 Mark II etwa mit Diafilm, Bleach oder Crossentwicklung. 
  • Keine spezifischen Filmsimulation bekannt

Vorgaben kann man individuell im Menü Custom1 oder Custom2 abwandeln und dann sichern.