Foto-Ausstellung: Erwin Olaf
Wie verfeinerte Wut zu Kunst wird
Erwin Olaf eckte mit seinen Fotos anfangs sogar in den liberalen Niederlanden an. Zu freimütig stellte er schwule Ästhetik und Lebenswelten dar. Aber im Rückblick ist zu bemerken, dass seine Geschichten jeden Menschen betreffen.
Olafs Ursprünge liegen im Punk und der militanten Gay-Bewegung der 1980er-Jahre. Dementsprechend offensiv sind einige Motive. Aber über die bloße Provokation hinaus ging es ihm um individuelle und gesellschaftliche Freiheit. Anlässlich des islamistischen Anschlags auf den Club Bataclan 2015 sagte er: „Wenn die Freiheit mit Gewalt beschränkt wird, dann finde ich, wir sollten uns verteidigen. Und da muss auch ein Künstler auf die Barrikaden gehen. Wut ist ein guter Brennstoff für meine Arbeit“. Allerdings ist der Furor in seinen Werken stark verfeinert, der Wutbrocken wurde gewissermaßen zum Schleifpapier.
Erwin Olaf war ein Meister der Inszenierung, was ihm sowohl Anerkennung in der Kunstwelt als auch Aufträge von Unternehmen wie Microsoft, Louis Vuitton und Nokia einbrachte. Im Jahr 2017 durfte er sogar die niederländische Königsfamilie porträtieren und eine Euro-Münze mit König Willem-Alexander gestalten.
- Erwin Olaf: Muses
- f³ – freiraum für fotografie, Berlin
- bis 6. September 2026