Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Fotokunst startet durch

Buch „Fotofinish“ erläutert künstlerische Ansätze

Das Sachbuch stellt dar, wie sich die Fotografie in der modernen Kunst etabliert hat. Anhand von sechs Aufsätzen und zahlreichen Bildbeispielen erhält man viele erhellende Einblicke, weswegen das Kompendium angesichts von eher sporadisch erscheinenden Abhandlungen bereits empfehlenswert ist.

Heute werden Ansel Adams oder Sebastiao Salgado selbstverständlich als Künstler betrachtet. Daher mag manchen erstaunen, wie jung die Fotografie als anerkannte Kunstform ist. Aber FC Gundlach erzählte im Interview mit FOTO HITS, dass manches Meisterwerk in den Schubladen verrottete, bis er systematisch einige Bestände erfasste. Und erst in den 1970erJahren begannen bundesdeutsche Museen, Fotosammlungen anzulegen. Entsprechend heißt es im Vorwort von „Fotofinish“, dass es „mutig und innovativ“ von der DZ Bank gewesen sei, ihre Sammlung zu beginnen. Aus ihr speisen sich die Illustrationen für das vorliegende Buch.

Der grundlegende Ansatz, was die Fotokunst ausmacht, ist trivial: das Zeichnen mit Licht. Als Henry Fox Talbot um 1830 die Technik mitentwickelte, sollte sie unter anderem seinem fehlenden malerischen Talent abhelfen. Von diesem Aspekt ausgehend ist durchaus begreiflich, dass anfangs die Fotografie als Krücke der untalentierten Maler beschimpft wurde. Heute sollte aber jedem klar sein, dass es bei einer Aufnahme um mehr als nur um die bloße Abbildung eines Motivs geht, wie Talbot und andere ursprünglich anstrebten. Sie schenkt den Künstlern weitaus mehr Möglichkeiten.

„Fotofinish“ beleuchtet Aspekte wie das Trägermaterial, Aufnahmetechniken oder die Ausgabe als Tintenstrahldruck. In all diese Bearbeitungschritte lässt sich eingreifen, was anhand hierfür maßgeblicher Künstler vorgeführt wird. Geradezu detailversessen untersuchen Bildproduzenten etwa die moderne Medienproduktion, Fragen der Glaubwürdigkeit eines Fotos, Interaktion mit anderen Kunstgattungen, Computerkunst versus Künstlerpersönlichkeit und derlei mehr. Zwangsläufig geht es hierbei oft um Konzeptkunst, die zwischen abstrakten Kopfgeburten und verblüffenden Studien schwankt. Diesen vielfältigen Spielarten nähern sich die Autoren in Form von Essays an – was ja in französischen letztlich Versuch heißt. Kurz: Konzepte treffen auf Versuche.

Daher darf man keine in sich geschlossene Erläuterungen wie Walter Benjamins „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ erhoffen. „Fotofinish“ richtet sich an Neugierige, die bereit sind, die Grenzbereiche der Fotografie zu erkunden, um von dort aus deren Wesen zu bestimmen. Das erfordert einiges Nachgrübeln, was aber angesichts des Massenkonsums von Bildern ein Gebot der Stunde ist.


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