Praxis

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Unterwasserfotos: Der Freischwimmer

Jeder kann aus dem Wasser einzigartige Bilder fischen, um die ihn alle Landratten beneiden. Dafür sind weder eine teure Ausrüstung noch eine besondere Ausbildung erforderlich. Mithilfe der Tipps hopst man gleichsam in ein Thermalbecken, statt ins kalte Wasser zu springen.

Hartschalen
Für Kompaktkameras gibt es recht preiswerte Hartschalen, für größere Modelle muss man tiefer in die Tasche greifen.

Alle wasserscheuen Fotografen bringen sich um tolle Motive. Denn ihnen entgehen die immerhin rund 71 Prozent unseres Planeten, die geflutet sind. Allein das ist Grund genug, das gewohnte Terrain zu verlassen.

Außerdem sind die Kosten minimal, eine amphibische Lebensweise anzufangen. Für die ersten Entdeckungsreisen bieten sich Schwimmbäder, heimische Seen oder selbst ein Bach an, der auf Makroaufnahmen sein vielfältiges Leben preisgibt.

Technisch gesehen müssen Anfänger wenig beachten. Die meisten Unterwassergehäuse für Kameras begrenzen die Einstellmöglichkeiten ohnehin auf zwei oder drei Funktionen. Neben ihnen ist nur zu beherzigen: den Auslöser finden und nicht ertrinken.

Höchstens Besitzer einer Spiegelreflexkamera leisten sich ein angepasstes Spezialgehäuse, das ihnen sämtliche Knöpfe und Schalter zugänglich macht. Dazu kommen Blitzgeräte, die eine umfangreiche Tabelle im Online-Artikel "Beleuchtungen für Unterwasserfotografie - Blitzwasser" auflistet. Der folgende Artikel verrät jedoch, wie wirklich jeder Fotograf zu gelungenen Unterwasserbildern kommt.

Wasserspiele

Ob Unterwassergehäuse oder schlichter Tauchbeutel: Nachdem das Zubehör gekauft wurde, sitzt man damit erst einmal auf dem Trockenen. Die Fische im Aquarium freuen sich vielleicht über ein Porträt, doch ist dies leichter ohne Gehäuse durch die Glasscheibe realisierbar. Oder soll man sich einen Säugling ausleihen, um ihn beim Babyschwimmen zu dokumentieren? Alles viel zu kompliziert! Der Spaß an der Unterwasserfotografie beginnt schon im Badezimmer.

Für erste Experimente genügt eine Badewanne mit Wasser. Dort lernt man ein Phänomen kennen, von dem viele ungewöhnliche Bilder leben: die spiegelnde Wasseroberfläche – allerdings von unten gesehen. Im größeren Rahmen dient sie dazu, etwa ein Model zu reflektieren, das dicht unter der Oberfläche schwimmt. Hier genügt es aber, die Kamera zu versenken, die Hand oder ein anderes Objekt einzutauchen und auszulösen. Die gesammelten Erfahrungen machen sich später bezahlt.

  • Man wird merken, dass außerhalb des Wassers eine starke Beleuchtung installiert werden muss, wie sie etwa am hellen Mittag vorherrscht.
  • Außerdem ist auf die Oberfläche zu achten, die je nach Wellengang interessante Spiegelungen aufweist. Nur zu unruhig darf sie nicht sein, da sonst das Ebenbild verschwindet. Damit ahnt man bereits, was bei Aufnahmen im Schwimmbad möglich ist und was nicht.
  • Mit etwas Glück steht ein helles Schwimmbad bereit, das zu bestimmten Uhrzeiten wenig besucht ist und daher eine ruhige Wasseroberfläche bietet. Nachdem der Bademeister überzeugt wurde, dass man kein Perverser ist, lässt sich neben Spiegelungen mit Luftblasen experimentieren. Viel Spaß machen allen Beteiligten Köpfer oder Arschbomben: Im ersten Fall bekommt man nach vielen Versuchen einen schönen Luftblasenschweif hin, im anderen einen Kokon aus Schaum. Hierbei ist vor allem eine kurze Verschlusszeit entscheidend – und dass der Springer nicht den Fotografen rammt.
  • Die Königsdisziplin besteht aus so genannten Split-Aufnahmen. Dabei befindet sich die Frontlinse halb über und halb unter Wasser. So entstehen faszinierende Aufnahmen, die bei einem Schwimmwettkampf etwa das Publikum und die Krauler zeigen oder ein Tauchboot samt Froschmann. Besitzern einer Kompaktkamera bieten sich leider wenig Chancen, eine gelungene Aufnahmen zu erreichen. Erstens bedeckt selbst die dünne Scheidelinie schon einen zu großen Teil des winzigen Objektivs. Zweitens müssen sie noch stärker mit dem Wellengang kämpfen als eine große Optik. Selbst für einen SLR-Besitzer empfiehlt sich im Übrigen ein Weitwinkelobjektiv, schlicht weil es die größte Frontlinse von allen Objektivtypen besitzt.
  • Mutiger geworden, taucht man vielleicht in einen See ab. Dort stellt die Sonne einen dramatischen Effekt bereit, den Unterwasserfotografen gern und viel nutzen. Aufgrund der Lichtbrechung an der Wasseroberfläche ergibt sich eine eigenartige Beleuchtung: Wenn man zur Oberfläche hinaufblickt, ist eine helle Lichtscheibe zu sehen. Je tiefer ein Taucher ist, desto größer ist ihr Umfang, geht er höher, schrumpft sie. Geübte Fotografen warten, bis ein Mensch oder Tier in diesen Zirkel eintreten. Dann ergibt sich eine wundervolle Gegenlichtaufnahme.

Falls wir die Leser überzeugt haben, dass sie im nassen Element viel Spaß haben, geben die folgenden Tipps weitere Starthilfen. So fühlen sich auch Fotografen gleich wohl wie Fische im Wasser.

Fürsorglich gewässert

Wer die eigene Kamera liebt, der pflegt sie. Gerade wenn sie den Fotografen in Bereiche begleitet, die ihrer Elektronik schaden können, bedarf sie seiner besonderen Fürsorge. Dabei ist sie mit wenigen Handgriffen zufrieden und dankt es mit längerer Lebensdauer.

  • Wenn man eine Kamera in ein Unterwassergehäuse packt, sollte sie ein Päckchen Silika-Gel begleiten. Es leistet wertvolle Dienste, indem es Kondenswasser aufsaugt, das sich zwangsläufig bildet. Silika-Gel muss man nicht kaufen, es befindet sich in fast jedem Karton für Elektronikzubehör. Falls es feucht geworden ist, lässt es sich etwa im Backofen bei schonender Hitze trocknen.
  • Manche Fotografen empfehlen, in ein Hartplastikgehäuse so viel Gewicht zu geben, dass es in der bevorzugten Tauchtiefe schwebt, also weder steigt noch sinkt. Das mag für die großen SLR-Gehäuse gelten, erfahrungsgemäß ist es für kleine Kompaktkamera-Hüllen überflüssig.
  • In Tauchbeutel bläst man immer etwas Luft. Die Tauchtiefe gibt vor, wie viel es ist: In etwa zwei bis fünf Metern kämpft man bei einem zu prallen Beutel mit dem Auftrieb. Weniger ist also besser. Ab zehn Metern wird der Beutel deutlich zusammengequetscht. Ohne ausreichend Luft presst er sich an die Bedienelemente und verursacht Chaos. Man bläst daher etwas mehr Luft hinein, aber nicht so viel, dass er zu platzen droht.
  • Egal, ob man die Kamera nur in einen Teich tunkt oder mit ihr abtaucht: Sie sollte mithilfe der meist beigegebenen Kordel sicher am Handgelenk festgezurrt sein.
  • Das Gehäuse muss mit Süßwasser abgespült werden, wenn es dem salzigen Meer entsteigt. Das gilt ohnehin für sämtliches Zubehör, von den Flossen bis zur Taucherbrille.
  • Insbesondere die Dichtungsringe erfordern eine gründliche Reinigung, nachdem die Kamera aus der Hülle genommen wurde. Dabei ist peinlich genau auf Sandkörner zu achten, die in Ritzen lauern. Außerdem sollte man alle Dichtungselemente regelmäßig mit Silikonfett einschmieren.

Gute Einstellung

Niemand schlägt sich im Meer gerne mit Fragen herum, etwa welche Blende eine perfekte Schärfentiefe verspricht. Bis diese Frage geklärt ist, muss ein Schnorchler bereits wieder auftauchen. Dasselbe gilt für ein Model. Es mag nach reiflicher Überlegung technisch perfekt abgelichtet sein, aber kurz vor dem Erstickungstod wirkt es immer unvorteilhaft. Bestenfalls trifft man sämtliche Vorgaben bereits an der Oberfläche und verändert sie kaum.

  • Zwei Voreinstellungen sind sinnvoll: Wenn nicht gerade ein Wracktauchgang ansteht, wird man meistens Großaufnahmen von Fischen, Krebsen oder Schnecken machen. Daher ist der Makromodus eine gute Wahl. Praktischerweise wechseln viele Kameras automatisch zwischen Normal- und Makromodus, sodass man nicht auf eines von beiden festgelegt ist. Zu beachten ist: Der Blitz feuert über Objekte hinweg, wenn er zu nahe dran ist.
  • Als Alternative stellt man sich nur auf schnelle Bewegungen ein und überlässt den Rest der Kamera. Im Modus S (Shutter Speed, also Verschlusszeit) stellt etwa 1/250 Sekunde einen vernünftigen Ausgangswert dar. 
  • Manuell scharfzustellen, ist im Wasser so schwierig, wie Plankton zu harpunieren. Daher ist der Autofokus zu bevorzugen.
  • Der Blitz bleibt immer angeschaltet. Nur er garantiert bunte Bilder. Da er Licht mit natürlicher Farbtemperatur abgibt, kann der Weißabgleich getrost auf „Auto“ stehen.
  • Achtung: Ab etwa drei Metern Abstand verliert er seine farbgebende Wirkung und ein Motiv verblaut. Es bleiben drei Optionen: Entweder geht man näher heran, steigt auf eine Kamera mit stärkerem Blitz um oder unterstützt ihn mit einem externen Slave-Blitz, der allerdings ebenfalls eine Verschalung benötigt.

Gute Einstellung

Die größte Gefahr im Ozean geht nicht von Haien aus – tatsächlich freuen sich viele Taucher geradezu hysterisch, wenn sie einen der seltenen Raubfische sehen. Vielmehr ist es die eigene Unaufmerksamkeit. Schnorchler müssen gelegentlich überprüfen, wie weit sie hinausgeschwommen sind oder wo der Tauchpartner ist. Und Gerätetaucher haben genug damit zu tun, auf den Tiefenmesser, die Pressluftanzeige und die Taucheruhr zu achten.

FOTO HITS will niemanden durch komplizierte Ratschläge weiter ablenken, sondern nur solche Tipps geben, an die sich jeder sogar mit leichtem Tiefenrausch erinnert.

  • Je nach Tageszeit reflektiert die Wasseroberfläche das Licht mehr oder weniger stark. Steht die Sonne im Zenit, dringt es am tiefsten ein – die Stunde des Fotografen ist gekommen.
  • Man sollte niemals Motive von oben fotografieren, insbesondere wenn sie nahe am Boden sind. Ein Fisch etwa hebt sich nicht nur schlecht von ihm ab, sondern wirkt auch flach und unscheinbar. Ein geschickter Taucher fotografiert möglichst von unten. Darüber hinaus ist ein guter Hintergrund beispielsweise das offene Wasser hinter einem Tier.
  • Bei geringem Abstand zwischen Linse und Motiv drängeln sich auch weniger Schwebstoffe zwischen sie. Das ist gut, da sie im Lampenlicht ansonsten als blinkendes Schneegestöber aufscheinen. Die Quizfrage lautet nun: In welchen Modi kommt man nahe an ein Motiv heran? Antwort: wahlweise in der Makromodus- oder Weitwinkeleinstellung. 
  • Schwebstoffe fallen auch weniger auf, wenn sie richtig angeleuchtet werden. Falls möglich, ist frontales Anblitzen zu vermeiden. Allerdings ist dies nur mit externen Blitzgeräten möglich, die mithilfe von Schienen im 45-Grad-Winkel angebracht werden.
  • Sind andere Taucher im Bild, freuen sie sich nicht nur über die Erinnerung. Sie geben zudem einen Hinweis auf die Größenverhältnisse. Außerdem wirkt ein Motiv interessanter, wenn ein Froschmann etwa vor einer Riesengorgonie schwebt. 
  • Eine fotografische Faustregel lautet: So wenig toten Raum als möglich einbeziehen. Die Wirkung etwa eines Gesichts verpufft, wenn es von leeren Flächen umgeben ist. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Eine chaotische Korallenlandschaft etwa hebt sich schön vom ruhigen blauen Meer ab.

Fische haben ihren Horizont erweitert, als sie an Land krabbelten – und flugs war der Homo Sapiens geboren. Ebenso machen Fotografen einen evolutionären Sprung, wenn sie das feuchte Element zurückerobern. Dabei müssen sie sich nicht einmal komplett dem Lebensraum anpassen. Preiswertes Zubehör und einige neue Kenntnisse reichen aus.

Reichhaltiger Fang

Die größte Gefahr im Ozean geht nicht von Haien aus – tatsächlich freuen sich viele Taucher geradezu hysterisch, wenn sie einen der seltenen Raubfische sehen. Vielmehr ist es die eigene Unaufmerksamkeit. Schnorchler müssen gelegentlich überprüfen, wie weit sie hinausgeschwommen sind oder wo der Tauchpartner ist. Und Gerätetaucher haben genug damit zu tun, auf den Tiefenmesser, die Pressluftanzeige und die Taucheruhr zu achten.

FOTO HITS will niemanden durch komplizierte Ratschläge weiter ablenken, sondern nur solche Tipps geben, an die sich jeder sogar mit leichtem Tiefenrausch erinnert.

  • Je nach Tageszeit reflektiert die Wasseroberfläche das Licht mehr oder weniger stark. Steht die Sonne im Zenit, dringt es am tiefsten ein – die Stunde des Fotografen ist gekommen.
  • Man sollte niemals Motive von oben fotografieren, insbesondere wenn sie nahe am Boden sind. Ein Fisch etwa hebt sich nicht nur schlecht von ihm ab, sondern wirkt auch flach und unscheinbar. Ein geschickter Taucher fotografiert möglichst von unten. Darüber hinaus ist ein guter Hintergrund beispielsweise das offene Wasser hinter einem Tier.
  • Bei geringem Abstand zwischen Linse und Motiv drängeln sich auch weniger Schwebstoffe zwischen sie. Das ist gut, da sie im Lampenlicht ansonsten als blinkendes Schneegestöber aufscheinen. Die Quizfrage lautet nun: In welchen Modi kommt man nahe an ein Motiv heran? Antwort: wahlweise in der Makromodus- oder Weitwinkeleinstellung. 
  • Schwebstoffe fallen auch weniger auf, wenn sie richtig angeleuchtet werden. Falls möglich, ist frontales Anblitzen zu vermeiden. Allerdings ist dies nur mit externen Blitzgeräten möglich, die mithilfe von Schienen im 45-Grad-Winkel angebracht werden.
  • Sind andere Taucher im Bild, freuen sie sich nicht nur über die Erinnerung. Sie geben zudem einen Hinweis auf die Größenverhältnisse. Außerdem wirkt ein Motiv interessanter, wenn ein Froschmann etwa vor einer Riesengorgonie schwebt. 
  • Eine fotografische Faustregel lautet: So wenig toten Raum als möglich einbeziehen. Die Wirkung etwa eines Gesichts verpufft, wenn es von leeren Flächen umgeben ist. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Eine chaotische Korallenlandschaft etwa hebt sich schön vom ruhigen blauen Meer ab.

Fische haben ihren Horizont erweitert, als sie an Land krabbelten – und flugs war der Homo Sapiens geboren. Ebenso machen Fotografen einen evolutionären Sprung, wenn sie das feuchte Element zurückerobern. Dabei müssen sie sich nicht einmal komplett dem Lebensraum anpassen. Preiswertes Zubehör und einige neue Kenntnisse reichen aus.