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La Gacilly-Baden Photo 2026

Wie man Großbritannien wieder lieben lernt

Das Festival La Gacilly-Baden Photo baut unter dem Thema „So British“ eine Brücke über den Ärmelkanal. Bereits die Route durch die Stadt und den Park überwindet sieben Kilometer und präsentiert 1.500 Fotografien.

Oh, Britannia, du hast mir das Herz gebrochen. Ich liebte die Spleens deiner Insulaner, den Stolz der Working Class und die Picknick-Rituale. Aber nach dem Brexit drifteten Dover und Calais gefühlt immer weiter auseinander: Ausgerechnet Fremdenfeindlichkeit und Hetzreden sollen den Glanz des Empires wieder herstellen! Doch wir beiden kamen uns dank dem Festival „La Gacilly Baden Photo“ wieder näher, was einmal mehr die verbindende Kraft der Fotografie beweist.

Das Festival enthält drei Erzählstränge. Der eine ist britischen Fotografinnen und Fotografen gewidmet, der zweite dem Zustand der Erde und der dritte der österreichischen Fotografie. Einige Geschichten, die Redakteur von FOTOnow! besonders berührten, hebt der Artikel heraus.

Tony Ray Jones
Bild original: Tony Ray Jones © Board of Trustees of the Science Museum.

Very british!

Das erste Lichtbild erschuf zwar vor 200 Jahren ein Franzose, nicht zu vergessen schenkte die Pariser Akademie der Wissenschaften es der ganzen Welt. Doch die Briten drückten der Fotogeschichte ihren ganz eigenen Stempel auf.

Tony Ray-Jones (1941–1972) war einer der ersten, der dem Kontinent die merkwürdigen Outfits und Picknick-Gewohnheiten nahebrachte. Ein junger Fotograf entdeckte damals diese Schelmenstücke und spann sie weiter. Es war der später noch berühmtere Martin Parr (1952 bis 2025), der in Baden mit skurrilen Modefotos amüsiert. Ihre Nachfolger sind wiederum Peter Dench, Mike Tyler, Mary Turner und Josh Edgoose, die vor allem die Arbeiterklasse und Außenseiter porträtierten.

Besonders beeindruckte Mary Turner den FOTOnow! Redakteur, die eine britische Tugend umsetzte: Haltung. Sie dokumentierte das Leben der Travellers, was das Deutsche „Fahrendes Volk“ halbwegs wiedergibt. Sie verdeutlichte mir, was eine gute Reportage ausmacht: Neun Monate lang erwarb sie das Vertrauen der Menschen, bevor sie das erste Mal den Auslöser drückte. Dabei habe sie sich bewusst für Farbe entschieden, da Schwarz-Weiß für sie allzu sehr das Klischee von Elendsbildern erfülle. Sie wollte vielmehr das Leben der Travellers in allen bunten Facetten einfangen.

Den moralischen Anspruch hielt ebenso der bewundernswerte Don McCullin (geboren 1935) hoch, der der versammelten Presse Tränen in die Augen trieb. Mal war es wegen des trockenen Humors, mit dem er erzählte, wie er seine ersten Aufnahmen ihn umgehend auf die Polizeiwache brachten, da sich seine Kamera als gestohlen erwies. Dann wieder sah man feuchte Augen, als er vor der Aufnahme eines toten Vietcong berichtete: GIs hatten seine Kleidung geplündert, wobei ein Foto seiner Mutter herausfiel. Er hatte also eine Familie, die ihn liebte und um ihn trauern würden. Er fragte sich: Warum wurde der junge Mann von GIs erschossen, die eigentlich nichts in dessen Heimat zu suchen hatten?

Sogar den mittlerweile 91-jährigen Mann trieben noch Fragen um, warum er solche Kriegsreportagen durchführte. Warum jagte er Krisen hinterher „wie ein Alkoholiker dem Bier“? Eine Antwort war, dass jemand bezeugen musste, was geschehen war. Trotz des Grauens blieb McCullin immer mitfühlend. Dementsprechend erinnerte er sich beispielsweise an die Rücksichtslosigkeit eines Fernseh-Teams, das in einem Hospital kranke Kinder verscheuchte. Es war ein Geschenk, diesen legendären Fotografen zu erleben, der die Geschichten hinter seinen Bildern, seine Gefühle und journalistischen Werte teilte.

Don McCullin
Don McCullin wurde 1935 im Arbeiterviertel Finsbury Park in London geboren und begann seine Karriere eher zufällig, als 1959 eines seiner Fotos der Guvnors-Gang nach der Ermordung eines Polizisten in The Observer veröffentlicht wurde (siehe Foto im Hintergrund).
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Amerikanische Soldaten in der Friedrichstraße nahe Checkpoint Charlie, West Berlin 1961© Don McCullin / Contact Press Images

Tod und neues Leben

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Richard Ladkani erzählte von seinen Erlebnissen mit der großartigen Primatenforscherin Jane Goodall.

Ein Wechselbad der Gefühlte bescherten auch die Fotos und Erzählungen von Richard Ladkani über die wunderbare Jane Goodall (1934 bis 2025), die ihn gebeten hatte, ein persönliches Porträt von ihr zu erstellen.

Unermüdlich warb die Forscherin dafür, die Lebensräume nicht nur von Schimpansen zu bewahren. Auf den Porträts sieht man ihr inneres Leuchten, aber auch, wie sie bei einer Tournee vor Erschöpfung zusammenbrach. Sie gewann neue Energie unter anderem aus Treffen mit jungen Menschen, deren Engagement sie immer wieder befeuerten.

Vor ihrem Tod besuchte Goodall nochmals das Reservat, in dem sie ihre Primatenforschung begann. Ladkani berichtete dazu eine unglaubliche Geschichte: Die 91-jährige Frau besaß nicht mehr die Kraft, tief genug in den Urwald zu gehen, um etwa die Gruppe rund um die Schimpansin Gremlin zu besuchen, die sie von Geburt an kannte. Obwohl die Gruppe der Matriarchin viele Kilometer entfernt im Wald lebte, hatte Gremlin irgendwie ihre Anwesenheit gespürt. Unvermutet tauchte sie auf, nahm ihre Menschenfreundin bei der Hand und führte sie auf den einzigen Pfad, der für sie noch begehbar war. Erst bei einem Felsen machte ihm Goodall klar, dass sich ihre Wege nun trennen würden.

Gremlin kletterte in die Höhe, drehte sich nochmals um und verschwand dann im Wald. Wenige Tage später starb Goodall friedlich im Schlaf. Die Ausstellung von Richard Ladkani erhielt einen ihr würdigen Raum im Rosengarten.

Nicht weniger beeindruckte Supratim Bhattacharjee, der seit 20 Jahren an der Reportage „Sundabans, der Zorn des Ozeans“ arbeitet. Diese Inseln werden regelmäßig von Wirbelstürmen heimgesucht, die das Leben fast wieder auf Null setzen: Brunnen sind versalzt, Häuser zerstört und Plantagen weggeschwemmt.

Auf einem Foto schützt eine Familie eine Hütte nur mit ihren Körpern, um zu verhindern, dass die Wellen sie wegschwemmen. Obwohl die Stürme durch den Klimawandel verheerender werden, wagen sie immer wieder einen neuen Anfang. Die Beharrlichkeit des Fotografen und noch mehr die der Inselbewohner prägen sich auch in die Betrachterinnen und Betrachter ein, die an den großformatigen Bildtafeln vorbeigehen.

Noch bis zum 11. Oktober 2026 haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die Welt von Großbritannien bis zum Polarkreis mit neuen Augen zu sehen. Zudem bieten die Veranstalter an, Gespräche mit einigen Künstlerinnen und Künstlern zu führen. Ab 21. Juli gibt es sechs Gelegenheiten, dazu stehen Führungen und drei Kinofilme zur Auswahl. 

  • Festival La Gacilly-Baden Photo
  • Very british!
  • Bis 11. Oktober 2026

http://festival-lagacilly-baden.photo