Report

Bild

FOTO HITS erklärt Technik

Bajonettsysteme

FOTO HITS erklärt grundlegende Begriffe der Fotografie - von der Technik über Zubehör bis hin zu Verfahrensweisen. Diesmal im Blickpunkt: Speicherkarten.

Die Speichermedien aktueller Kameras können Milliarden von Bytes sichern und so Tausende von Bildern aufnehmen. Im Zuge der Digitalkameraentwicklung hat sich auch die verwendete Speichertechnik erheblich gewandelt, wobei sich unter den Speichermedien in den letzten Jahren zwei Standards herauskristallisiert haben. 

Die ersten Kameramodelle besaßen noch fest eingebaute Speicher-Chips mit einer sehr geringen Kapazität von nur wenigen Kilo- oder Megabyte, um Fotos mit Auflösungen von 320 mal 240 Pixel aufzu­zeichnen. Um die Bilder ansehen zu können, musste man sie per Kabelverbindung zum Fernseher schicken oder ebenfalls über eine Drahtverbindung an den PC senden. Ein solches „serielles Übertragungskabel“ ermöglichte im Vergleich zum Datenstrom heute üblicher USB- und anderer Verbindungsstandards eher ein „Datentröpfeln“, was aber angesichts der erwähnten Bildgrößen nicht weiter störte.

Speicher am Band

Die ersten digitalen Spiegelreflexkameras erfassten bereits größere Fotos und mussten daher mit anderen Speicherlösungen ausgerüstet werden. So konnte etwa die 1991 vorgestellte Kodak DCS-100 Fotos mit sagenhaften 1.280 mal 1.024 Pixel (1,3 Megapixel) aufnehmen und war per Kabel mit einer externen Speicherbox verbunden. Die Handhabung war entsprechend unkomfortabel, sodass die Hersteller andere Speicherlösungen entwickelten.

Man nutzte etwa so genannte „PCMCIA“-Karten („Personal Computer Memory Card International Association“), die eigentlich als Erweiterungslösungen für Laptops entwickelt wurden. 

Ein solches Kartensystem setzten etwa die gemeinsam von Canon und Kodak entwickelten Kameras Canon EOS DCS 1 beziehungweise Kodak EOS DCS 1 ein.

Diese Karten waren jedoch sehr sperrig und auch nicht sonderlich schnell. Einen großen Sprung machte die Kameraspeichertechnik dagegen im Jahr 1994 mit der Vorstellung der so genannten „CompactFlash“-Karten durch den Hersteller SanDisk, die bis heute in den meisten Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommen. Das Speichersystem dieser auch als „Flash“-Speicher bezeichneten Karten erfolgt ohne mechanischen Aufbau in elektronischen Bausteinen. Im Gegensatz zu den artverwandten RAM-Riegeln eines PCs sind ihre Speicherzellen aber „nicht flüchtig“. Sie behalten also die Bilder und anderen Daten auch ohne Stromzufuhr.

Für kompaktere Kameras waren jedoch noch kleinere und auch möglichst günstigere „Flash“-Speichermedien gewünscht, sodass Toshiba die ultraflachen „SmartMedia“-Karten entwickelte. Sie kamen auch in Spiegelreflexmodellen wie der unten abgebildeten „Fujifilm S1“ zum Einsatz.

Bild
Die Canon IXUS war eine der ersten Digitalkameras, die mit „CompactFlash“-Karten arbeitete. Die Kamera war so klein, dass die Karte fast die gesamte Gehäusehöhe einnahm.

Konzeptwechsel

Beim Sichern von Bildern oder anderen Daten auf den Medien erfolgt die Steuerung der einzelnen Speicherzellen über einen so genannten „Controller“. Das ist ein Mini-Computer, der nur für die Verwaltung des Speichersystems zuständig ist. Bei früheren Speicherkartensystemen wie den „SmartMedia“-Karten war dieser Controller in der Kamera eingebaut, die Karte selbst also war „dumm“. Das hatte zur Folge, dass zum Beispiel Karten mit höheren Kapazitäten, die beim Bau der Kamera noch nicht geplant waren, mit dieser leider nicht mehr genutzt werden konnten.

Bei „CompactFlash“-Karten war das anders. Sie besaßen von Anfang an einen eingebauten „Controller“, der alle Speichervorgänge steuerte. Damit verhielten sie sich nach außen hin wie IDE-PC-Festplatten, sodass sich die Kamera beim Speichern um nichts kümmern musste. 

Die Fujifilm S1 setzte die ultraflachen „SmartMedia“-Karten zur Sicherung ihrer Bilder ein.
Die Fujifilm S1 setzte die ultraflachen „SmartMedia“-Karten zur Sicherung ihrer Bilder ein.
Bild
„MicroSD“-Karten sind verkleinerte Varianten der SD-Kartenfamilie. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo eine extreme Größenreduzierung der Speichermedien gefordert ist – also etwa bei ultrakompakten Kameras, Smartphones und auch den kleinen Action-Kameras.

Der Controller war ein Grund, weshalb die „CF“-Karten teurer waren als die SmartMedia-Systeme. Seine Vorteile aber überwogen, weshalb zum Beispiel Fujifilm mit den „xD-Picture“-Karten im Jahr 2002 einen „SmartMedia“-Nachfolger mit eigenem Controller auf den Markt brachte. Zuvor hatte jedoch SanDisk mit den „SecureDigital“-Speicherkarten (ab 2001) eine Lösung für kompakte Kameras auf den Markt gebracht, die das ebenfalls boten und sich zum absoluten Standard für Flash-Speichermedien entwickeln sollten. Von diesen Karten sind inzwischen drei „Generationen“ verfügbar, die mit immer größeren Speicherkapazitäten und Schreibgeschwindigkeiten etwa für Serienbilder notwendig wurden. Diese SD-, SDHC- und SDXC-Karten dominieren den Markt für Kamera-Speichersysteme.

Zwischenzeitlich versuchte Sony es noch mit der Eigenentwicklung „MemoryStick“. Er kam später für kleinere Kameras als „MemoryStick Duo“ in einer verkürzten Version auf den Markt und blieb ein Intermezzo. Zwar können viele aktuelle Sony-Kameras noch mit ihm arbeiten, aber ihre Kartenschächte sind auch für SD-Karten einsetzbar.

Bild
Kapazitäten von bis zu 512 Gigabyte erlauben es, Hunderte von Raw- oder Tausende von JPEG-Bildern auf einem einzigen Speichermedium zu sichern. Mit Hilfe von USB- oder SATA-Kartenlesegeräten lassen sich diese Daten dann rasend schnell auf den Computer übertragen.

Status Quo

Eigentlich gibt es heute nur noch zwei relevante Speicherkartentypen. „CompactFlash“ hält sich weiter als Profi-Lösung für größere Spiegelreflexkameras, während praktisch alle kleineren SLRs, spiegellose System- und die Kompaktkameras auf die SD-Karten setzen. 

Besonders kleine Geräte, Action-Kameras und Smartphones verwenden deren verkleinerte „microSD“-Variante. Diese Karten lassen sich über einen simplen mechanischen Adapter wie ihre größeren SD-Geschwister einsetzen, daher gehören die Adapter vielfach direkt zum Lieferumfang einer „microSD“ dazu.