Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Jäger und Sammler

Schicksalhafte Fotografien

Ein gutes Bild birgt mannigfaltige Geschichten. Das Comic „Jäger und Sammler“ kreist darum, wie eine Fotografin sie auf der Straße sucht, wie sie ihr zufällig begegnen, und daraus Schicksal wird. Nicht zuletzt geht es darum, wie eng Fotografien und das Leben miteinander verflochten sein können.

Hierfür ist die Erzählweise eines Comics perfekt geeignet, da sie sich zwischen dem filmischen Erzählen und dem Standbild bewegt, und sich frei aus beiden dramaturgischen Beständen bedienen kann. Der Autor Cyril Pedrosa nutzt diese Möglichkeiten kunstvoll, um mehrere Erzählebenen miteinander zu verknüpfen: Die  Erlebnisse eines steinzeitlichen Jägers, die darin gipfeln, dass er eine Höhle mit Felsmalereien entdeckt und das triste Leben einer Fabrikarbeiterin, die ihm berührende Aufnahmen abringt. Daneben lernt man einen abgeklärten alten Mann kennen, eine zynischen Vater und andere Menschen.

Sobald die Fotografin den Auslöser drückt, wird der Schnappschuss um die kleinen Geschichte der Abgebildeten erweitert. So erhält etwa eine alte Frau eine Stimme, die sich erinnert , wie sie in ein Fotoalbum blickte, und nicht begreifen konnte, wie die Menschen darin mit ihren Freuden und Leiden so endgültig verschwinden konnten. All diese Geschichten erzählt Pedrosa sehr spannend und zudem in wunderbar leichten Farben, die an verblassende Polaroids erinnern.

Zunehmend begreift man, wie eng Fotos mit dem Gefühl von Verlust und Tod verbunden sind. Doch tröstlicherweise erkennt man auch, welche kleinen Momente sie enthalten, in denen das Leben schlagartig einen Sinn ergibt. „Versuchen, mithilfe all dieser eingefangenen Augenblicke eine Art Spur zu hinterlassen. Ein Zeichen, einen Hinweis vielleicht, für irgendwen, eines Tages, später“, wie es am Ende des Buchs heißt. Dass es Comic-Liebhaber ebenso wie für Fotografen auf solch berührende Art die Augen öffnet, macht „Jäger und Sammler“ sehr empfehlenswert.


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