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Belichtungsmessung

Eine der am häufigsten zitierten Grundregeln der Fotografie, die an dieser Stelle auch nicht fehlen darf, ist „Die Sonne lacht, nimm Blende Acht!“ Sie stammt aus einer Zeit, als die Belichtungseinstellung der Kamera a) noch von Hand vorgenommen werden musste und b) dabei nicht auf eine exakte Helligkeitsmessung zurückgegriffen werden konnte. Stattdessen ging man von Filmmaterial mit einer Empfindlichkeit von ISO 50 bis ISO 100 sowie einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde für Außenaufnahmen und 1/60 Sekunde bei Innenaufnahmen mit Blitz aus.

Stand man also am sonnigen Urlaubsstrand, war „Acht“ ein guter Richtwert für die Blendeneinstellung, um ein halbwegs korrekt belichtetes Foto zu erhalten. Den Rest musste das Negativfilmmaterial richten, das  Über- und Unterbelichtungen in gewissen Grenzen verzieh und im Labor einen Helligkeitsausgleich beim Entwickeln der Abzüge erlaubte. Bei Diamaterial sah es schwieriger aus, denn es ist hinsichtlich Fehlbelichtungen empfindlicher. Eine korrekte Einstellung der Belichtung auf Basis einer exak­ten Messung wurde also wichtiger.

Belichtungsmesser
Bei einem klassischen Belichtungsmesser befindet sich vorne eine lichtempfindliche Zelle. Sie wandelt die Lichtenergie in ein elektrisches Signal um, das über eine Magnetspule die Anzeigenadel des Messgeräts ausschlagen lässt.
Belichtungsmesser
Der Belichtungsmesser in einerCanon EOS 450D sitzt oben im Sucherbuckel.

Handmessung

Eine erste Verbesserung brachten Handbelichtungsmesser. Die einfachsten Varianten basierten auf Selenzellen, die bei Lichteinfall eine elektrische Spannung abgeben. Hinzu kamen lichtempfindliche Fotowiderstände, die als elektronische Halbleiter ähnlich arbeiten.

Anwendung: Die lichtempfindliche Zelle an der Front der Messeinheit wurde vom Fotografen auf das Motiv gerichtet. Über ein Galvanometer, welches eine feine Anzeigenadel über eine Magnetspule bewegen  kann, ließ sich die Helligkeit als Messwert darstellen. Mittels einer Skala für die Blendengröße sowie Einstellräder für die Lichtempfindlichkeit des Filmmaterials, damals zum Beispiel „DIN 21“ für den ISO-100-Wert, sowie der Belichtungszeit konnte man die passende Kombination aus Verschlusszeit und Blendenzahl ablesen. Diese Werte musste man dann am Objektiv und am Verschlusszeitenrad seiner Kamera einstellen.

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Messzelle einer digitalen Spiegelreflexkamera.

In der Kamera

Die Idee, das Belichtungsmesssystem in die Kamera einzubauen, war natürlich naheliegend. Ab etwa 1963 wurde in Sucherkameras zunächst nur der Belichtungsmesser aus seinem externen Gehäuse in die Kameras übertragen, die ermittelten Einstellungen musste der Anwender weiterhin von Hand festlegen. Später gab es Messsucherkameras wie die Leica M5, die eine TTL-Messung erlaubten, indem sie eine vor dem Verschlussvorhang angebrachte Messzelle nutzten, die dann für die Aufnahme blitzschnell aus dem Strahlengang geklappt wurde.

Die Integration in Spiegelreflexmodelle bot ebenfalls die Belichtungsermittlung per „TTL“. Das Kürzel für „Through The Lens“ steht dafür, dass die Messung direkt durch das Objektiv erfolgt und exakt dem Bild angepasst werden kann.

Bei moderneren SLRs befindet sich der Belichtungsmesssensor im Sucherstrahlengang in der Nähe des Prismas (siehe Abbildung rechts oben). Dabei haben sich die Messzellen selbst  erheblich verändert und ähneln fast Bildsensoren. Die Canon EOS 5DS zum Beispiel nutzt ein Belichtungssystem, das 150.000 Pixel für die Helligkeitsbestimmung unterscheidet. 

Rein digital

Digitale Kompaktkameras ermitteln die Helligkeit nicht per zusätzlichem Sensor, sondern im elektronischen Sucherbild. Dabei können sie für ihre motivabhängigen Belichtungsprogramme auch Muster erkennen. Sind etwa die unteren zwei Drittel des Bilds dunkler als der obere, sehr helle Bereich, wird das als Landschaftsaufnahme mit sonnigem Himmel interpretiert und die Belichtung dem unteren Teil angepasst. 

Die Gesichtserkennung digitaler Kameras ermöglicht eine weitere Messmethode: Hier erkennt sie am vereinfachten Schema „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ die Person und wertet für die Belichtungsmessung nur diesen Bildbereich aus. Wie die Schärfeeinstellung konzentriert sich die Blenden- und Verschlusszeitenmessung auf das bildwichtigste Element.

Studioeinsatz

Trotz der genannten Fortschritte gibt es weiterhin Gründe, einen Handbelichtungsmesser zu nutzen. Dieser kommt üblicherweise in Studios für die Einstellung der Belichtung und der Leistung der Blitzanlage zum Einsatz.

Das Beispiel links zeigt das Gossen-Modell „DigiSky“. Er kann nicht nur wie die altehrwürdigen Belichtungssysteme auf die Szene gerichtet werden, sondern dient auch der „Objektmessung“.

Zur Objektmessung hält man das Belichtungsmessgerät an das Motiv, also zum Beispiel neben den Kopf eines Models, das fotografiert werden soll. Dann wird die Studioblitzanlage ausgelöst. Der Belichtungsmesser erfasst, wie viel Licht seine Messzelle erreicht, speichert den Wert und zeigt ihn auf seinem Display an. So kann man Belichtungseinstellungen an der Kamera sowie die Leistung der Blitzanlage einander anpassen.